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Melania Trump : Von der Krise wachgeküsst

  • -Aktualisiert am

Stehen im Sturm: Donald Trump und First Lady Melania Bild: Reuters

Melania Trump wendet sich in der Corona-Krise dem Volk zu – mit Anleitungen zum Maskentragen und Rätseln für Kinder. Das öffentliche Engagement kostet die Ehefrau des 45. Präsidenten weit mehr Überwindung als ihre Vorgängerinnen.

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          Amerikas Königin der Herzen wird Melania Trump in diesem Leben wohl nicht mehr. Schon die Ehe mit Donald Trump, einem der unbeliebtesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten, rückt die Fünfzigjährige in ein wenig schmeichelhaftes Licht. Auch ihr Rückzug hinter die Mauern des Weißen Hauses – für eine First Lady untypisch – kommt bei vielen nicht gut an. Als Melania Trump den Umzug an die Pennsylvania Avenue nach dem Amtsantritt ihres Mannes Anfang 2017 vorerst ganz ausschlug, um ihren Sohn Barron das Schuljahr an der Columbia Grammar Preparatory in New York beenden zu lassen, unkten Beobachter bereits über einen Boykott. „Ich liebe Washington. Ich liebe es, dort zu leben. Ich habe das Weiße Haus zu einem Zuhause für unseren Sohn und meinen Ehemann gemacht“, versuchte sie das Image der Verweigerin später bei einem ihrer seltenen Interviews loszuwerden. Auch Vorwürfen über mangelndes Engagement steuerte die First Lady während des Gesprächs mit Tom Llamas, dem Chefreporter des Senders ABC, bei ihrer Afrika-Reise im Herbst 2018 entgegen. „Wir fühlen uns geehrt, dieser großartigen Nation dienen zu dürfen“, versicherte sie – und verschwand nach der Rückkehr aus Kenia doch wieder im East Wing.

          Corona scheint das Dornröschen des Weißen Hauses jetzt geweckt zu haben. Seit das Virus Amerika heimsucht, ruft die First Lady of the United States, kurz Flotus, zu Händewaschen und Social Distancing auf, spricht einsamen Senioren Mut zu und packt Lunchpakete für Pflegekräfte. Bei Twitter ermuntert sie Schüler und Lehrer zu Heimunterricht. Zwischendurch lädt sie online Rätsel hoch oder liest vor, um Kindern während des Lockdowns die Zeit zu vertreiben. Während „The Donald“ weiterhin Masken verweigert, zeigt Melania Trump ihren mehr als 14 Millionen Followern via Video, wie man den Gesichtsschutz so anlegt, dass er auch wirklich schützt. Vor einigen Wochen griff sie zum Telefonhörer, um Carrie Symonds, der Lebensgefährtin des britischen Premierministers Boris Johnson, nach einem Corona-Verdacht Genesungswünsche zu senden. Zuvor hatte sie sich schon mit First Ladys wie Brigitte Macron, Königin Letizia von Spanien und Frank-Walter Steinmeiers Ehefrau Elke Büdenbender über die Pandemie ausgetauscht.

          „Melania ist zwar keine Präsidentengattin in Kriegszeiten wie Eleanor Roosevelt. Aber Corona scheint auch bei ihr das Gefühl zu wecken, gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen“, sagt Myra Gutin, die an der Rider University in New Jersey zu Präsidentengattinnen forscht. Das öffentliche Engagement kostet die Ehefrau des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten dabei weit mehr Überwindung als ihre Vorgängerinnen. „Sie ist ein sehr scheuer Mensch. Der Verlust der Privatsphäre durch die Rolle als First Lady wiegt bei ihr besonders schwer.“

          Gegen Mobbing im Internet

          Schon während der Präsidentenwahl 2016 machte die gebürtige Slowenin kein Hehl daraus, auch nach einem Umzug in das Weiße Haus vor allem Mutter sein zu wollen. Es dauerte fast eineinhalb Jahre, bevor sie „Be Best“ ausrief, eine Kampagne für die emotionale Gesundheit junger Amerikaner und gegen Mobbing im Internet. Im Unterschied zu ihrer Vorgängerin Michelle Obama verzichtete sie auch darauf, als Ersatz des Präsidenten aufzutreten. „Obwohl Melania viel beliebter ist als ihr Mann, nimmt sie eher selten an Wahlveranstaltungen teil. Sie gilt als eine sehr selbständige Frau, die nur das tut, was sie tun will“, sagt Gutin.

          Das Selbstbewusstsein drückt das frühere Model immer wieder durch Mode aus – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Als ihr Mann vor drei Jahren auf Capitol Hill seine erste Rede zur Lage der Nation hielt, erschien Melania Trump in einem weißen Hosenanzug von Dior. Beobachter lobten das Outfit in der Farbe der Suffragetten als Affront gegen den Präsidenten. Kurz vor dem Auftritt war Donald Trumps Affäre mit der Pornodarstellerin Stephanie „Stormy“ Clifford bekanntgeworden.

          Nicht ganz so gut kam einige Monate später ein grüner Parka der First Lady bei dem Besuch eines Einwandererlagers an der mexikanisch-texanischen Grenze an. Der aufgedruckte Satz „I really don’t care, do you?“ stieß vielen Amerikanern als zur Schau gestellte Gleichgültigkeit auf. Nach eiligen Dementis ihrer Sprecherin stellte Melania Trump klar, sie habe die Jacke gegen Anfeindungen „linker Medien“ getragen.

          Dass Donald Trumps dritte Ehefrau auch in Corona-Zeiten Einzelkämpferin bleibt, zeigte sich vor einigen Wochen. Als die früheren First Ladys Michelle Obama und Laura Bush Ende April Lady Gagas Benefizaufruf folgten und per Video bei „One World: Together at Home“ für die Weltgesundheitsorganisation sammelten, fehlte sie. Ob Melania Trump nicht eingeladen wurde oder von sich aus auf eine Teilnahme verzichtete, weiß bis heute niemand zu sagen. Aus der Sicherheit des East Wing erinnert die First Lady via Twitter derweil weiter an Maske und Lockdown. „Ich bitte Sie, Kontakt zu Familie und Freunden zu halten“, mahnt sie eindringlich zu dezenten Harfenklängen. „Und nicht vergessen: Auch wenn einige von uns nicht zusammen sein können, sitzen wir doch alle im selben Boot.“

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