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Rasant zunehmende Infektionen : Lauterbach: Die Corona-Sommerwelle ist da

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Eine Schülerin hält einen Teststreifen aus einem Corona-Antigen-Schnelltest. Bild: Friso Gentsch/dpa

Einen Sommer mit sehr niedrigen Corona-Infektionszahlen wird es dieses Jahr nicht geben. Die Omikron-Variante BA.5 breitet sich rasant aus. Experten hoffen, dass es trotzdem zu keiner Überlastung des Systems kommt – und betonen die Bedeutung der Impfung.

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          Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich besorgt über den derzeitigen Anstieg der Corona-Infektionszahlen geäußert. „Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. „Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung.“

          Weil die aktuelle Virusvariante sehr leicht übertragbar sei und fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen seien, verpuffe in diesem Jahr der Sommereffekt in der Pandemie, erklärte der Minister weiter. „Älteren und Vorerkrankten empfehle ich daher dringend, sich noch mal impfen zu lassen“, sagte Lauterbach: „Das verhindert nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindert schwere Krankheitsverläufe.“

          In Deutschland erhielten laut Bundesgesundheitsministerium bisher 5,2 Millionen Menschen eine zweite Auffrischungsimpfung. Das sind 6,3 Prozent der Bevölkerung.

          Die Inzidenz steigt derzeit wieder sprunghaft an: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete an diesem Mittwoch 92.344 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt damit auf 472,4 nach 447,3 am Vortag und 331,8 vor zwei Tagen.

          Omikron-Variante BA.5 greift um sich

          Die trotz milder Temperaturen zunehmenden Zahlen haben laut Experten mehrere Gründe. Zum einen ist da der Omikron-Subtyp BA.5, der zuletzt in Deutschland stetig zulegt. „Die Untervariante BA.5 ist noch ansteckungsfähiger als alle Varianten zuvor, kann sich also auch unter den für das Virus widrigen Bedingungen im Sommer verbreiten“, erklärt Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Zudem könne BA.5 nach derzeitigem Kenntnisstand dem Immunsystem entwischen, selbst wenn es schon Kontakt zu Omikron-Varianten hatte, mahnt Ulrichs. Auch vollständig Geimpfte seien nicht vor einer Infektion gefeit. „Das bedeutet, es kommt eine große Anzahl von Wirten für die Verbreitung in Frage.“

          Nach Wellen in Ländern wie Portugal rechnen auch hierzulande viele Fachleute damit, dass BA.5 bald dominant werden dürfte. Laut letztem RKI-Wochenbericht beträgt der Anteil von BA.5 nach den letzten Daten etwa von vor zwei Wochen zehn Prozent – er dürfte aber inzwischen weitaus höher liegen. Für diese Woche sei anhand der bisherigen Ausbreitungsgeschwindigkeit anzunehmen, dass BA.4 vermutlich etwa 15 bis 16 Prozent des Infektionsgeschehens ausmache und BA.5 40 bis 50 Prozent, sagte der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller, am Dienstag.

          Sorgloseres Verhalten als in den Vorjahren

          Ebenfalls ins Gewicht fällt ein allgemein verändertes Verhalten vieler Menschen. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen verweist vor dem Hintergrund gefallener Corona-Beschränkungen auf höhere Mobilität und mehr Kontakte – und das bei deutlich geringerem Schutzverhalten wie Maskentragen.

          Auch die nun bei vielen länger zurückliegende Impfung spiele eine Rolle bei der wieder zunehmenden Verbreitung: „Die Immunität hat im Schnitt abgenommen, vor schweren Erkrankungen sollte aber noch ein deutlicher Schutz vorhanden sein“, so Zeeb.

          Inzidenzen werden im Sommer hoch bleiben

          Immunologe Watzl ist sicher: Einstellige Inzidenzen wie etwa im letzten Sommer wird es dieses Jahr nicht geben. „Die Inzidenzen werden – wie aktuell zu sehen – bei einigen Hundert liegen. Dafür ist Omikron zu ansteckend.“ Er geht davon aus, dass sich rund die Hälfte der Bevölkerung noch nicht mit Omikron infiziert hat. „Da die Impfung nicht so gut vor der reinen Ansteckung schützt, hat das Virus also noch ausreichend Potenzial, Menschen zu infizieren.“

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