https://www.faz.net/-guw-9y8nu

Unter strengen Auflagen : Österreich will ab 14. April die Maßnahmen gegen Corona lockern

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag in Wien Bild: EPA

Österreich will damit beginnen, das öffentliche Leben langsam wieder hochzufahren. Vom 14. April an sollen zunächst kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen.

          2 Min.

          In Österreich hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag Termine in Aussicht gestellt, zu denen Handel und Wirtschaft wieder schrittweise in Richtung Normalität gehen sollen. Verbunden wird das mit einer Verschärfung bei den persönlichen Sicherheitsmaßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus in der Öffentlichkeit. So soll eine Maskenpflicht nicht nur beim Einkauf in Supermärkten gelten, sondern von nächster Woche an auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch am Arbeitsplatz sollen nach Möglichkeit Schutzmasken getragen werden, die entsprechenden Regelungen sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmerorganisationen im Einvernehmen treffen. Kurz lobte die Arbeit seiner Regierung, aber auch die Disziplin der österreichischen Bevölkerung und verband das mit einem Appell, hierin nicht nachzulassen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die „schrittweise Öffnung der Gesellschaft“ solle nach Ostern beginnen. Dann sollen die Geschäfte schrittweise wieder geöffnet werden. Demnach dürfen zunächst kleinere Ladengeschäfte mit weniger als 400 Quadratmetern sowie Baumärkte weder öffnen. Doch müssten Besucher, wie in Lebensmittelgeschäften und künftig in Bussen und Bahnen, einen Mund-Nase-Schutz tragen. Ab dem 1. Mai sollten dann alle Geschäfte wieder geöffnet werden. Restaurants und Hotels blieben allerdings weiter geschlossen. Hier stellte Kurz eine Öffnung für Mitte Mai in Aussicht. Darüber solle Ende April entschieden werden. Bis dahin wurden auch die bestehenden Ausgangsbeschränkungen verlängert. Diese besagen, dass die Wohnung nur aus vier Gründen verlassen werden darf: für den Weg zur Arbeit, zum Arzt und Apotheker, zum Einkaufen oder zum alleinigen Spaziergang oder Sporttreiben. Veranstaltungen aller Art werden dagegen bis Ende Juni abgesagt.

          Im  Bildungswesen sollen die Matura (das Abitur) und die Lehrabschlussprüfung dieses Semester stattfinden. Der Schulbetrieb werde bis Mitte Mai als Homeschooling fortgesetzt werden müssen. Wie es dann weitergeht, werde Ende April entschieden. An den Universitäten werde dieses Semester der Lehrbetrieb ausschließlich digital fortgesetzt, Prüfung und Forschung sollten soweit wie möglich digital stattfinden.

          „Wir haben schneller reagiert“

          Kurz verwies in einer Pressekonferenz, an der ausschließlich österreichische Medien teilnehmen durften und die im Internet übertragen wurde, auf die „dramatische“ Lage in Ländern wie den Vereinigten Staaten und in Frankreich. „Wir haben in Österreich schneller und restriktiver reagiert als in anderen Ländern und konnten das Schlimmste verhindern“, sagte der Politiker der christdemokratischen ÖVP, der in Wien eine Koalition mit den Grünen führt. „Das gibt uns auch die Möglichkeit, schneller aus der Krise herauszukommen. Wenn wir konsequent und diszipliniert bleiben.“ Das Verhalten während der Osterwoche werde entscheidend dafür sein, „ob die Auferstehung, die wir uns alle wünschen, nach Ostern stattfinden kann“. Das bedeute, weiterhin Abstand voneinander zu halten und soziale Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts zu vermeiden. Man solle auch Ostern nicht gemeinsam mit Verwandten oder Freunden feiern.

          Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte: „Wir haben es geschafft, die Kurve wieder zu verflachen.“ Es gebe nicht mehr 40 Prozent Steigerung der Ansteckungen wie noch vor drei Wochen, sondern nur noch unter zwei Prozent. Seit einer Woche gebe es nur mehr einstellige Zuwächse. „Das ist ein riesiger Erfolg, aber erst ein erster Etappenerfolg.“

          Kurz sagte, das Land habe die Krise bisher vergleichsweise gut bewältigt. Man wolle nun auch „schneller als andere aus der Krise herauszukommen“. Dafür müssten aber „alle zusammenstehen“. Kurz appellierte: „Durchhalten, auch wenn’s schwerfällt. Sonst werden wir verspielen, was wir in den letzten drei Wochen zustandegebracht haben.“ Er hoffe, später zurückblicken und sagen zu können: „Wir haben die Krankheit besiegt. Schneller und besser als andere Länder haben wir die Wirtschaft wieder in Gang gebracht.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende April in Berlin

          Machtkampf in der Union : Das Ende der Zerrissenheit?

          Merkel und Söder schrauben sich und ihre Parteien laut Umfragen in ungeahnte Höhen. Die Suche nach einem CDU-Vorsitzenden und einem Kanzlerkandidaten macht das immer schwerer.
          Wohin soll das Geld gehen? Jakob Blasel sagt: in die Zukunft. Zum Beispiel in die Windkraft.

          Fridays for Future : Verspielt nicht unseren Wohlstand!

          Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft hart. Deutschland wird Unternehmen retten müssen. Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel sagt: Da hat die junge Generation ein Wörtchen mitzureden. Sie zahle ja auch die Zeche. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.