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Neue Corona-Studie : Wer Freiheiten hat, nutzt sie

Ist das noch Regelkonform: Menschen am Frankfurter Mainufer während des Corona-Lockdowns Bild: Wolfgang Eilmes

Wissenschaftler haben das Verhalten der Menschen während der Ausgangsbeschränkungen untersucht. Es ist von Land zu Land unterschiedlich. Einen Trend gibt es aber überall.

          2 Min.

          Wer zuletzt den Eindruck hatte, die allgemeine Vorsicht in der Bevölkerung in Bezug auf das Coronavirus gehe langsam zurück, liegt laut einer neuen Studie nicht falsch. Marc Oliver Rieger von der Universität Trier und Mei Wang von der Otto-Beisheim School of Management haben herausgefunden, dass die Disziplin bei der Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen wegen der derzeitigen Pandemie schleichend abnimmt.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Hierfür untersuchten die Wissenschaftler das Verhalten der Menschen in vier Ländern – Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Grundlage waren anonymisierte Daten von Apple, Google und eine weltweite Umfrage mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Von Apple bekamen die Forscher Daten des Kartendienstes, um aus den angefragten Wegbeschreibungen schließen zu können, ob Menschen einen Ausflug planten. Zwar hieße das nicht unbedingt, dass dieser Ausflug auch realisiert worden sei, schrieben die Wissenschaftler.

          Hierfür gaben jedoch die Google-Daten weitere Indizien: Mithilfe von Standortbestimmungen erhebt Google, wo sich Menschen vermehrt aufhalten – beispielsweise in Parks, Supermärkten oder Wohngebieten. Unterstützt wurden diese beiden Datensätze dann noch durch die Ergebnisse der Umfrage, in der die Befragten angeben sollten, ob sie planten, ihr Haus in den nächsten fünf Tagen zu verlassen und was die Motive dafür seien.

          Ein allgemeiner Trend war in allen vier Ländern erkennbar: Je länger die Beschränkungen anhielten, desto eher tendierte die Bevölkerung dazu, das Haus zu verlassen. Regionale Unterschiede gab es aber. In Deutschland nahm im Vergleich zu den anderen Ländern die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs deutlich zu. Auch zeigt die Studie, dass 60 Prozent der Deutschen planten, in den nächsten Tagen einkaufen zu gehen, jedoch nur 37 Prozent der Franzosen. Gründe dafür lägen wahrscheinlich nicht in einem höheren Bedarf der Deutschen, sagten die Autoren, sondern möglicherweise auch darin, dass die Bevölkerung einen Ausflug zum Supermarkt als Freizeitaktivität nutze, da andere Freizeitaktivitäten nun nicht mehr möglich seien.

          Die Menschen verstoßen also nicht großflächig gegen die Vorschriften, doch sie nutzen ihre Freiheiten so weit es geht. Hinweise darauf finden sich laut der Studie besonders in Aktivitäten, die theoretisch gleich bleiben müssten: Je länger die Ausgangsbeschränkungen in Kraft waren, desto öfter gingen Deutsche mit ihrem Hund spazieren, obwohl sich am Bedürfnis des Hundes nicht sonderlich viel geändert haben dürfte. Aus der Studie geht allerdings nicht hervor, ob die regionalen Unterschiede auch dadurch zu erklären sein könnten, dass beispielsweise Frankreich seiner Bevölkerung noch strengere Regeln und Kontrollen zur Eindämmung des Virus auferlegt hat.

          Rieger und Wang fordern zum Abschluss ihrer Studie die Politik dazu auf, die Ergebnisse und Länderunterschiede bei weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu beachten. Konkrete Umsetzungsvorschläge geben sie jedoch nicht.

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