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Li Wenliang : Er warnte vor dem Coronavirus – jetzt ist er tot

Li Wenliang hat sich bei der Behandlung seiner Patienten mit dem Virus angesteckt. Bild: privat

Der chinesische Augenarzt wies als einer der ersten auf das Coronavirus hin und machte auf die Vertuschung der Behörden in Wuhan aufmerksam. Jetzt ist er selbst an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

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          Er war einer der Helden von Wuhan. Nun ist er tot. Der Augenarzt Li Wenliang hatte als einer der Ersten die Gefahr des neuen Coronavirus erkannt und im Internet befreundete Ärzte alarmiert. Daraufhin wurde er von der Polizei einbestellt, die ihm vorwarf, mit „falschen Angaben die öffentliche Ordnung in ernster Weise bedroht“ zu haben. Die Einschüchterungsversuche hatte er später öffentlich gemacht und damit bestätigt, was viele schon ahnten: Dass die Behörden in Wuhan das wahre Ausmaß der Krise gezielt vertuscht hatten.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Li Wenliang hatte sich bei einer Patientin selbst mit dem Coronavirus angesteckt. Am Donnerstag ist er an den Folgen der Infektion gestorben. Das bestätigte am Abend die Parteizeitung „Global Times“ und später auch das Krankenhaus in Wuhan. Sein Tod dürfte eine Welle der Anteilnahme zur Folge haben, die leicht in Wut und Entrüstung umschlagen könnte. Im sozialen Netzwerk Weibo war es kurz vor Mitternacht das beherrschende Thema. Viele Chinesen reagierten geschockt auf die Nachricht. „Diejenigen, die sterben sollten, sind nicht gestorben, aber der, der nicht sterben sollte, ist gestorben“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer schrieb: „Er hat keine Entschuldigung erhalten, bevor er von uns gegangen ist.“

          Der Hashtag #WuhanRegierungSchuldetDoktorLiWenliangEineEntschuldigung wurde von den Zensoren blockiert. Stattdessen erschien, wie in solchen Fällen üblich, der Satz: „Aufgrund der relevanten Gesetze, Verordnungen und Regelungen kann die Seite mit diesem Hashtag nicht gezeigt werden.“ Als Zeichen ihrer Trauer wechselten viele Nutzer ihr Profilbild gegen eine schwarze Fläche aus. 

          Selbst das Staatsfernsehen berichtete über den Tod Li Wenliangs, dessen Ehefrau gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger ist. Dem Parteiapparat blieb nichts anderes übrig, als dem Augenarzt ebenfalls Respekt zu zollen. Zu sehr verkörperte er in den Augen einer breiten Öffentlichkeit jenen Mut und jene Menschlichkeit, die den Parteifunktionären in Wuhan im Umgang mit der Gesundheitskrise fehlte. 

          Kurz vor seinem Tod hatte der Oberste Gerichtshof sich auf die Seite Li Wenliangs gestellt und erklärt, dass das Virus hätte schneller eingedämmt werden können, „wenn die Öffentlichkeit die ‚Gerüchte‘ geglaubt hätte.“ Nichtsdestotrotz hat die Führung in Peking in dieser Woche angekündigt, hart gegen Personen vorzugehen, die „Gerüchte“ über das Coronavirus verbreiten.

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