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Merkel über Corona-Maßnahmen : „Es muss in Berlin was passieren“

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An diesem Dienstag will die Kanzlerin in einer Videoschaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten über geeignete Maßnahmen gegen die steigenden Infektionszahlen in der Pandemie beraten. Bild: dpa

Angela Merkel zweifelt daran, dass die Berliner Landesregierung ernsthaft versucht, Maßnahmen gegen die Corona-Ausbrüche einzuleiten. Sie warnt davor, dass Deutschland an Weihnachten Zahlen wie Frankreich haben könnte.

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          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich sehr besorgt wegen der steigenden Zahlen von Corona-Infektionen in Deutschland geäußert. Man müsse lokale Infektionsherde sehr deutlich angehen, sonst habe man an Weihnachten Zahlen wie in Frankreich, sagte Merkel am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen in einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums. Die Infektionszahlen in Europa seien besorgniserregend, wurde die Kanzlerin zitiert. Man müsse in Deutschland alles tun, damit die Zahlen nicht weiter exponentiell stiegen.

          An diesem Dienstag will die Kanzlerin in einer Videoschaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten über geeignete Maßnahmen gegen die steigenden Infektionszahlen in der Pandemie beraten. Priorität hätten dabei Schulen, die Kindertagesstätten und die Wirtschaft. Merkel äußerte sich nach diesen Informationen in der CDU-Präsidiumssitzung besonders mit Blick auf die Lage der Wirtschaft besorgt. Sie äußerte zugleich Zweifel, dass die Berliner Landesregierung angesichts stark steigender Zahlen in der Hauptstadt ernsthaft versuche, Maßnahmen gegen die Ausbrüche einzuleiten. „Es muss in Berlin was passieren.“

          Reisende und Feiernde

          Der Stadtkreis Berlin-Mitte ist laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) einer von vier Kreisen in Deutschland, in dem die Sieben-Tage-Inzidenz (Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) mittlerweile 50 überschreitet. Im RKI-Lagebericht vom Sonntag heißt es, dass es sich in dem Kreis um ein diffuses Geschehen handle, das von jungen, international Reisenden und Feiernden getragen werde, die sich unterwegs oder auch auf Partys anstecken und diese Infektionen dann in ihren Haushalten und Familien verbreiten. Eine ähnliche Entwicklung sei in anderen Berliner Bezirken zu verzeichnen: In den Stadtkreisen Berlin Neukölln, Berlin Tempelhof-Schöneberg, Berlin Friedrichshain-Kreuzberg und Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf liege die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner.

          Auch in anderen deutschen Großstädten steigen die Zahlen: In Bremen und Hamburg liegt die Sieben-Tage-Inzidenz genau wie in Berlin sehr deutlich über dem bundesweiten Schnitt. Die Stadt München hatte vergangene Woche angesichts der steigenden Infektionszahlen schärfere Maßnahmen veranlasst. Viele Menschen infizieren sich laut RKI bei Feiern im Familien- und Freundeskreis. Der Anteil der Reiserückkehrer unter den Fällen gehe dagegen zurück. Es würden aber wieder vermehrt Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet. Weitere Ausbrüche gebe es in Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen, verschiedenen beruflichen Situationen sowie in Zusammenhang mit religiösen Veranstaltungen.

          In Hamm in Nordrhein-Westfalen stieg Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert von 112,2. Dies geht aus den am Montag veröffentlichten aktuellen RKI-Zahlen hervor (Stand: 0.00 Uhr). Hamm wies damit weiterhin den bundesweit höchsten Wert auf. Das Landeszentrum Gesundheit NRW schätzte die Zahl der akut Infizierten in Hamm am Montag auf 230. Als Ursache für diese Corona-Welle gelten eine Großhochzeit und damit verbundene weitere Feste. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, gilt in der Stadt unter anderem eine Genehmigungspflicht für private Feiern mit mehr als 50 Gästen.

          Insgesamt meldete das RKI am Montag erwartungsgemäß eine vergleichsweise niedrige Zahl an neuen Corona-Infektionen. Die Gesundheitsämter hatten binnen eines Tages 1192 Fälle übermittelt. An Sonntagen wie auch an Montagen sind die erfassten Fallzahlen erfahrungsgemäß meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI melden. Am Samstag war mit 2507 neuen Corona-Infektionen der höchste Wert seit April erreicht worden.  Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9460 – das sind drei Todesfälle mehr als am Vortag.

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