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Hörgeschädigte und Corona : „Mit einer Maske verstehe ich einfach gar nichts“

Eine Gebärdendolmetscherin auf der Pressekonferenz der slowakischen Präsidentin Zuzana Čaputová. Bild: dpa

In wenigen Tagen wird überall in Deutschland in bestimmten Bereichen eine Maskenpflicht gelten. Für Menschen mit Hörschädigung bringt das erhebliche Schwierigkeiten mit sich.

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          Anfang der Woche machte in den sozialen Netzwerken Twitter und TikTok ein Video die Runde. Zu sehen war die Youtuberin Cindy Klink, die unter Tränen schilderte, was eine Maskenpflicht für sie bedeutet: ein Verstummen der Alltagskommunikation. Denn Cindy Klink hat eine Hörschädigung. Im Gespräch mit Menschen ist sie deshalb auf deren „Mundbild“ angewiesen, das heißt auf Lippenbewegungen. Kann sie die nicht erkennen, kann sie nicht kommunizieren: „Mit solch einer Maske verstehe ich einfach gar nichts. Ich würde nicht mal realisieren, dass mich jemand anspricht. Die Anwendung der Gebärdensprache mit Schutzmaske bringt sehr wenig.“ Für eine Gebärde gebe es oft mehrere Bedeutungen, diese ließen sich nur anhand des Mundbildes unterscheiden. „Das kann sehr schnell zu Missverständnissen führen“, schreibt Klink.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wie viele Menschen in Deutschland eine Hörschädigung haben, ist schwer zu sagen. Rund 80.000 sind gehörlos, wobei die Dunkelziffer als hoch eingeschätzt wird. Fast eine Million Menschen sind nach Informationen des Deutschen Schwerhörigenbundes hochgradig schwerhörig. Natürlich ist auch diesen Menschen die Gesundheit wichtig, auch sie wollen sich und andere schützen. In Kürze wird es in ganz Deutschland eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen geben, im medizinischen Bereich ist sie schon lange unerlässlich.

          Kommunikation trotz Maske

          Wie könnte eine Alternative aussehen, die die Gesundheit schützt und andere dennoch nicht ausschließt? Eine Studentin in den Vereinigten Staaten stellte Masken mit Sichtfenster her. Eine Gruppe aus Spanien begann mit Regenhauben von Kinderwägen zu experimentieren, wie ein lokaler Fernsehsender berichtete. In Zeiten, in denen Masken knappe Ware sind und teilweise für horrende Summen verkauft werden, wird allerdings nicht jeder die Möglichkeit haben, eine solche Maske zu bekommen. Und auch das Atmen ist durch das Plastik oft schwieriger, beim Sprechen beschlägt es. Der Deutsche Gehörlosen-Bund empfiehlt diese Masken deshalb nur unter Vorbehalt.

          Doch es es gibt andere Lösungen. Eine Betroffene, die namentlich nicht genannt werden möchte, greift zu Stift und Papier: „Mittlerweile schreibe ich mir vorher immer auf, was ich alles haben möchte und halte dort den Zettel vor.“ Dennoch sei sie oft gestresst von der Einkaufssituation. Unter Menschen mit Hörschädigung wird deshalb mittlerweile ein Schreiben herumgeschickt, das man ebenfalls mitnehmen kann. „Bitte haltet andere (und auch mich) nicht für unhöflich, wenn wir nicht antworten oder reagieren! Wir Hörgeschädigte verstehen euch dann einfach nicht!“, ist darauf zu lesen.

          Manfred Schütz arbeitet für WITAF, einen Wiener Verein, der sich in Österreich um die Belange von Gehörlosen kümmert. Dort gibt es in Geschäften und Supermärkten schon seit Anfang April eine Maskenpflicht. Wenn man im Supermarkt einkaufe und wisse, was man wolle, sei das in der Regel kein Problem, sagt Schütz. In anderen Kontexten dagegen schon: „Ich bin letztens in eine Situation gekommen, in der eine Apothekerin hinter einer Plexiglaswand nicht bereit war auf Papier und Stift auszuweichen, weil ihre Handschuhe zu groß waren. Das sind für mich unverständliche Alltagssituationen.“ Inzwischen sei er deshalb dazu übergegangen, die Einkäufe größtenteils seinem Mann zu überlassen. 

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