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Länder mit wenig Corona-Fällen : Bloß nicht locker lassen

Einsam: Ein Stehpaddler während des Lockdowns in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana Bild: dpa

Manche kleineren Länder in Europa waren von der Corona-Pandemie bisher vergleichsweise wenig betroffen. Sie lockern die Maßnahmen trotzdem nicht. Denn wer zuletzt nachließ, hat nun so hohe Zahlen wie nie.

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          Besuch unerwünscht! Das ist derzeit die unmissverständliche Botschaft von Lettlands Behörden. Geschlossen sind die Grenzen des baltischen Staats nicht. Doch die lettische Corona-Ampel ist so strikt, dass fast alle, die beispielsweise am Flughafen in der Hauptstadt Riga ankommen, sich erst einmal zwei Wochen lang isolieren müssen. Nur für Einreisende aus den Nachbarländern Litauen und Estland, Finnland, Zypern und dem Vatikanstaat gilt die Absonderungspflicht gegenwärtig nicht. Diese Länder liegen alle unter dem für die Quarantäne in Lettland maßgeblichen Grenzwert von maximal 16 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnern in den vergangenen 14 Tagen.

          „Die Reisenden sind das Problem“, sagt Uga Dumpis, der Chefinfektiologe des lettischen Gesundheitsministeriums, im Gespräch mit der F.A.Z. Das Ziel sei es, das Virus nicht weiter aus dem Ausland einzuschleppen. Dumpis bezeichnet dies als „Hauptgefahr“. Der Infektiologe sagt aber auch: „Es ist nicht wegen den Ausländern, es ist wegen den Letten.“ Seinen Landsleuten redete er auch schon im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ins Gewissen: „Ich bin unglücklich darüber, dass immer mehr Leute die Möglichkeit nutzen, ins Ausland zu reisen. Das erscheint mir seltsam und unverantwortlich. Das Argument , 'ich bin jung und werde nicht krank', ist nicht korrekt.“ Umgekehrt bedeutet die Quarantänepflicht aber auch Härten. Viele junge, gut ausgebildete Letten sind emigriert und kehren im Urlaub gerne für zwei Wochen nach Lettland zurück. Wer das jetzt noch tut, kann in der Heimat weder mit der Familie ausgehen noch an den Strand.

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