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Mangel an Schutzausrüstung : Hilfe für Zahnärzte gefordert

Patienten: Zahnarzt Alfonso Padilla will helfen, ohne geeignete Schutzausrüstung ist das aber nicht möglich. Bild: Frank Röth

Husten, Schnupfen und ein pochender Backenzahn. Zahlreiche Praxen lehnen derzeit die Behandlung von Patienten mit Erkältungssymptomen ab, weil sie sich nicht ausreichend vor einer möglichen Coronainfektion geschützt fühlen. Jetzt soll die Politik das Problem lösen.

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          Einen Plan, wie die zahnärztliche Versorgung von möglicherweise mit dem Coronavirus Infizierten sichergestellt werden kann, wenn sich die Lage weiter zuspitzen sollte, will die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen sowie die Landeszahnärztekammer gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Soziales in der nächsten Woche vorstellen. Denn viele Zahnärzte fühlen sich für die Behandlung solcher Patienten nicht ausreichend ausgestattet.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Eine mögliche Lösung, die derzeit auch auf Bundesebene diskutiert wird, ist die Errichtung sogenannter Notfallzentren. An diese sollen sich Menschen wenden können, die befürchten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, oder die schon positiv getestet wurden. Das bestätigte am Freitag der Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen, Michael Frank. Die Behandlung Infizierter erfordere zusätzliche Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die derzeit in vielen Praxen nicht gewährleistet werden könnten, sagte er zur Begründung. Es fehle vielerorts an spezieller Ausrüstung. Zwar solle Material in den kommenden Tagen eintreffen, ob dieses aber auf die Praxen verteilt werde oder ob es zur Einrichtung der zentralen Behandlungsstelle komme, gelte es zu klären.

          „Wir sind die Gefährdetsten von allen“

          Auf ein solches Signal hat Alfonso Padilla seit Tagen gewartet. Denn bisher fühlt sich der Zahnarzt in der Corona-Krise von der Politik, aber auch der Zahnärztekammer sowie der Kassenzahnärztlichen Vereinigung alleingelassen. „Wir sind von allen medizinischen Fachärzten die gefährdetsten von allen“, sagte er. „Wir arbeiten im Mund. So nahm kommt kaum ein anderer seinen Patienten.“ Derzeit habe er Probleme, schon einfache Schutzausrüstung für den täglichen Bedarf zu bestellen.Vieles sei nur noch in kleinen Mengen lieferbar. „Wir verbrauchen gerade gallonenweise Desinfektionsmittel“, sagt Padilla. Erst am Morgen habe er einem befreundeten Zahnarzt 50 Masken überlassen, um dem Kollegen überhaupt zu ermöglichen, seine Praxis zu öffnen.

          Derzeit würden viele Patienten zu ihm in die Praxis kommen, die nicht nur über Zahnschmerzen, sondern zusätzlich über Erkältungssymptome klagten und bei anderen Ärzten abgelehnt worden seien. „Ich habe einen hypokratischen Eid geschworen. Den gebe ich nicht auf, nur weil ein Virus durch die Welt grassiert“, erklärt er. Solange keine klare Regelung getroffen sei, wo sich möglicherweise Infizierte melden sollen, werde er auch diese Schmerzpatienten annehmen. Statt der vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Schutzmaske verwendet er für diese Sitzungen behelfsmäßig eine Schutzbrille, ähnlich einer Schweißerbrille, die Mund und Nase zusätzlich verdeckt. Eine andere habe er nicht beziehen können. „Ich werde hier sein, bis der letzte Schmerzpatient behandelt ist oder ich meine Mitarbeiter und mich nicht mehr schützen kann“, sagt er.

          Schnupfen und Zahnweh - und kein Arzt öffnet

          Patienten mit Erkältungssymptomen wüssten derzeit oft nicht mehr, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie Schmerzen hätten, weiß Padilla aus Gesprächen mit den Hilfesuchenden zu berichten. Oft  könne nicht einfach durch die Einnahme von Schmerztabletten die Zeit bis zu einer möglichen Behandlung in einigen Wochen überbrückt werden. DiesenPatienten müsse sofort geholfen werden, fordert Padilla. Dafür müsse aber ihm und seinen Mitarbeitern das vorgeschriebene Arbeitsmaterial zur Verfügung stehen.

          Allein in der Sprechstunde am Donnerstag habe er außerplanmäßig einen Mann mit einem Abszess am Kiefer sowie eine ältere Dame, die aufgrund einer falsch sitzenden Prothese nicht kauen konnte, behandelt. All diesen Menschen müsse auch in der Corona-Zeit eine Versorgung garantiert bleiben, fordert er. Dafür müsse jedoch sichergestellt werden, dass zumindest die Schutzausrüstung, die für die tägliche Arbeit benötigt werde, lieferbar sei.  Anders sei der  Versorgungsauftrag kaum noch zu erfüllen, sagt Padilla.

          Der Vorsitzende der Landeszahnärztekammer, Michael Frank, kennt die Klagen über Lieferprobleme. Die Situation werde sich in der kommenden Woche entspannen, sagt er. Seit einigen Tage gehe wieder Material für den täglichen Praxisbedarf in den Verteiler.  Es gelte jetzt allerdings zeitnah mit dem Hessischen Ministerium für Soziales darüber zu beraten, wie genau die Zahnärzte in den kommenden Wochen mit den Schmerzpatienten umgehen sollen, die zusätzlich Symptome der neuartigen Lungenerkrankung aufweisen. „Die Versorgung der Bevölkerung ist zum jetzigen Zeitpunkt aber  absolut sichergestellt. Die Praxen stehen auch zur regulären Behandlung zur Verfügung.“

           

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