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Corona-Pandemie : Niederlande beenden Ausgangssperre und öffnen Geschäfte trotz hoher Inzidenz

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Menschen feiern am 27. April im Stadtzentrum Amsterdams den Tag des Königs. Menschenmassen haben sich in verschiedenen Städten der Niederlande versammelt, obwohl die Behörden dazu aufforderten, sich angesichts des Coronavirus an die Abstandsregeln zu halten. Bild: dpa

Nach vier Monaten in einem strengen Lockdown öffnen die Niederlande – obwohl die Infektionszahlen weiterhin hoch sind. Mediziner schlagen Alarm.

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          Gut vier Monate nach dem strengen Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen die Niederlande einen großen Schritt zurück in die Normalität. Die Ausgangssperre ist von diesem Mittwoch an vorbei, und Geschäfte und Terrassen von Gaststätten dürfen unter Auflagen wieder Kunden empfangen. Zunächst sollen die Terrassen von 12 bis 18 Uhr täglich geöffnet sein. Bürger dürfen auch wieder zwei Personen außerhalb des eigenen Haushaltes empfangen.

          Die Regierung unter dem rechtsliberalen geschäftsführenden Premier Mark Rutte hatte sich trotz Warnungen des wissenschaftlichen Corona-Beirates zu dieser ersten Lockerung der Corona-Maßnahmen entschieden. Die Infektionszahlen sind weiter hoch, und der Druck auf Krankenhäuser und Intensivstationen steigt noch. Zurzeit kommen auf 100.000 Personen etwa 220 Infektionen in sieben Tagen. Die Regierung rechnet jedoch damit, dass die Zahlen wegen der Impfungen schnell abnehmen. Etwa fünf Millionen Bürger haben den Angaben zufolge mindestens eine Dosis erhalten. Das sind knapp 30 Prozent der erwachsenen Einwohner.

          Ärzte melden überfüllte Krankenhäuser

          Niederländische Mediziner hatten noch vergangene Woche vor einem Notzustand in Krankenhäusern gewarnt. Wenn die Infektionszahlen nicht schnell zurückgingen, dann drohe „Code Schwarz“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung der Intensivmediziner, Diederik Gommers, am Freitag im Radio. Bei „Code Schwarz“ muss eine Triage-Kommission in Krankenhäusern entscheiden, welchen Patienten noch geholfen wird. Mehrere Krankenhäuser im Land seien so überfüllt mit Covid-Patienten, dass die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht sei, sagte Gommer.

          Schon jetzt werden nach Angaben der Krankenhäuser viele Operationen abgesagt, darunter auch Krebs- und Herz-Eingriffe. Den Notzustand in Krankenhäusern hatte es während der Corona-Epidemie noch nicht gegeben.

          Angesichts des bevorstehenden Lockdown-Endes in den Niederlanden wuchs am Dienstag in den Grenzgebieten die Sorge vor möglichen Ansteckungen. Der Kreis Heinsberg bat die Bürger, nicht notwendige Reisen und Tagesausflüge zu unterlassen. Aber man könne natürlich nicht ausschließen, dass bei dem schönen Wetter Deutsche in die Niederlande fahren und sich möglicherweise infizieren, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Sie erinnerte daran, dass die Grenzkreise vor einiger Zeit das Land NRW um mehr Impfstoff gebeten hatten, um diesen Szenarien vorzubeugen. Eine Rückmeldung habe es nicht gegeben.

          Angst vor Einkaufstourismus

          Der Landrat des Kreises Borken, Kai Zwicker (CDU), appellierte ebenfalls an die Bevölkerung, nun nicht in die Niederlande zum Einkaufen oder Cafébesuch zu fahren. Die Niederlande werden wegen der hohen Corona-Zahlen von Deutschland seit drei Wochen als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Einreisende aus dem Nachbarland – gleich welcher Nationalität – müssen einen negativen Coronatest vorweisen.

          Zwicker sagte, jetzt sei nicht die Gelegenheit für Geselligkeit, Freundschaftsbesuche oder zum Einkaufen auf der anderen Seite der Grenze. Der Kreis Borken im Münsterland grenzt auf 108 Kilometern an die Niederlande. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und der niederländische Justizminister Ferdinand Grapperhaus hatten die Bevölkerung in NRW gebeten, nicht in die Niederlande zu fahren.

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