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Wegen Corona : Angst vor der Klinik

Eine Intensivstation in Recklinghausen, Nordrhein-Westfalen. Bild: dpa

Vermeiden Menschen es, ins Krankenhaus zu gehen, um sich nicht mit Corona anzustecken? So lautet zumindest ein Verdacht. Statistiken der Krankenkassen zeigen, dass da etwas dran sein könnte.

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          Bislang war es nur eine Vermutung, dass Patienten mit möglicherweise ernsthaften Erkrankungen zuletzt darauf verzichtet haben, ins Krankenhaus zu gehen – aus Angst, dass sie sich dort mit dem neuartigen Coronavirus anstecken. Notfallmediziner berichteten in den vergangenen Wochen immer wieder davon, dass seit dem Beginn des Ausbruchs in Deutschland mit einem Mal wesentlich weniger Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt und Schlaganfall in die Notaufnahmen kamen – obwohl es in vielen Fällen lebensgefährlich sein kann, solch ernste Erkrankungen nicht zu behandeln. Nun liegen erstmals detaillierte Auswertungen einer großen Krankenkasse vor, und sie deuten in dieselbe Richtung.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Mit Stand vom 24. April verzeichneten die Statistiker der Krankenkasse AOK in vielen Bereichen einen deutlichen Rückgang bei den Fallzahlen ihrer Versicherten. Dabei werden die sogenannten Eingangsdiagnosen betrachtet, also die Verdachtsdiagnosen, die den behandelnden Arzt jeweils dazu veranlasst haben, einen Patienten ins Krankenhaus aufzunehmen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kamen im April zwei Drittel weniger Versicherte mit dem Verdacht einer Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems oder des Bindegewebes ins Krankenhaus. Bei Erkrankungen des Atmungs- und des Verdauungssystems betrug der Rückgang jeweils etwa die Hälfte. Bei Kreislauferkrankungen verzeichnete die Krankenkasse 40 Prozent weniger Einweisungen.

          In einer zweiten Auswertung der Krankenkasse wird deutlich, dass die Fallzahlen in vielen Bereichen ziemlich genau Mitte März einbrachen – also zu der Zeit, als Bund und Länder die weitreichenden Kontaktbeschränkungen beschlossen. Fortan stellten sich weniger Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche in den Kliniken vor. Die Rückgänge waren laut der Auswertung der AOK in Bayern besonders hoch und betrafen zudem bundesweit tendenziell kleinere Krankenhäuser mit bis zu 200 Betten. Seit Mitte April gehen die Zahlen langsam wieder nach oben.

          Der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Jürgen Klauber, sagte am Donnerstag, die Daten stellten eine „erste interne Beschäftigung mit der Problematik“ dar. Sie seien noch schwer zu interpretieren. Das habe damit zu tun, dass die Verdachtsdiagnosen während der Krankenhausbehandlung häufig nicht bestätigt werden und anders lauten, wenn die Patienten wieder entlassen werden. Klauber warnt daher davor, die Auswertung als Beleg für ein „tatsächliches Versorgungsproblem beziehungsweise den wirklichen Umfang“ dieses Problems zu werten. „Allerdings wird der eine oder andere Patient mit Beschwerden gerade jetzt den Gang zum Arzt oder in die Notfallambulanz erst einmal aufschieben“, sagte Klauber.

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