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Madagaskars Präsident : Kräutertee gegen Corona?

Auf einem Schulhof in Madagaskar warten Schüler Ende April auf die Verteilung von „Covid Organics“. Bild: dpa

Seit Monaten forschen Mediziner nach einem Heilmittel für Covid-19. In Madagaskar will man eines gefunden haben – einen Tee aus speziellen Kräutern. Die katholische Kirche unterstützt das Getränk, die WHO hat Zweifel.

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          Der Kräutertee mit dem Namen Covid-Organics habe bereits zwei Patienten geheilt, wirke innerhalb von sieben Tagen und sei auch als Prophylaxe nützlich, verkündete Madagaskars Präsident Andry Rajoelina. Dann nahm er im Beisein von Ministern, Diplomaten und Journalisten ostentativ einen tiefen Schluck aus der Flasche.

          Thilo Thielke †

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Entwickelt wurde das vermeintliche Heilmittel im Kampf gegen Corona vom Madagassischen Institut für Angewandte Forschung. Es besteht aus verschiedenen auf der Insel beheimateten Kräutern und aus Beifuß, einem einst aus China eingeführten Korbblütler aus der Gattung der Artemisia. Aus dem Beifuß gewonnenes Artemisinin wird seit geraumer Zeit sehr erfolgreich im Kampf gegen Malaria eingesetzt. Unterstützung erfährt der 45 Jahre alte Präsident von der Katholischen Kirche. Sollten die Eltern einverstanden sein, wolle man Covid-Organics umgehend an den Schulen des 26-Millionen-Einwohner-Staats ausschenken, verkündete Kardinal Désiré Tsarahazana, Vorsitzender der Madagassischen Bischofskonferenz. Im Land können die Flaschen mit dem bräunlichen Getränk für umgerechnet rund 40 Cent erworben werden.

          Ob Rajoelinas Zaubertrank tatsächlich gegen die derzeit grassierende Lungenseuche hilft, wird nicht nur von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezweifelt. Afrikaner hätten „Medikamente verdient, die nach denselben Standards geprüft wurden wie für Menschen in der restlichen Welt“, teilte die WHO mit und erinnerte an die Notwendigkeit „umfassender klinischer Tests“ und mahnte zur „Vorsicht gegenüber Falschinformationen über die Wirksamkeit bestimmter Heilmittel“. Etliche afrikanische Staatschefs zeigten sich davon unbeeindruckt. So gaben unter anderem die Regierungen von Tansania, Kongo-Brazzaville, Liberia, Senegal, der Zentralafrikanischen Republik und von Äquatorialguinea Bestellungen auf. Das westafrikanische Guinea-Bissau bekam von der Regierung in Antananarivo bereits Fläschchen geschenkt und versprach, einen Teil davon an die Nachbarländer weiterzuleiten.

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