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Macrons neuer Protektionismus : Patrioten leben jetzt von Bordeaux und Camembert

„Mehr in Frankreich produzieren“: Emmanuel Macron besucht eine Schutzmaskenfabrik in Saint-Barthelemy-d’Anjou in der Nähe von Angers. Bild: AFP

Hat ein Amerikaner auf einem chinesischen Rollfeld eine für Frankreich bestimmte Ladung Schutzmasken umgelenkt, indem er die dreifache Summe bot? Jedenfalls stützt die Geschichte Macrons neue Maxime, dass Frankreich mehr selbst produzieren muss.

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          Zu den wichtigsten Bürgerpflichten während der Ausgangssperre in Frankreich zählt es, „patriotisch“ zu essen und zu trinken. Landwirtschaftsminister Didier Guillaume wirbt dafür, beim Einkauf heimische Erzeugnisse zu bevorzugen. Die Stunde des „Versorgungspatriotismus“ habe geschlagen. Das Glas Bordeaux zu Camembert und Baguette wird zum patriotischen Mahl. Der sechzig Jahre alte Guillaume, Sohn eines Schafzüchters aus dem Süden, leitet seit Oktober 2018 das Landwirtschaftsministerium und sieht in der Pandemie eine Gelegenheit, das Verbraucherverhalten nachhaltig zu verändern.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sogar die Supermärkte zögen mit, freut er sich. Die Gemüse- und Obstauslagen der großen Einkaufsketten wie Leclerc, Auchan oder Carrefour seien fortan „100 Prozent französisch“, berichtete die Zeitung „Les Echos“. Damit sollen die Absatzeinbußen ausgeglichen werden, die den Bauern und Fischern durch die Schließung der Wochenmärkte und Restaurants entstehen. Landwirtschaftsminister Guillaume, der lange die sozialistische Fraktion im Senat leitete, hatte als linker Globalisierungsbefürworter an Macrons Kabinettstisch gefunden.

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