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LMU München : Mitarbeiterin nach Wut-Video über Corona-Maßnahmen freigestellt

  • -Aktualisiert am

Die Mitarbeiterin des Pathologischen Instituts ist von der Universität in München freigestellt worden. Bild: dpa

Eine Mitarbeiterin der Pathologie der Münchner LMU hat sich in einem Video über tatsächliche oder angebliche Corona-Maßnahmen aufgeregt. Ihr droht der Rauswurf.

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          Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat eine Mitarbeiterin des Pathologischen Instituts der Medizinischen Fakultät vom Dienst freigestellt. Die junge Frau hatte in den sozialen Medien ein etwa viereinhalb Minuten dauerndes Video gepostet, in dem sie sich, zum Teil in derber Sprache, über die Corona-Politik in Deutschland echauffiert. In Arbeitsmontur, allerdings ohne Maske, bewegt sie sich dabei, wie sie selbst sagt, im „Sektionssaal“.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Ihre Anklage, bei deren Vortrag sie sich immer wieder an den Kopf tippt, geht in mehrere Richtungen. Zum einen scheint sie der Auffassung, dass die Pandemie nicht so schlimm ist wie es von der Regierung beschworen wird. „Ich hab 22 Leichen. Drei davon, drei davon mit Corona. Die Boxen sind übervoll, ich hab noch zwei Kühlkammern mit Leichen drinnen. Drei haben Corona.“ Kritisch sieht sie offensichtlich auch die Arbeitsbedingungen von Ihresgleichen: „Wir haben den Notstand in Deutschland nicht wegen dem Corona-Virus, sondern wegen Fachkräftemangel!“ Außerdem scheint sie eine Impfgegnerin zu sein: „Wollen wir jetzt Kranken helfen oder wollen wir einfach nur alle dazu zwingen, sich impfen zu lassen? Und dann am besten noch mit alle vier Monate oder was oder alle sechs Monate, ist mir scheißegal, wo du 'ne Blutgerinnung anregst mit 'nem Impfstoff, die sind doch komplett geisteskrank – geisteskrank. (sic)“

          Insbesondere regt sie sich auf über eine angebliche „Sonderregelung für Universitäten und Kliniken“, nach der „die ungeimpften Mitarbeiter einen PCR-Test nachweisen müssen, und den müssen sie selber bezahlen, weil man in Kauf nimmt, dass sie kündigen“. Sie habe gerade an der Arbeit erfahren, dass „das Ministerium“ das alles so entschieden habe. Sie selbst sei davon nicht betroffen, „aber meine Kollegen, und keiner macht die Fresse auf. Ich bin so dermaßen wütend. Keiner kann mir erzählen, dass das irgendwas damit zu tun hat, dass wir wen schützen wollen. Das ist einfach nur ein Druck, ein Zwang, 'ne Volksverhetzung, 'ne Diskriminierung“.

          Auf Nachfrage beim bayerischen Gesundheitsministerium teilte dieses allerdings mit, dass es momentan keine bundes- oder landesrechtliche Regelung gebe, „die eine PCR-Testpflicht für Krankenhausbeschäftigte sowie eine diesbezügliche Kostentragung durch die Beschäftigten vorsieht“. Derlei sei seitens des Freistaats auch nicht geplant. Ob die Universität im Rahmen eines eigenen Hygienekonzepts von ihren Beschäftigten mehr verlangt? Das war von der Hochschule bis zum Donnerstagnachmittag nicht zu erfahren. Die junge Frau, die nach eigenen Angaben dabei ist, „eine Bewegung zu starten“, unter dem Namen „Paragraph 32“ (das ist der Notwehrparagraf des Strafgesetzbuchs), soll nach dem Willen der Universität fristlos entlassen werden. Auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschehen soll, konnte die Universität zunächst ebenfalls nicht beantworten. Vorsorglich distanzierte sie sich nicht nur „aufs Schärfste“ von dem Inhalt des Videos, sondern wies ebenso darauf hin, „dass das Drehen und Posten von Videomaterialien in den Räumlichkeiten der LMU für Privatzwecke und ohne Genehmigung unzulässig ist“.

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