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Spahn zu Mallorca-Partys : Nicht die Zeit zum Feiern

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler (links) bei einer Pressekonferenz in Berlin Bild: EPA

Bundesgesundheitsminister Spahn ist durch die Party-Bilder von Mallorca beunruhigt und mahnt zur Vorsicht. Auf mehreren balearischen Inseln muss künftig jeder ab sechs Jahren im Freien fast immer Nase und Mund bedecken – sonst setzt es ein Bußgeld.

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          Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bürger vor Leichtsinn im Umgang mit der Corona-Pandemie gewarnt. „Die Gefahr einer zweiten Welle ist real“, sagte Spahn am Montag in Berlin bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Wachsamkeit ist für Regierung und RKI das Gebot der Stunde. Übermut wie am Wochenende auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca dürfe es nicht geben. Spahn: „Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden.“ In Deutschland seien derzeit vor allem regionale und lokale Ausbrüche jederzeit möglich. Doch sei das Land gut gerüstet.

          Mit Blick auf Mallorca mahnte Spahn: „Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird.“ An der Playa de Palma hatten Hunderte Touristen unter Missachtung der Vorsichtsmaßnahmen hemmungslos gefeiert. Spahn sagte, gemeinsames Feiern erhöhe das Risiko. „Ich bin jetzt wirklich kein Spielverderber oder Spaßverderber oder Feierverächter – aber es ist halt grad nicht die Zeit dafür.“ Während der Rückreise im Flugzeug und dann zu Hause steigerten diese Menschen dann auch das Risiko für viele andere. Feiern im österreichischen Skiort Ischgl gelten als ein Ausgangspunkt für die Verbreitung von Sars-CoV-2 auch in Deutschland.

          Am Wochenende hatten Bilder von zahlreichen Feiernden auf den einschlägigen Partymeilen der Insel für Erschrecken gesorgt, die weder Mindestabstände einhielten noch einen Gesichtsschutz trugen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte angesichts dieser Bilder am Montag verpflichtende Corona-Tests für Mallorca-Rückkehrer. „Denkbar wäre: An Flughäfen müssten die Passagiere ihre Personalien hinterlegen und binnen weniger Tage einen Corona-Test nachweisen“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“.

          Seit Montag gilt auf Mallorca und den anderen Baleareninseln nun eine weitgehende Maskenpflicht. Im Freien muss künftig jeder ab sechs Jahren fast immer Nase und Mund bedeckt halten, sonst setzt es ein Bußgeld von 100 Euro. Nur am Strand, am Pool, beim Essen und Trinken, in der Natur außerhalb von Ortschaften sowie beim Sport darf man Gesicht zeigen. Das geht aus einem am Montag im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervor.

          In der Tourismusbranche rief schon die Ankündigung der Maskenpflicht deutliche Kritik hervor. Der Präsident des Hotelverbands der Balearen, Gabriel Llobera, gab gegenüber dem „Mallorca Magazin“ an, dass es bereits Stornierungen wegen der Maskenpflicht gegeben habe. Vor allem deutsche und britische Touristen sagten ihre Reise laut Llobera ab. Der Reiseveranstalter Tui habe bisher hingegen keine Stornierungen infolge der Maskenpflicht feststellen können, wie das Unternehmen gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte.

          Spahn: Zahlen in Deutschland „auf niedrigem Niveau“

          Bezüglich der Lage in Deutschland zeichnete Spahn derweil ein positives Bild, mahnte jedoch weiterhin Wachsamkeit an. Mit rund 5000 bekannte Fällen aktuell aktiver Infektionen seien die Zahlen derzeit in Deutschland „auf niedrigem Niveau“, so Spahn. Weiter komme es vor allem auf das Verhalten der Menschen an. An alle Bürgerinnen und Bürger gewandt sagte er: „Bitte, halten Sie Abstand. Bitte, halten Sie sich an die empfohlenen Hygienemaßnahmen. Und bitte, tragen Sie überall dort, wo es in geschlossenen Räumen empfohlen ist, die Alltagsmasken.“ Gleichzeitig betonte Spahn, es müsse nicht automatisch mit einer zweiten Welle im Herbst oder Winter gerechnet werden. „Die meisten wissen, dass Gruppreisen zum Ballermann, dass Großveranstaltungen, dass Umarmen zur Begrüßung oder das Einkaufen ohne Maske momentan keine guten Ideen sind“, sagte Spahn. „Wir haben besser gelernt, mit dem Virus zu leben, und wir wissen auch mehr über dieses Virus.“

          Auch habe die Zahl der Corona-Test in letzter Zeit zugenommen. Allein in der vergangenen Woche wurden laut Spahn etwa knapp 500.000 Menschen auf das Virus getestet – 175.000 mehr als noch vor vier Wochen. Vor allem in Fällen von lokalen Ausbrüchen seien Reihentestungen sinnvoll. Laut Wieler können in Deutschland derzeit 1,1 Millionen Menschen pro Woche auf Corona getestet werden. Mehr als 15,5 Millionen Menschen haben die deutsche Corona-Warn-App heruntergeladen. In dieser Woche soll sie auch auf Türkisch geschaltet werden. Die Kliniken haben laut Spahn nach wie vor genügend Kapazitäten für Intensivbehandlungen; diese könnten flexibel regional hoch- und heruntergefahren werden.

          Eine zweite Welle halten laut einer Umfrage im Auftrag der Regierung 40 Prozent der Menschen in Deutschland für wahrscheinlich. 37 Prozent sehen eine 50-prozentige Chance, 21 Prozent halten sie für unwahrscheinlich (Ostdeutschland: 24 Prozent, Westdeutschland: 21 Prozent). Zwei von drei Bundesbürgern haben die Sorge, sich selbst mit dem Virus zu infizieren. In der Rückschau halten rund zwei Drittel die im März von der Politik beschlossenen Anti-Corona-Maßnahmen für richtig. Jeweils 17 Prozent werten sie als zu streng beziehungsweise nicht streng genug. 37 Prozent sagen, es habe auch positive Dinge wie etwa Entschleunigung infolge der Krise gegeben.

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