https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/mamming-174-erntehelfer-in-bayern-mit-corona-infiziert-16876663.html

Corona-Ausbruch auf Gemüsehof : Bayern kündigt weitere Reihentests bei Erntehelfern an

  • Aktualisiert am

Auf dem Hof in Mamming stehen fast 500 Menschen unter Quarantäne. Bild: dpa

Im bayerischen Mamming haben sich 174 Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert, fast 500 Menschen stehen unter Quarantäne. Grüne und SPD geben der bayerischen Staatsregierung Mitverantwortung.

          2 Min.

          Nach einer Corona-Masseninfektion auf einem großen Gemüsehof im bayerischen Mamming stehen fast 500 Menschen unter Quarantäne und dürfen den Betrieb nicht mehr verlassen. Ein Sicherheitsdienst überwacht das Ausgehverbot. Insgesamt 174 Erntehelfer wurden bei der Reihenuntersuchung positiv auf den Corona-Erreger Sars-CoV-2 getestet, wie das Landratsamt Dingolfing-Landau am Samstagabend mitteilte.

          „Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, müssen wir zum Schutz der Bevölkerung leider diesen Schritt gehen“, erklärte Landrat Werner Bumeder (CSU). Zuvor hatten sich in dem Betrieb bereits sieben Mitarbeiter infiziert, dies war der Anlass des Reihentests.

          Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte weitere Reihentestungen von Saisonarbeitskräften in anderen landwirtschaftlichen Betrieben an, zunächst in Niederbayern.  

          Bei dem Betrieb handelt es sich um einen großen Gemüsehof, der Erdbeeren, Gurken, Kohl und Rote Bete anbaut, die Gurken aber nur für Einlegegläser. Mamming ist eine ländliche Gemeinde mit gut 3300 Einwohnern.

          Bumeder appellierte an die Bürger, Ruhe zu bewahren: „Nach unseren Informationen handelt es sich um einen geschlossenen Personenkreis.“ Auf dem Hof wurden infizierte von nicht infizierten Mitarbeitern getrennt, das Gelände ist nun von einem Absperrzaun umgeben.

          Zu wenig Kontrollen?

          Grüne und SPD gaben der bayerischen Staatsregierung Mitverantwortung. Die zwei Oppositionsfraktionen warfen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und seinem Kabinett vor, die Kontrolle der Unterkünfte von Saisonarbeitern zu vernachlässigen. „Das kann sich bitter rächen, wenn solche lokalen Infektionsgeschehen ausgreifen und regionale Lockdowns angeordnet werden müssen“, sagte Jürgen Mistol, der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen.

          Das sieht die SPD ganz ähnlich: „Wir haben nach dem Corona-Ausbruch in dem Wiesenhof-Schlachthof Mitte Mai bereits ein Sonderkontrollprogramm auch für Bauernhöfe mit Erntehelfern gefordert“, sagte Umweltexperte Florian von Brunn. „Gerade die Hygienebedingungen am Arbeitsplatz und die Wohnverhältnisse müssen aus unserer Sicht scharf kontrolliert werden. Das ist offensichtlich nicht passiert.“ Der Ausbruch sei „mit Ansage“ gekommen.

          305 Neuinfektionen an das RKI gemeldet

          Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 305 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 205.269 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus infiziert, wie das RKI am Sonntagmorgen meldete (Datenstand 26.7., 0.00 Uhr). Die Zahl der Neuinfektionen liegt damit wieder deutlich unter dem Niveau von Freitag und Samstag mit je mehr als 800 bzw. 700 Neuinfektionen, allerdings übermitteln nicht alle Gesundheitsämter am Wochenende ihre Werte an das RKI.

          In Deutschland starben nach den RKI-Angaben bislang 9118 mit dem Virus infizierte Menschen – seit dem Vortag kamen jedoch keine neuen Todesfälle hinzu. Bis Sonntagmorgen hatten 190.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

          Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 25.7., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,24 (Vortag: 1,08). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

          Weitere Themen

          Sintflut in Südafrika

          Provinz Kwa-Zulu-Natal : Sintflut in Südafrika

          Im Osten von Südafrika ist es abermals zu sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen gekommen. Brücken, Häuser und Straßen wurden zerstört, gerade reparierte Infrastruktur beschädigt.

          Topmeldungen

          TV-Kritik „Hart aber fair“ : Hört auf diese Frau

          Börsenexpertin Anja Kohl fährt die sozialpolitischen Krallen aus. Bei Frank Plasberg erteilt sie Lektionen zu Preissteigerungen, mit denen anwesende Abgeordnete eigentlich etwas anfangen könnten. Wenn sie sich nicht an überholte Konzepte klammerten.
          Freude pur mit Plattenhardt (l.): Hertha BSC Berlin bleibt in der Bundesliga

          Bundesliga-Relegation : Plattenhardt rettet Hertha

          Der Berliner Linksverteidiger bereitet das 1:0 vor und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Hertha bleibt in der Bundesliga, die Mission von Trainer Magath „ist jetzt beendet“. Der HSV muss in sein fünftes Zweitligajahr.
          US-Präsident Joe Biden am Montag mit den Ministerpräsidenten von Japan und Indien.

          Bidens Wirtschaftspakt : Eine Gefahr für den Freihandel

          Der amerikanische Präsident schmiedet einen Wirtschaftspakt im Indo-Pazifik. Die Chancen, dass seine Initiative Durchschlagskraft entwickeln wird, sind indes gering.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Automarkt
          Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen
          50Plus
          Serviceportal für Best Ager, Senioren & Angehörige