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Kreuzfahrtschiff „Artania“ : Abruptes Ende einer Traumreise

Bis zum Ende der Woche sollen fast alle der rund 830 Passagiere an Board der MS „Artania“ nach Deutschland gebracht werden. Bild: dpa

Sieben Menschen wurden auf dem deutschen Kreuzfahrtschiff „Artania“ in Australien positiv auf das Coronavirus getestet. Nun sollen die übrigen Passagiere ausgeflogen werden.

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          Besonders willkommen sind die Kreuzfahrtgäste der MS „Artania“ in Westaustralien nicht. „Dieses Schiff muss sofort weiterfahren“, hatte der Regierungschef des Bundesstaats, Mark McGowan, noch am Donnerstag geschimpft. Doch nun dürfen etwa 830 Passagiere des deutschen Kreuzfahrtschiffs voraussichtlich zur Weiterreise doch an Land gehen. Von dort sollen sie bis zum Ende des Wochenendes mit Charterflügen zurück nach Deutschland geflogen werden. Wer keine Symptome aufweist, soll direkt vom Schiff zum Flughafen in Perth eskortiert werden. Laut dem Betreiber Phoenix Reisen aus Bonn hatten die Gesundheitsbehörden in Australien am Mittwoch bei sieben Passagieren das neuartige Coronavirus nachgewiesen. Dabei handelt es sich um fünf Gäste und zwei der insgesamt 500 Besatzungsmitglieder. 

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die meisten Passagiere auf dem Schiff sind Deutsche. Es liegt derzeit vor Fremantle, einer Hafenstadt südlich von Perth. Es durfte dort anlegen, nachdem es an Bord einen medizinischen Notfall gegeben hatte, der aber nichts mit dem Coronavirus zu tun haben soll. Doch in Australien ist mittlerweile eine heiße Diskussion über die Aufnahme von Kreuzfahrtschiffpassagieren entbrannt. Der Grund war der Fall des Kreuzfahrtschiffs „Ruby Princess“ auf dem anfänglich drei Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Alle anderen Passagiere waren unter der Auflage, sich zu Hause in Quarantäne zu begeben, in Sydney von Bord gelassen worden. Von dort waren sie dann in ihre Heimatorte weitergereist, die über das ganze Land verteilt lagen.

          Auf diese Weise war das Kreuzfahrtschiff zu einem der größten Ansteckungsherde für das Sars-CoV-2 geworden. 130 Mitreisende wurden später positiv auf das Virus getestet. Die Regierung des Bundesstaats New South Wales, die Grenzbehörden und die Zentralregierung hatten sich gegenseitig die Schuld an dem Debakel zugeschoben. In Westaustralien erklärte Premier McGowan, er wolle in seinem Bundesstaat nicht ein weiteres „Fiasko“ wie in Sydney. Dort ist die „MS Artania“ auch nicht das einzige Schiff, das seine Passagiere an Land bringen will. Auch die „Vasco de Gama“ und die „MSC Magnifica“ warten darauf, anlegen zu dürfen. Beide Schiffe haben keine nachgewiesenen Infektionen an Bord.

          In Australien war die Zahl der Infizierten in den vergangenen Tagen auf mehr als 3000 gestiegen. Nach Angaben von Premierminister Scott Morrison sind Zweidrittel dieser Fälle Rückkehrer aus dem Ausland. Am Freitag hat seine Regierung deshalb auch die Quarantänemaßnahmen verschärft. Alle Einreisenden, die in zweiwöchige Quarantäne gehen müssen, dürfen dies von Sonntag an nicht mehr in ihren eigenen vier Wänden tun, sondern werden in Hotels und Quarantäneeinrichtungen untergebracht. Die Kosten dafür tragen die australischen Bundesstaaten.

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