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Radiologe im Interview : „Mich beunruhigt eine gewisse Sorglosigkeit der Geimpften“

Die Computertomographie ist wichtig für die Diagnostik von Patienten mit Symptomen. Bild: dpa

Der Radiologe Thomas Vogl ist mit Diagnostik, Therapie und Forschung zu Covid-19 befasst – und hat viele Corona-Patienten in der Computertomographie gehabt. Ein Interview über Impfschutz, Thrombosen und die Risiken von Astra-Zeneca.

          2 Min.

          Thomas Vogl ist Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Frankfurt und hat das Netzwerk Racoon („Radiological Cooperative Network on Covid-19“) mitbegründet, das einen Vergleich aller bildbasierten Daten besonders von Corona-Patienten ermöglicht, die an deutschen Universitätskliniken behandelt werden. Er ist mit Diagnostik, Therapie und Forschung zu Covid-19 befasst.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Herr Professor Vogl, sind Sie schon geimpft?

          Ja, aber erst kürzlich. Ich habe zunächst meine Mitarbeiter impfen lassen, die an vorderster Front stehen. Nun habe ich gerade meine zweite Impfung mit dem Impfstoff Moderna bekommen.

          Gab es besondere Reaktionen?

          Ich hatte mehr als 39 Grad Fieber und war einen Tag ziemlich angeschlagen.

          Der Impfstoff wirkt also. Jetzt können Sie ja beruhigt sein, oder?

          Ja, aber es gibt keinen hundertprozentigen Schutz auch durch eine vollständige Impfung. Auch Todesfälle sind möglich. Mich beunruhigt eine gewisse Sorglosigkeit der Geimpften.

          Sie haben viele Corona-Patienten in der Computertomographie (CT) gehabt.

          Ja. Die Computertomographie ist wichtig für die Diagnostik von Patienten mit Symptomen und dient vor allem zur rechtzeitigen Erfassung von Komplikationen wie Thrombosen und der Lungenembolie.

          Radiologe Thomas Vogl: „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz.“
          Radiologe Thomas Vogl: „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz.“ : Bild: Wolfgang Eilmes

          Was sind die größten Auffälligkeiten? Was macht das Virus mit dem Menschen?

          Die Diagnostik in der Computertomographie basiert auf relativ typischen Charakteristika wie einem Milchglasphänomen, das auf Mikrothromben der Lunge und einer Anschwellung des Gewebes beruht. So können sehr früh Auffälligkeiten erkannt werden.

          Warum gibt es zu den auf dem europäischen Kontinent festgestellten Hirnvenenthrombosen nur wenige Daten aus England, wo doch schon sehr viele Menschen mit Astra-Zeneca geimpft wurden?

          Das ist eine sehr komplexe Frage; es gibt mehrere Erklärungen. Hierzulande wird sehr früh beim Auftreten von Kopfschmerzen eine umfassende radiologische Diagnostik eingesetzt, vor allem die Magnetresonanztomographie mit Magnetresonanzangiographie – das kommt in Großbritannien seltener und später zum Einsatz. Oder, das wäre These Nummer zwei, das hat etwas mit den Chargen des Impfstoffs zu tun, aber da bin ich kein Experte.

          Ist Deutschland für die dritte Welle gerüstet?

          Ja, ich denke, wir sind hier gerüstet. Aber ich gebe zu bedenken, dass das pflegerische und ärztliche Personal in den Kliniken seit einem Jahr unter hohem Druck steht. Wir sind in Sorge, ob wir das weiter so aushalten werden. Deswegen mein Appell an alle zur Beachtung der Regeln zum Schutz unserer Gesellschaftsform und unserer Mitmenschen.

          Wie ist Ihr Ausblick? Wir werden ja mit dem Virus leben müssen. Wie wird das aussehen?

          Wir müssen die Impfungen vorantreiben. Meine Kollegen in Israel berichten hier von sehr guten Ergebnissen und einem Durchbruch – und den brauchen wir. Unsere Gesellschaft braucht ein Wir-Gefühl.

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