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Leser über Homeschooling : „Es geht nur noch ums Überleben“

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Immerhin die Katze hat hier einen Blick auf die Schularbeiten Bild: Reuters

Am Montag haben Eltern aus der F.A.Z.-Redaktion von ihren Homeschooling-Erfahrungen berichtet. Jetzt sind die Leser dran – mit ganz unterschiedlichen Geschichten.

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          Alles ganz anders

          Bei uns läuft alles ganz anders, als in Ihrem Artikel beschrieben. Kinder, die sich auf ihre Hausaufgaben stürzen? Pensum um 9.35 Uhr erledigt? Langeweile? Was für eine Parallelwelt ist das? Ich könnte weinen.

          Ich bin in Vollzeit beschäftigt und habe zwei Kinder. Distanzunterricht heißt bei uns: kein Unterricht. Warum klappt es mit meinem Job seit zehn Monaten online, und die Schule kriegt es nicht hin, Online-Unterricht abzuhalten? Was ist daran so schwer, den Stoff online zu erklären, anstatt im Klassenraum? Warum soll ich dem Kind etwas erklären, das ich nicht erklären kann?

          Pro Fach haben meine Kinder mindestens drei Fragen, macht im Schnitt 18 Fragen. Manche Highlights sind dabei, zum Beispiel in Physik: Es geht um Laserlicht auf der Baustelle –welche Eigenschaften hat das Licht? Ich weiß es nicht, mein Kind. Ich weiß es nicht.

          Um 15.30 Uhr habe ich gekocht, Geschichte und Deutsch geschafft, Mathe und Englisch haben die Kinder zum Glück alleine geschafft. Ich habe mich nicht geschminkt, ich war nicht draußen – ich darf jetzt weiterarbeiten. Um 19 Uhr kommt mein Mann aus dem Büro und macht Scherze. Ich kann nicht lachen. Morgen ist er dran. Ich habe mir selbst versprochen, NUR zu arbeiten. Anonym

          Eine Doppelschicht jeden Tag

          Ja, die Schulen haben dazu gelernt. Ja, das Schulportal Hessen funktioniert jetzt besser. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist die Überforderung der Eltern, die Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut bringen müssen. Mein Fünftklässler schafft es jedenfalls nicht, Aufgaben in acht Fächern, die für eine ganze Woche gestellt werden, so zu strukturieren, dass er nicht die Nacht auf Freitag durcharbeiten muss.

          Um das zu verhindern, muss ich mich mit dem kompletten Stoff genauso intensiv auseinandersetzen wie er. Das ist eine Doppelschicht jeden Tag. Abends mit einem Glas Wein vor dem Fernseher abschalten? Vergiss es! Das Homeschooling-Pensum für morgen einteilen und nebenbei EDV-Probleme lösen. Willkommen in 2021! Uta Bigus

          „Wir haben Fußball gespielt“

          Ich habe das Glück, systemrelevant zu sein und habe somit Anrecht auf einen Notbetreuungsplatz. Zumindest für meinen kleinen Sohn. Der besucht eine vierte Klasse. Um 7.45 Uhr geht es los in der Schule. Also alles wie immer. Nach dem Mittagessen darf er alleine nach Hause gehen, damit die Schule nicht zu sehr in Anspruch genommen wird. Was er in der Zeit dazwischen macht, ist mir ein Rätsel. Natürlich habe ich am Tag vorher alles ausgedruckt und sortiert. Wenn ich ihn frage, warum er nur ein Arbeitsblatt geschafft hat, sagt er: „Ich hatte keine Zeit, wir haben Fußball gespielt!“.

          Wenn ich um 16.30 Uhr von meiner Schicht komme, habe ich keine Energie mehr. Ich bin enttäuscht von den Lehrern, die es nicht schaffen, die Kinder zu motivieren, ihre Aufgaben zu erledigen. Natürlich werde ich mich an meinem freien Tag mit meinem Sohn hinsetzen und alles nacharbeiten. Auch gut, dass ich dafür am Wochenende arbeiten darf. Als ich meinem Sohn letztens sagen musste, dass die Notbetreuung noch mindestens bis Ende Januar geht, ist er weinend zusammengebrochen. Er möchte wieder die normale Schule und seine Freunde sehen! Katharina Jüttner

          Fast jeden Morgen ist das System überlastet

          Ich gehe derzeit in die elfte Klasse eines Gymnasiums und erlebe nun meinen zweiten Homeschooling-Abschnitt. Bereits im ersten Lockdown kam es oft zu Überlastungen des Systems, das die Schule für alle Online-Lernaktivitäten nutzt, die Lehrer waren oft mit der Technik überfordert. Und auf Rückmeldungen für erledigte Aufgaben wartete man oft vergebens. Aber man hatte viel Verständnis für diese Probleme. Es war für alle Beteiligten eine völlig neue Situation mit vielen Problemen, die man auch erst im Laufe der Wochen bemerkt hatte.

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