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MWC in Barcelona abgesagt : Die Show fällt aus

Eine Frau sitzt 2019 vor einem Schild der MWC, die bereits auf die nächste Messe im Februar 2020 hinweist. Diese wurde nun wegen der Gefahr durch das Coronavirus abgesagt. Bild: AFP

Zuletzt hatten immer mehr Konzerne wegen der Coronavirus-Gefahr ihre Teilnahme an Mobile World Congress in Barcelona abgesagt. Nun haben die Veranstalter Konsequenzen gezogen.

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          Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ist die größte Mobilfunkmesse der Welt. In diesem Jahr fällt er erstmals in seiner 33 Jahre langen Geschichte aus. Die Angst vor dem Coronavirus hatte viele Großkonzerne der Branche zur Absage ihrer Teilnahme bewogen. Am Mittwochabend zog der Veranstalter, die Industrievereinigung GSMA, die Konsequenzen und sagte die Veranstaltung, die am 24. Februar beginnen sollte, ab – ein dramatischer Schritt für eine Branche im Umbruch und eine schlechte Nachricht für die Region Katalonien.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Ein solcher Schritt war lange Zeit kategorisch ausgeschlossen worden. Doch die Lage spitzte sich immer weiter zu: Mehr als 30 führende Unternehmen sagten bis Mittwoch ihre Teilnahme ab. Insgesamt wollten auf dem diesjährigen MWC ursprünglich zwar rund 2800 Unternehmen präsent sein. Doch unter den Absagenden fanden sich ausgerechnet die größten und wichtigsten Konzerne des Industriesektors, darunter die Netzwerkausrüster Nokia und Ericsson sowie die Telekommunikationskonzerne Deutsche Telekom, Vodafone, BT und wohl auch Orange.

          Eine Serie von Absagen

          In einer Stellungnahme von Messechef John Hoffman hieß es, die globale Sorge bezüglich des Coronavirus-Ausbruchs, Bedenken bei Reisen und andere Umstände machten es „unmöglich für die GSMA, an dem Ereignis festzuhalten“. Ein Sprecher hatte zuvor betont, man befasse sich in regelmäßigen Treffen mit Fachleuten damit, die Gesundheit der Besucher zu gewährleisten. Am Ende ging es aber offenbar mehr um die Frage, wer im Falle einer Absage Schadenersatz leisten muss.

          Sowohl der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa als auch Umweltministerin Teresa Ribera sowie die katalanische Regionalregierung hatten betont, man halte die bestehenden Vorsichtsmaßnahmen für ausreichend. Ribera hatte vor psychologischer Panikmache gewarnt. Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, hatte sich überzeugt gezeigt, dass die Stadt auf die Messe „perfekt vorbereitet“ sei.

          Jedoch hatte schon vergangene Woche eine Serie von Absagen begonnen. Den Anfang machten LG und Ericsson, darauf folgten Sony, Amazon, Facebook, Cisco, Intel und Vivo. Chinesische Unternehmen wie Huawei und ZTE hielten dagegen an ihrer Teilnahme fest. Am Mittwoch reihte sich die Deutsche Telekom in die Absagenden ein. Wie der amerikanische AT&T-Konzern, der kommen wollte, zählt die Telekom zu den 26 Mitgliedern des Rates des Veranstalters GSMA, der am Mittwochnachmittag zu einem kurzfristig einberufenen Krisentreffen zusammenkam. Eigentlich war ein Treffen erst für Freitag geplant, von dem es geheißen hatte, dass es dabei um eine mögliche Verschiebung oder eine Absage gehen könnte. Am Mittwoch dann kam alles schneller als erwartet.

          Bis dahin war davon keine Rede gewesen. Im Gegenteil hatten die GSMA und die katalanischen Gesundheitsbehörden immer wieder darauf hingewiesen, mit welchen umfangreichen zusätzlichen Maßnahmen man die Gesundheit der Teilnehmer schützen wolle. Dazu zählten ein umfangreiches Desinfektionsprogramm sowie strenge Vorgaben auch für die Besucher. Mit Passkontrollen an den Eingängen wollte man sicherstellen, dass niemand, der innerhalb der vergangenen 14 Tage in China war, die Messehallen betreten würde. Ausschließen wollte man ohnehin alle Bewohner der besonders vom Coronavirus betroffenen chinesischen Provinz Hubei. Zudem sollte die Körpertemperatur der Besucher gemessen werden. Sie waren daneben nachdrücklich dazu aufgerufen, im Rahmen einer „No Handshake Policy“ in diesem Jahr auf das Händeschütteln zu verzichten.

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