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Auch für Geboosterte : Warum sich Vorsicht immer noch lohnt

Booster-Dosis: Wie sicher ist man nach dem dritten Stich? Bild: dpa

In zwei Monaten könnte sich laut WHO schon über die Hälfte der Menschen in Europa mit der Omikron-Variante infiziert haben. Trotzdem sollte man es jetzt nicht darauf ankommen lassen.

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          Die Einschläge kommen immer näher: Fast jeder kennt gerade jemanden, der kürzlich positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Instagram-Storys, Twitter-Startseiten und Whatsapp-Nachrichten sind voll von Fotos von positiven Schnelltests. Vor einem Jahr hätten solche Testergebnisse bei vielen Menschen noch Horror ausgelöst, mittlerweile schwingt dagegen bei vielen, die es nicht zu schwer trifft, neben ein bisschen Bammel auch Erleichterung mit: Jetzt ist es eben passiert, aber dafür ist diese verdammte Pandemie in zwei Wochen für mich wenigstens endlich vorbei!

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Und wird es nicht bald sowieso jeden erwischen? Die Weltgesundheitsorganisation warnte doch schließlich kürzlich davor, dass sich in zwei Monaten schon mehr als die Hälfte der Menschen in Europa mit Omikron infiziert haben könnten. Lohnt es sich also für Menschen außerhalb vulnerabler Gruppen überhaupt noch, die Psyche weiter mit Isolation und Angst zu martern? Und sind die Chancen auf einen sehr milden Verlauf dank der etwas ungefährlicheren Omikron-Variante – aber vor allem dank der drei Impfungen, die viele Deutsche jetzt schon bekommen haben –, aktuell nicht so gut wie nie zuvor? 

          Auch wenn man sich das alles gerne einreden würde: In Wirklichkeit ist es gerade ein sehr schlechter Zeitpunkt, um sich mit dem Coronavirus anzustecken. Selbst wenn das persönliche Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf auf dem Papier gering ist, kann es einen trotzdem erwischen – und die nächsten Wochen könnten in den Krankenhäusern chaotisch werden. Viele Klinikmitarbeiter sind nach zwei Jahren Pandemie am Ende ihrer Kräfte, nicht wenige haben gekündigt, dazu wird bald trotz gelockerter Quarantäneregeln ein signifikanter Teil des Personals wegen Corona-Erkrankungen oder -Kontakten ausfallen. Und weil es in Deutschland noch immer viel zu viele Ungeimpfte gibt, werden diese dezimierten Teams wohl wieder Tausende schwerkranke Covid-Patienten versorgen müssen.

          Omikron führt zwar seltener zu schweren Verläufen – aber auch ein kleiner Prozentsatz wird bei sehr hohen Inzidenzen zu einer hohen Absolutzahl von Patienten führen. Dazu kann man auch beitragen, wenn man selbst nicht im Krankenhaus landet: Ist man geboostert und infiziert sich, was bei Omikron leider keine absolute Ausnahme ist, kann man andere Menschen anstecken, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben. Das mag man nach zwei Jahren Pandemie vielleicht nicht mehr hören, wahr bleibt es trotzdem.

          Vielversprechende Medikamente

          Und es lohnt sich auch aus anderen Gründen, den Zeitpunkt einer Infektion wenigstens noch hinauszuzögern: In diesem Jahr kommen vielversprechende Medikamente auf den Markt, die schwere Covid-Erkrankungen verhindern oder abmildern können. Einige dieser Arzneimittel sind schon zugelassen, es wird aber noch dauern, bis sie flächendeckend in Krankenhäusern ankommen. Das Corona-Medikament Paxlovid senkt laut den Angaben des Pharmaunternehmens Pfizer bei Risikopatienten die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes zum Beispiel um knapp 90 Prozent. Pfizer und Biontech haben außerdem schon mit der Produktion einer Impfstoff-Version begonnen, die speziell vor der Omikron-Variante schützen soll – im März könnte der Impfstoff ausgeliefert werden.

          Bis dahin sollte man sich nicht zu sehr auf den berühmten „milden Verlauf“ verlassen. Der Virologe Christian Drosten hat im Podcast des NDR kürzlich erklärt, dass definitionsgemäß alle Erkrankungen als milde gelten, die Patienten nicht ins Krankenhaus führen: „Dieser milde Verlauf, das ist das, wo man vielleicht, wenn man zu Hause ist, denkt: Na ja, also das ist jetzt nicht mehr harmlos. Also jetzt merke ich schon, die Lunge funktioniert nicht mehr so, das Atmen fällt schon schwerer. Und wenn das jetzt noch schwerer wird, dann muss ich ins Krankenhaus.“

          Zu Hause krank im Bett zu liegen und zu überlegen, ob die Lunge schon so schlecht funktioniert, dass man ins Krankenhaus muss, oder ob man röchelnd lieber noch ein bisschen wartet, mag aus medizinischer Sicht „mild“ sein, angenehm ist es bestimmt nicht. Hinzu kommt die Angst vor Long-Covid. Wie hat es ein Bekannter kürzlich formuliert, dessen Familie trotz Booster-Impfungen seit Wochen mit der Infektion zu kämpfen hatte: „Ich kann es nach wie vor nicht empfehlen.“

          Die schlechte Nachricht für seine Familie ist: Steckt man sich nach drei Impfungen mit dem Coronavirus an, heißt das nicht, dass man sich nie wieder mit Sars-CoV-2 infizieren kann. Die Immunität kann durch die Infektion zwar noch mal etwas geboostert werden, es kann aber auch sein, dass der Körper das Virus so schnell ausradiert, dass das Immunsystem überhaupt nichts dazu lernt – vor allem wenn man sich kurz nach einer Impfung ansteckt. Das gilt dann zwar eher für Betroffene, die kaum Symptome haben.

          Aber auch mit Symptomen gibt es keine Sicherheit: Genau wie nach einer Impfung sinkt der Antikörperspiegel in den Wochen und Monaten nach einer Erkrankung wieder ab. Der Unterschied ist, dass nach einer Infektion viel schwerer abzusehen ist, wie lange die Immunität anhält. Impfstoffe können genau dosiert werden, die Viruslast, der man bei einer Ansteckung ausgesetzt ist, aber nicht. Es kann deswegen sein, dass man so wenig Viruslast abbekommt, dass man zwar positiv getestet wird, danach aber nur sehr kurz vor einer weiteren Infektion geschützt ist – die einen dann härter treffen kann als die erste Infektion. Die bittere Wahrheit ist also: Auch wenn man sich jetzt mit Omikron ansteckt – die Pandemie ist für einen danach nicht vorbei.

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