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Unterricht in der Pandemie : Reicht der Corona-Schutz im neuen Schuljahr aus?

  • Aktualisiert am

Es geht wieder los: Eine Schülerin aus Aachen am Mittwochmorgen auf dem Weg in den Unterricht. Bild: dpa

In NRW beginnt das vierte Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen. Kategorisch ausgeschlossene Schulschließungen, fehlende Luftfilter und Maskenpflichten sorgen bei Verbänden für Kritik. Karl Lauterbach fühlt sich unterdessen missverstanden.

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          Für 2,5 Millionen Schüler hat am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen als erstem Bundesland das neue Schuljahr begonnen. Es ist das vierte unter Pandemie-Bedingungen. Die Zweifel, ob es ausreichend Schutzmaßnahmen gibt, sind groß. So monierte der der Präsident des NRW-Lehrerverbands, Andreas Bartsch, dass den Bundesländern „jegliche verbindliche und gesetzliche Regelung“ zum Schutz vor Corona fehle.

          Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat mit Blick auf die Corona-Lage in den kommenden Monaten flächendeckende Schulschließungen abermals ausgeschlossen. „Wir müssen alles so vorbereiten, dass es nicht so weit kommt“, sagte die FDP-Politikerin am Mittwoch. Unterricht sollte auch mittels digitaler Medien möglich sein, falls Lehrkräfte ausfielen, aber „immer nur begrenzt und nicht monatelange Schulschließungen“, betonte Stark-Watzinger.

          Zu Kritik an den Vorschlägen zum neuen Infektionsschutzgesetz sagte sie: „Die Länder haben jede Möglichkeit, auch mit den Schulen sich Regeln zu geben.“ Es sei die Hausaufgabe für den Sommer gewesen diese vorzubereiten. Das neue Bundesinfektionsschutzgesetz soll erst zum 1. Oktober greifen – es schließt Schulschließungen kategorisch aus und sieht eine Maskenpflicht erst vor, wenn der Präsenzunterricht auszufallen droht.

          Versäumnisse beim Thema Luftfilter

          Um einen abermaligen bundesweiten „Flickenteppich“ an unterschiedlichen Regelungen zu vermeiden, fordert Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) als amtierende Vorsitzende der Kultusministerkonferenz einen nationalen Schulgipfel. Experten sehen zudem weiterhin große Versäumnisse beim Thema Luftfilter in Klassenräumen. Eine flächendeckende Ausstattung sei längst nicht erreicht, es drohe oftmals bei Aufrufen zum Lüften zu bleiben.

          Die Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, Dorothee Feller (CDU), schließt indes die Rückkehr zur Maskenpflicht für den Herbst und Winter an einzelnen Schulen oder sogar flächendeckend nicht aus. Angesichts der derzeitigen Corona-Infektionszahlen sei eine Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes zwar nicht erforderlich, sagte sie am Mittwoch. Es gäbe auch gar keine gesetzliche Grundlage dafür. Die Landesregierung beobachte aber die weitere Entwicklung der Corona-Lage und werde bundesgesetzliche Regelungen abwarten. Zu Beginn der Herbstferien solle das Konzept dann angepasst werden. „Da kann es sein, dass wir in bestimmten Fällen eine Maskenpflicht vorsehen“, sagte Feller. Das werde dann mit dem Gesundheitsministerium besprochen.

          Vor zwei Wochen setzte sie noch auf Eigenverantwortung. Schon vor zwei Wochen empfahl sie freiwilliges Maske-Tragen im Klassenraum; Eltern sollen Corona-Schnelltests erhalten, damit ihre Kinder sich zu Hause – anlassbezogen und freiwillig – testen können. Am ersten Schultag besteht auch in der Schule eine Selbsttest-Möglichkeit.

          Mehrere Verbände sowie die Lehrergewerkschaften VBE und GEW forderten eindringlich mehr Personal. „Die wichtigste Aufgabe ist und bleibt die Bekämpfung des Personalmangels in den Schulen“, betonte VBE-Landeschef Stefan Behlau. Besonders im Grundschulbereich sei der Lehrermangel gravierend, hier müsse deutlich mehr getan werden, forderte der Lehrerverband NRW.

          Als weitere Baustellen nannte der Verbandsvorsitzende Andreas Bartsch Anstrengungen bei der Digitalisierung – Ausstattung und Fortbildung – sowie eine Entlastung der Lehrkräfte durch Schulverwaltungsassistenten. Auch für die Gymnasien hieß es: „Wichtig ist, dass die digitale Infrastruktur vor allem in der Fläche so ausgebaut wird, dass überall vergleichbare Bedingungen bei der digitalen Ausstattung vorliegen.“

          Ein weiteres Problem für das neue Schuljahr ist die niedrige Impfquote. Haben bundesweit bislang 69,3 Prozent der 12-bis 17-Jährigen mindestens zwei Impfdosen erhalten, ist es bei den 5-bis 11-Jährigen gerade einmal ein Fünftel. Die Schulleitungsvereinigung NRW befürchtet zahlreiche Unterrichtsausfälle, sollten sich Lehrer im Herbst und Winter reihenweise infizieren.

          Lauterbach: Jüngere können mit vierter Impfung warten

          Derweil will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach frühere Äußerungen zur vierten Corona-Impfung nicht als Empfehlung für alle jüngeren Menschen verstanden wissen. Er habe nie gesagt, dass alle jüngeren Leute sich jetzt impfen lassen sollen, das sei einfach falsch, sagte er am Dienstag. Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass Risikopatienten seiner Ansicht nach nicht auf die angepassten Impfstoffe warten sollten. Bei jüngeren Menschen könne es aber durchaus Sinn machen zu warten, um sich mit den neuen Impfstoffen behandeln zu lassen.

          Außerdem lasse sich laut dem SPD-Politiker aus den Planungen zum neuen Infektionsschutzgesetz keine Aufforderung zur Corona-Impfung alle drei Monate ableiten. Das wäre abwegig und medizinisch unsinnig, sagte er. Die von Lauterbach zusammen mit Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) erarbeiteten Gesetzespläne sehen vor, dass ab 1. Oktober Maskenpflichten für jene ausgesetzt werden, die frisch genesen sind oder deren jüngste Corona-Impfung weniger als drei Monate zurückliegt.

          Auf NRW als erstes Bundesland mit Sommerferien-Ende folgen am Montag (15.8.) die Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Danach beginnt in Hamburg, Berlin und Brandenburg das neue Schuljahr. In Bayern geht die Schule erst Mitte September wieder los.

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