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Wissenschaftliche Empfehlung : Ausgangsbeschränkungen unausweichlich

Der Park des Japanischen Palais in Dresden ist am Samstag menschenleer. Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel sagt, sie wolle sich an Vorschläge der Wissenschaft halten. Die Nationalakademie Leopoldina hat nun eine Stellungnahme veröffentlicht. Hauptaufgabe müsse der Schutz des öffentlichen Raumes sein.

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          Ein „deutschlandweiter temporärer Shutdown (ca. 3 Wochen) mit konsequenter räumlicher Distanzierung“ ist aus Sicht von Wissenschaftlern der Nationalakademie Leopoldina „sehr empfehlenswert“. Das geht aus einer am Samstagvormittag veröffentlichten ad hoc-Stellungnahme der Nationalakademie hervor. Die Autoren sind Fachleute: Virologen, Tropenmediziner, Infektiologen und Pneumologen, kurzum, die geballte wissenschaftliche Kompetenz, die das Coronavirus Covid-19 zutreffend einschätzen kann.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die erste Aufgabe der Nationalakademie ist die Politikberatung. Bundeskanzlerin Merkel hatte in ihrer Ansprache am Mittwoch gesagt, dass die Politik sich mit ihren Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nach den wissenschaftlichen Empfehlungen richten wird.

          Die Wissenschaftler schreiben, alle Anstrengungen der nächsten Woche und Monate sollten darauf gerichtet werden, dass pharmazeutische Interventionen und Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum verfügbar würden und Kapazitäten zur Testung von Verdachtsfällen und Einreisenden vorhanden seien. „In der Zeit des Shutdowns müssen Vorbereitungen für das kontrollierte und selektive Hochfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft getroffen werden“, so heißt es in der Stellungnahme.

          Die Wissensgrundlage ändert sich in den Augen der Wissenschaftler ständig und Handlungsempfehlungen müssten im Lichte neuer Erkenntnisse angepasst werden. Für die nächsten Wochen und Monate empfiehlt die Leopoldina folgende gesundheitspolitische Schritte: Schutz besonders gefährdeter sowie systemrelevanter Personengruppen, also der Ärzte, Polizisten, Politiker, Energieversorger, Abfallentsorger und viele andere.

          Außerdem gehe es darum, Menschen in ambulanter oder stationärer Behandlung und Isolation zu versorgen. Die Arbeitsfähigkeit der ambulanten und stationären Einrichtungen müssten aufrechterhalten werden (Pflegedienste, Dialysezentren, Krankentransporte). Diese Gruppen müssten ihren Selbstschutz verbessern können, womit ausreichende Schutzmasken, Schutzkleidung etc. gemeint sind, die schon jetzt knapp zu werden scheinen.

          Auch an die sozialen und gesundheitlichen Folgen denken die Forscher, wenn sie Telefonhotlines und digitale Beratungs- und Betreuungsangebote, sowie die Förderung infektionsrisikoarmer sozialer und körperlicher Aktivitäten empfehlen, um „negativen Auswirkungen räumlicher Distanzierung und Quarantäne entgegenzuwirken“.

          Für unbedingt erforderlich halten die Wissenschaftler auch, Schnelltests und individuelle Tests zu entwickeln, um wiederholte Quarantänemaßnahmen bei nichtinfektiösen bzw. immunen insbesondere systemrelevanten Personen zu vermeiden. Für die Bevölkerung hält die Leopoldina breite und altersgerechte Aufklärungskampagnen über Medien (inkl. Postwurfsendungen) über die Erkrankung, ihre Ausbreitungswege, Abstandswarnungen und die Maßnahmen zur Unterbrechung von Infektionsketten für nötig.

          Dazu müsse auch verhaltenswissenschaftliches Wissen herangezogen werden, „um zu erwartende negative psychische und physische Konsequenzen eines temporären Shutdowns sowie räumlicher Distanzierung abzufedern“. Infizierte dürften nicht auch noch stigmatisiert werden.

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