https://www.faz.net/-guw-a8jlv

Risiko für Kurzsichtigkeit : Sehkraft leidet unter Homeschooling

  • -Aktualisiert am

Kindern und Jugendlichen klagen über Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Verschwommen- oder Doppelsehen. Bild: Sieber, Laila

Forscher warnen vor einer regelrechten Quarantäne-Kurzsichtigkeit: Durch die zunehmende Nutzung von digitalen Medien könnte die Sehkraft von Kindern und Jugendlichen nachhaltig negativ beeinflusst werden.

          1 Min.

          Forscherinnen der Universitätsklinik Münster (UKM) warnen eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen von digitalem Distanzunterricht und übermäßiger Bildschirmnutzung. Durch zu viel Zeit vor PC, Tablet oder Smartphone im Homeschooling und in der Freizeit könne die Sehkraft von Kindern und Jugendlichen nachhaltig negativ beeinflusst werden, so Julia Biermann, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde am UKM. Häufig komme es durch vermehrte Naheinstellung oder beidäugigen Stress zu Beschwerden wie Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Verschwommen- oder Doppelsehen in Verbindung mit trockenen Augen. Dieser Stress für die Augen, der durch die Dauernutzung von digitalen Medien entsteht, wird im englischsprachigen Raum als „Digital Eye Strain“ (DES) bezeichnet.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In Indien habe eine aktuelle Umfrage ergeben, dass Kinder im Durchschnitt 3,9 Stunden pro Tag und damit 1,9 Stunden mehr als vor Beginn der Pandemie am Bildschirm verbringen. Mehr als die Hälfte der Probanden berichteten von DES-Symptomen. „Obwohl die Beschwerden in den meisten Fällen nur vorübergehend bestehen, kann es in einigen Fällen zu bleibenden Veränderungen kommen“, sagt Nicole Eter, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde am UKM. 80 Prozent der jungen Patienten, bei denen ein operationsbedürftiges Einwärtsschielen neu auftritt, gäben an, mehr als vier Stunden täglich Bildschirme zu nutzen.

          Nach Einschätzung der beiden Münsteraner Forscherinnen besteht durch fehlende Outdoor-Aktivitäten bei Schulkindern das Risiko einer regelrechten Quarantäne-Kurzsichtigkeit. „Tageslicht und der Fernblick wirken dem durch ständige Nahsicht vermehrten Längenwachstum des Augapfels entgegen. Wir empfehlen deshalb Kindern und Jugendlichen, täglich mindesten 40 Minuten im Freien zu verbringen.“ Zudem sollten Eltern präventiv „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ ergreifen: Außerhalb des Homeschoolings sollten Pausen durchgesetzt und die Bildschirmnutzung beschränkt werden. Vorbeugend wirksam gegen DES sei eine optimale Beleuchtung, mehr als 30 Zentimeter Abstand zum Bildschirm, Lesen im „dark mode“ (heller Text auf dunklem Grund), regelmäßiges Lüften und Luftbefeuchtung in Innenräumen. Zudem empfehlen die Medizinerinnen, Eltern sollten ihre Söhne und Töchter aktiv zu Augenbeschwerden befragen, weil Kinder diese oft nicht selbst äußerten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Karl Lauterbach (SPD), designierter Bundesminister für Gesundheit

          Künftiger Gesundheitsminister : Lauterbachs Fehler

          Karl Lauterbach ist qualifiziert für das Amt des Gesundheitsministers, doch seine Kompetenz könnte ihm in der Pandemiezeit im Wege stehen – denn ein Minister muss delegieren, also loslassen können.