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Kampf gegen Radikalisierung : „Familie und enge Freunde sind die mächtigste Allianz“

Radikal: Demonstration gegen die aktuelle Corona-Politik in Hamburg Bild: dpa

Dana Buchzik gibt Workshops zum Umgang mit Verschwörungserzählungen. Was empfiehlt sie, wenn man merkt, dass sich enge Familienangehörige radikalisieren und den Familienfrieden nachhaltig stören? Ein Interview.

          6 Min.

          Frau Buchzik, in Ihrem neuen Buch analysieren Sie, wie sich Menschen radikalisieren. Die Veröffentlichung fällt in eine Zeit, in der wohl die meisten jemanden aus dem Familien- oder Bekanntenkreis kennen, der eine Corona-Impfung verweigert oder das Virus sogar leugnet. Begünstigt die Pandemie die Radikalisierung?

          Natalia Wenzel-Warkentin
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Viele Politiker und Journalisten haben ja hartnäckig behauptet, dass in der Pandemie wie aus dem Nichts eine Massenradikalisierung stattgefunden hätte. In meinen Augen ist das Entlastungsrhetorik. Wenn etwas plötzlich und unerwartet passiert, hat nämlich niemand einen Fehler gemacht: Niemand hat weggeschaut, niemand hat zu spät reagiert, niemand hat es sich im Alltag zu leicht gemacht. Aber wenn wir ganz ehrlich sind: Wie viele der Menschen in unserem Umfeld, die jetzt gegen Impfungen oder die Demokratie hetzen, haben schon Monate oder sogar Jahre vorher radikale Parolen von sich gegeben? Haben am Kaffeetisch gegen Menschen mit Migrationsgeschichte gehetzt, haben Antisemitismen verbreitet, haben behauptet, Ärzte wären von der Pharmaindustrie gekauft? Und wie oft haben wir diese Warnzeichen ignoriert? Die Pandemie wirkt als Beschleuniger, sie verstärkt das, was längst vorhanden ist.

          Was unterscheidet Corona-Leugner von anderen extremistischen Gruppen?

          Der Verfassungsschutz hat ab Ende 2020 von einem „Extremismus sui generis“ gesprochen, einem Extremismus eigener Art. Also etwas, das es so noch nicht gab. Ich glaube nicht, dass das stimmt. Wir sehen ja auf den Corona-Demos nicht ohne Grund so viele Rechtsextreme. Bei Black Lives Matter oder Fridays for Future machen die sich diese Mühe nicht. Weil sie wissen, dass ihre Parolen dort nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Außerdem passen ja Esoterik und Impfgegnerschaft hervorragend zum Rechtsextremismus: All diese Ideologien glauben an eine naturgegebene Ordnung. In dieser Ordnung gibt es die Auserwählten, die Starken. Deren Immunsystem ist natürlich auch ganz besonders und quasi unzerstörbar. Wer in diese Schublade nicht passt, gilt als schwach, zum Tode verurteilt – mit Mitgefühl oder Rücksichtnahme kann er nicht rechnen. Die Überhöhung der scheinbaren eigenen Überlegenheit und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen sehen wir bei allen Formen der Radikalisierung. Das ist also nicht neu. Aber nicht alle radikalen Gruppen wenden Gewalt gegen Andersdenkende an. Seit dem Sturm auf die Reichstagstreppe sehen wir immer mehr Gewalt in der Szene, aber auch ein immer deutlicheres Bekenntnis nach rechts. Dabei werden teilweise Begriffe neu gelabelt, um sich selbst zu entlasten. Aus „Nazi“ wird zum Beispiel „nicht an Zwangsimpfung interessiert“. Rechts zu sein, wird als Notwehr geframet, als heldenhafter Widerstand in einer vermeintlichen links-faschistischen Diktatur.

          Was für ein Typ Mensch läuft besonders große Gefahr, sich zu radikalisieren?

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