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Landarzt Thomas Assmann : Reiseverbot für Junge!

  • -Aktualisiert am

Der Strand von Barcelona Mitte Juli: Keine Pandemie in Sicht. Bild: dpa

Party, Ballermann und Sonnenbad: F.A.S.-Kolumnist Thomas Assmann blickt mit Sorge auf deutsche Urlauber, die sich an ausländischen Stränden dicht an dicht drängen. Und fordert ein Reiseverbot für junge Menschen.

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          Wir haben jetzt August. Damit geht der Sommer langsam schon zu Ende. Immer mehr Menschen kommen aus ihrem Urlaub zurück. Je mehr das sind, umso unruhiger werde ich, um ehrlich zu sein. Ich sehe Bilder aus Spanien, aus anderen Teilen Europas, der Türkei und Ägypten. Die Menschen drängen an die Strände, oft dicht an dicht, und auch in den Städten herrscht lebhafter Betrieb. Dort flanieren die Einheimischen und die Touristen durch die Straßen, teilweise mit Masken, teilweise ohne. Abstandhalten und das Tragen von Masken scheinen das Urlaubsgefühl zu stören.

          So richtig mulmig wird mir, wenn ich die Party an den Stränden sehe. Eine große Menge junger Erwachsener feiert ohne Abstand und mit jeder Menge Alkohol wilde Partys. Unter normalen Umständen kann das einem Mann in meinem Alter natürlich schon fremd sein, aber wir leben nicht in normalen Zeiten. Wir leben in einer Pandemie.

          Reiseverbot für 16- bis 26-Jährige

          Auch in meiner Praxis habe ich mit Urlaubsrückkehrern zu tun. Zwei meiner Patienten waren am Wörthersee. Im Moment ein Corona-Hotspot, weil junge Menschen wohl in ihren Unterkünften gefeiert haben. Meine Patienten haben sich erkältet gefühlt, wir haben Tests durchgeführt, die beide negativ waren. Das war also noch mal gutgegangen.

          Insgesamt aber steigen die Neuinfektionen in Deutschland wieder. Man kann das jetzt nennen, wie man will, aber meiner Meinung nach stehen wir am Anfang einer zweiten Welle. Und so richtig fehlt mir noch immer das Konzept, wie wir damit umgehen. Wir Hausärzte sollen jetzt in NRW alle 200.000 Kita- und Schulmitarbeiter testen, und das alle 14 Tage, dazu auch noch die Urlaubsrückkehrer. Ich habe erhebliche Zweifel, ob das zu schaffen ist und unser Gesundheitssystem damit klarkommt.

          Wäre es nicht sinnvoller, schon viel früher anzusetzen? In unserem Grundgesetz steht als zentrales Recht die körperliche Unversehrtheit. Von einem Grundrecht auf Party, Ballermann oder Urlaub habe ich nichts finden können. Gerade die Gruppe zwischen 16 und 25 Jahren ist besonders gefährdet, weil in dieser Gruppe das Risikobewusstsein nicht besonders weit entwickelt ist. Nicht aus Gedankenlosigkeit, sondern einfach aufgrund der Biologie. Erinnern wir uns doch einmal selbst an diese Zeit. Dachten wir damals nicht auch, wir sind unverwundbar? Ich weiß, dass ich mir mit meinem Vorschlag gleich keine Freunde mache, aber wäre es nicht eine Idee, vor allem ein Reiseverbot für die 16- bis 26-Jährigen zu erlassen in Zeiten der Pandemie?

          Unterricht am Wochenende

          Und auch mit einer zweiten Idee, die ich Ihnen mal mitgeben will, werde ich mir keine Freunde machen, aber wie wäre es, wenn wir an Schulen, um die Gruppen möglichst klein zu halten, darüber nachdenken, Unterricht auch am Samstag oder gar am Sonntag anzubieten? Ich gehöre noch einer Generation von Schülern an, für die Samstagsunterricht völlig normal war.

          Noch mal, mir ist klar, meine Vorschläge sind weder besonders angenehm noch in der Realität einfach mal umzusetzen. Aber schütteln Sie nicht gleich den Kopf über mich. Wenn wir verhindern wollen, dass eine zweite Welle uns so trifft wie etwa Israel, das seine Schulen wieder ganz geöffnet hat, dann brauchen wir neue, andere, unangenehme Wege. Das Virus unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse, zwischen sympathisch oder unsympathisch, sondern fragt sich nur, wo es sich optimal vermehren kann.

          Und das ist dort, wo viele unterschiedliche Menschen auf engem Raum eng miteinander in Kontakt kommen über längere Zeit und im schlimmsten Fall im geschlossenen Raum. Wir müssen jetzt wachsam sein und uns zu unbequemen Entscheidungen durchringen, bevor die Situation völlig außer Kontrolle gerät.

          Trotz meiner Worte: Genießen Sie die Sommerwochen – Ihr Landarzt

          Der Autor

          Dr. Thomas Assmann, 56 Jahre alt und Internist, hat eine Praxis im Bergischen Land.

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