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Quarantäne in Italien : Die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen

Am Ende ihrer Kräfte: die lombardische Krankenschwester Elena Pagliarini Bild: Facebook/Francesca Mangiatordi/Screenshot F.A.Z.

Schwere Kunst der Selbstbeschränkung: Vor allem die italienische Jugend rebelliert gegen den auferlegten Verzicht. Künstler, Musiker und Literaten werben derweil für den häuslichen Rückzug.

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          Das Foto zeigt die Krankenschwester Elena Pagliarini. Es ist sechs Uhr früh, am Ende ihrer Schicht in der Notaufnahme im Krankenhaus von Cremona, einer der am schwersten vom Coronavirus betroffenen Orte in der Lombardei, ist sie vor Erschöpfung zusammengebrochen. Pagliarinis Kopf ist auf den Schreibtisch gesunken, ihre Augen sind geschlossen. Sie hat noch die Atemmaske vor dem Gesicht, ihre Schutzbekleidung und die Latex-Handschuhe an. So fand die Ärztin Francesca Mangiatordi die schlafende Krankenschwester, machte ein Foto von ihr und verbreitete es in der Welt. „Ich möchte, dass dieses Foto eine Einladung wird, zu helfen: Bleibt zu Hause, respektiert die Regeln, denn das ist die einzige Möglichkeit, dass wir zusammenbleiben“, lautet ihre Botschaft dazu.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nichts hat geholfen, seitdem vor knapp drei Wochen das Coronavirus die ersten Todesopfer in Italien gefordert hat. Weder die totale Abschottung ganzer Ortschaften noch die Aufrufe zu mehr Hygiene, zum Abstandhalten, zur Einschränkung sozialer Kontakte. Keine der Bemühungen der Regierung, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, damit das Gesundheitssystem nicht kollabiert, zeigten Wirkung. Die Bilanz am Donnerstag: 10.590 Kranke, 1045 Genesene, 872 Tote. Nun hat die Regierung zu radikalen Mitteln gegriffen. Ganz Italien ist Sperrzone. Ein neues Dekret von Mittwochabend hat außerdem verfügt, dass sämtliche Restaurants und Bars sowie Geschäfte auf Weiteres geschlossen bleiben. Ausgenommen sind Lebensmittelläden, Apotheken und Zeitungskioske, da die Verfügbarkeit von Informationen in der derzeitigen Notlage als Notwendigkeit gilt. Eine spätere Analyse des behördlichen Vorgehens wird offenlegen, wo mögliche Entschlusskraft fehlte, zu spät gehandelt wurde oder falsche Entscheidungen getroffen worden sind, als die Ausbreitung des Virus in Italien begann. Fest steht schon jetzt, dass dem Kampf der staatlichen Institutionen gegen Covid-19 vor allem eines im Wege stand: die italienische Gesellschaft selbst.

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