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Maskenpflicht auf Straßen : Amsterdam und Rotterdam brechen ein Tabu

Nur noch mit Maske: neue Schilder in der Innenstadt von Amsterdam Bild: AFP

Auf den Einkaufsmeilen beider Großstädte müssen jetzt Schutzmasken getragen werden – auch im Freien. Die Chef-Epidemiologin des niederländischen Gesundheitsamtes warnt ausdrücklich davor, Rotterdam überhaupt aufzusuchen.

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          Wenn deutsche Besucher in den vergangenen Wochen in die Niederlande kamen, staunten sie oft nicht schlecht: In Geschäften, Restaurants und Cafés trug kaum jemand Mundschutzmasken. Im Unterschied zu den Nachbarstaaten hat sich die Regierung in Den Haag gegen verpflichtende Regelungen ausgesprochen. Zuerst hieß es, es gebe nicht genug Masken, dann wurde deren Schutzwirkung bezweifelt. Nur in öffentlichen Verkehrsmitteln sind sie seit Anfang Juni vorgeschrieben.  Allerdings erlaubt es die Regierung jetzt Städten und Gemeinden, dass die von sich aus tätig werden. Die beiden Großstädte Amsterdam und Rotterdam machten am Mittwoch den Anfang. Auf ihren zentralen Einkaufsmeilen und Marktplätzen gilt nun Maskenpflicht – und zwar nicht nur in Geschäften, sondern auch im Freien.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          In Amsterdam sind die Kalverstraat, der Nieuwmarkt und das Rotlichtviertel De Wallen im historischen Stadtkern betroffen, außerdem die Märkte auf der Albert Cuypstraat und auf dem Plein 40-45. In Rotterdam gilt die Pflicht auf den Shoppingmeilen im Stadtzentrum, drei großen Märkten und in zwei Einkaufszentren. In beiden Städten sollen während der Haupteinkaufszeiten kostenlos Einwegmasken verteilt werden. Alle Personen, die 13 Jahre oder älter sind, müssen dann mit Mundschutz einkaufen. Die Polizei hat Kontrollen angekündigt. Nach einer Einführungsphase, in der sie Passanten nur auf die Pflicht hinweist, will sie Ordnungswidrigkeiten verfolgen. In Rotterdam kostet es dann 95 Euro, wenn man ohne Maske erwischt wird. Beide Städte wollen nach vier Wochen ihre Erfahrungen evaluieren. Sie behalten sich schon jetzt ausdrücklich vor, die Tragepflicht auszuweiten.

          Der Druck zum Handeln ist mit den jüngsten Infektionszahlen weiter gestiegen. Während Anfang Juli weniger als 3000 Menschen mit dem Sars-CoV2-Virus infiziert waren, ist die Zahl inzwischen auf fast 17.000 gestiegen. Die Behörden haben im ganzen Land 242 „Cluster“ identifiziert, wo sich drei Personen und mehr infiziert haben. Die meisten neuen Fälle werden aus Rotterdam und Amsterdam gemeldet. Die Chef-Epidemiologin des niederländischen Gesundheitsamtes, Susan van den Hof, sprach am Dienstag von „verstörenden“ Zahlen. Sie warnte ausdrücklich davor, überhaupt Rotterdam aufzusuchen: „Meiden Sie die Stadt, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, dort zu sein!“ Das Amt stellte anschließend klar, dass es sich nicht um eine formelle Reisewarnung handelte. Nach Angaben der europäischen Infektionsschutzbehörde besteht für die Provinzen Südholland und Seeland ein erhöhtes Infektionsrisiko.

          Ob sich das Virus auf den Shoppingmeilen der großen Städte ausgebreitet hat, ist freilich ungewiss. Mit der Pandemie ist der Tourismus gerade in Amsterdam stark eingebrochen, deshalb sind auch die Straßen und Plätze im Zentrum weniger belebt als sonst. Die größere Gefahr dürfte in geschlossenen Räumen bestehen. So wurde am Dienstag im Amsterdamer Rotlichtbezirk ein Stripclub geschlossen, nachdem zehn der vierzig Angestellten positiv auf Covid-19 getestet worden waren.  

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