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Eingriff in Religionsfreiheit : Katholische Bischöfe kritisieren Gottesdienstverbot

Der Erfurter Dom am Ostersonntag, während im Inneren ein Gottesdienst ohne Gläubige gefeiert wird, der im Internet übertragen wird. Bild: dpa

Warum dürfen viele Geschäfte wieder öffnen, aber Gottesdienste bleiben weiterhin verboten? Führende Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland zeigen sich enttäuscht über die Entscheidung von Bund und Ländern.

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          Anders als Repräsentanten der evangelischen Kirche haben Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland mit Enttäuschung auf die Entscheidung des Corona-Kabinetts und der Ministerpräsidenten der Länder reagiert, das Verbot öffentlicher Gottesdienste aller Religionsgemeinschaften aufrechtzuerhalten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, äußerte noch am Mittwochabend, er könne die Entscheidung „nicht nachvollziehen, erst recht nicht nach der sehr deutlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der vergangenen Woche zu den schwerwiegenden Eingriffen in die Religionsfreiheit“.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Am Donnerstag formulierten auch andere Bischöfe, darunter der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, sowie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, die Erwartung, dass gemeinschaftliche Gottesdienste schrittweise wieder möglich würden. „Wir erwarten, dass unter Berücksichtigung aller Schutzmaßnahmen den Religionsgemeinschaften wieder Möglichkeiten eröffnet werden, unter Berücksichtigung strenger Regeln in eingeschränktem Maß wieder zu Gottesdiensten zusammenzukommen“, äußerte Sternberg.

          Söder und Braun gegen Aufhebung des Verbots

          Das Verbot religiöser Versammlungen, das zuletzt zu einem Ausfall aller öffentlichen Gottesdienste an den Kar- und Ostertagen geführt hatte, war in den vergangenen Tagen immer wieder Thema der Beratungen auf politischer Ebene gewesen. Die Chefs mehrerer Staatskanzleien, etwa Nordrhein-Westfalens und Hessens, waren über die verfassungsrechtlich begründeten Bedenken der Kirchen ebenso im Bilde wie die meisten Ministerpräsidenten.

          Am Ende obsiegten jedoch die Kräfte, die von einer Lockerung des Versammlungsverbots zugunsten von Eucharistiefeiern oder auch Trauergottesdiensten abrieten. In den Beratungen des Corona-Kabinetts war dies nach Informationen dieser Zeitung unter anderen Staatsminister Helge Braun (CDU), unter den Ministerpräsidenten vor allem der Bayer Markus Söder (CSU).

          Braun wusste überdies am Donnerstagmorgen im ARD-Fernsehen zu berichten, außer Karneval und Après-Ski hätten teilweise auch „große kirchliche Veranstaltungen“ wesentlich zur Verbreitung des Coronavirus beigetragen. Kirchenvertreter, die namentlich nicht genannt werden wollten, wiesen diese Behauptung gegenüber der F.A.Z. für Deutschland als „nicht belegt“ zurück. Bundeskanzlerin Merkel soll intern Sympathien für das Anliegen der Kirchen gezeigt haben. In der Pressekonferenz ließ sie sich davon nichts anmerken.

          Die kompromisslose Haltung erbittert die Kirchenvertreter umso mehr, als die politische Seite am Mittwoch längst darüber im Bilde war, wie man sich seitens der Kirchen die Feier von Sonntags- oder Werktagsgottesdiensten unter den Bedingungen der Corona-Pandemie im Allgemeinen und in Anbetracht des oftmals betagten und daher besonders vulnerablen Kreises der Gottesdienstbesucher im Besonderen vorstellt.

          Kirchen wollen keine Ausnahmen

          In einem Diskussionspapier, das der Vorbereitung eines Gesprächs zwischen Innenstaatssekretär Markus Kerber (CDU) und Vertretern der Ministerpräsidenten auf der einen und Repräsentanten aller großen Religionsgemeinschaften an diesem Freitagvormittag dienen sollte, hieß es, die Kirchen wollten keine Ausnahmen von den Kriterien und Bestimmungen wie den Abstandserfordernissen und dem Tragen von Nasen-Mund-Masken, wie sie für alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen und im Freien gälten. Keine Ausnahme wolle man auch insoweit machen, als man bestimmte Altersgruppen nicht grundsätzlich von der Teilnahme an Gottesdiensten ausschließe.

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          Diese wiederum sollten so geregelt sein, dass sie tunlichst in den größtmöglichen Kirchenräumen stattfinden, also eher nicht in Kapellen oder anderen kleinen Räumen. Warum die Politiker sich die Erwägungen der Kirchen nicht zu eigen machen wollten, wird unter Voraussetzung der Anonymität von verschiedenen Seiten mit dem Hinweis auf den bevorstehenden islamischen Fastenmonat Ramadan zu plausibilisieren versucht. Kirchenräume seien oft groß und die Zahl der Gottesdienstbesucher zumeist überschaubar, Moscheen oftmals beengt und zu Gebetszeiten stark frequentiert, heißt es vielsagend. Auf politischer Seite ist indes zu hören, die großen Islamverbände wie Ditib hätten die Selbstverpflichtungen, die sie sich im Zuge des Corona-Regimes auferlegt hätten, mustergültig eingehalten.

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