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Luxus-Konzern : LVMH-Chef attackiert Amazon

Bernard Arnault am Mittwochabend in Paris Bild: AP

Die Amerikaner würden Produktpiraterie betreiben, schimpft der Großaktionär des Luxus-Konzerns. Ansonsten kann er gelassen bleiben, denn sein Unternehmen hat schon wieder Rekordergebnisse erzielt.

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          Ob Corona-Virus, Hongkong-Krise oder ein weltweiter Handelskrieg – Europas reichster Aktionär und Manager ist ein Meister im Kleinreden potentieller Bedrohungen. Der jährliche Auftritt von Bernard Arnault bei der Präsentation der LVMH-Jahreszahlen zeigt es immer wieder. Der weltgrößte Luxuskonzern macht ein Drittel seines Umsatzes in Asien, doch vom Corona-Virus, der den Aktienkurs bereits erheblich belastet hat, will er sich nur beunruhigen lassen, „wenn die Krise zwei Jahre dauert“, wie er am Mittwochabend in Paris sagte. „Hat es sich in zwei Monaten erledigt, wird es nicht schlimm sein“. Er glaube an die Gegenmaßnahmen der chinesischen Behörden. Ehrlicherweise fügt er jedoch hinzu, dass er genauso wenig eine Kristallkugel habe wie andere. „Unsere Mannschaft in China sagt, dass es zu früh ist, um die Dauer vorherzusagen. Ich habe meinen Leuten gesagt: Keine Panik“.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Mehr Leidenschaft – und zwar negative  – löst bei dem 70 Jahre alten Franzosen indes der Internetkonzern Amazon aus. Wahrscheinlich liegt es daran, dass das amerikanische Unternehmen eine Plattform für Luxusmode starten will. Auf jeden Fall schimpfte er darüber, dass über Amazon gefälschte Produkte verkauft würden. „Man weiß ja, dass Produktpiraterie mit dem organisierten Verbrechen und dem Terrorismus verbunden sind. Daher fragt man sich, wieso angesehene Unternehmen auf diese Art aktiv sein können, ohne dass es jemanden stört“, erregte sich Arnault. Eine Bemerkung zum Geschäftsmodell von Amazon erlaubte er sich auch: Sie würden nur mit ihrem Marktplatz Geld verdienen, bei dem sie kräftig Kommissionen kassierten. Der Verkauf von Waren auf eigene Rechnung schaffe dagegen Verluste. Überhaupt würden alle Luxusplattformen im Internet im Minus liegen, betonte Arnault. Die eigene Tochtergesellschaft „24S“, die Louis Vuitton, Dior und Céline vertreibt, sei da keine Ausnahme, räumte der LVMH-Chef ein.

          Arnault ist ein Mann der „alten Schule“, wie er selbst einräumt; er glaubt an die Macht des stationären Handels, allein schon weil sich die Einkaufslust dort leichter wecken lässt. Die Luxustempel, die LVMH für seine 75 Marken weltweit errichtet hat, legen davon Zeugnis ab. Und die Geschäftsergebnisse geben ihm Recht: Im vergangenen Jahr hat der Weltmarktführer wieder einmal Rekordzahlen hingelegt. Erstmals steigerte der Konzern seinen Umsatz über die Grenze von 50 Milliarden Euro und erreichte durch ein Plus von 15 Prozent den Wert von 53,7 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn stieg um die gleiche Rate auf 11,5 Milliarden Euro, was wie im Vorjahr zu einer operativen Umsatzrendite von 21,4 Prozent führte. Einmal mehr war das starke Wachstum von der Kernmarke Louis Vuitton mit seinen Lederwaren und seinen Modeartikeln getragen. Daneben schiebt sich die Marke Dior zunehmend nach vorne.

          Nicht alles glänzt indes in der Bilanz: Der Nettogewinn kletterte zwar um 13 Prozent auf den Rekordwert von 7,2 Milliarden Euro, doch die Analysten hatten etwas mehr erwartet. Weniger flott lief der Bereich Parfums und Kosmetik, wo der operative Gewinn bei einem Umsatzplus von 9 Prozent nur um 1 Prozent stieg. Auch bei den Vertriebsunternehmen der Gruppe kam nur ein Gewinnanstieg von 1 Prozent heraus, denn vor allem die Boutiquen von  DFS litten unter der Krise in Hongkong. Die politischen Unruhen haben im vierten Quartal konzernweit zu einem Umsatzeinbruch in Hongkong von 40 Prozent geführt, nachdem sie schon im dritten Quartal um 25 Prozent zurückgewichen waren. Allerdings verlegten sich die Verkäufe auf andere asiatische Länder, denn insgesamt nahmen der LVMH-Umsatz im vergangenen Jahr bei einem Plus von 14 Prozent nirgendwo stärker zu als in Asien (ohne Japan). In Europa gab es einen Umsatzzuwachs von 11 Prozent, in den Vereinigten Staaten von 6 Prozent.

          LVMH wäre auf jeden Fall gerüstet, um eine Durststrecke durchzustehen. Die Verschuldung ist im vergangenen Jahr zwar um 13 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gestiegen, doch etwa im gleichen Ausmaß kletterten die liquiden Mittel.

          So zeigte Arnault vor der Presse abermals viel Gelassenheit und geizte nicht mit Superlativen, um einzelne Marken in den Vordergrund zu rücken: Der Cognac Hennessy sei heute die umsatzstärkste Spirituose der Welt. Kein Lippenstift würde zudem so häufig umgesetzt wie der „Rouge Dior“. „Durchschnittlich verkaufen wir jede Sekunde einen davon“ Nicht zuletzt sei Louis Vuitton die größte Modemarke der Welt, und das Parfum „Sauvage“ das führende Männerparfum.

          Man weiß es: LVMH hat seinen  Börsenwert von rund 211 Milliarden Euro – das ist rund die Hälfte mehr als das schwerste deutsche Unternehmen, SAP – auch mit viel Marketing aufgebaut. Am Donnerstag hat es wieder funktioniert: Die LVMH-Aktie kletterte am Vormittag um gut 1 Prozent.

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