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Kampf gegen das Coronavirus : Belgien zieht nach

Belgiens Premierministerin Sophie Wilmes Bild: dpa

Premierministerin Sophie Wilmès will „mit nie zuvor gesehenen Schritten“ die weitere Ausbreitung verhindern. Das Ganze ist dennoch ein Kompromiss.

          2 Min.

          Noch am Donnerstagnachmittag versicherten belgische Behörden, es sei bisher nicht geplant belgische Schulen zu schließen. Die Universitäten hatten zuvor auf Internetvorlesungen umgestellt, die Schulen der EU-Institutionen in Brüssel schon beschlossen, den Unterricht von Montag an einzustellen. Am Abend zogen die Belgier dann nach. Nach einer beinahe vier Stunden langen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats gab Premierministerin Sophie Wilmès bekannt, wie Belgien „mit nie zuvor gesehenen Schritten“ die weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern will.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Dazu gehört, dass nun alle Schulen von Montag an den Unterricht einstellen. Das öffentliche Leben wird aber auch darüber hinaus weitgehend stillgelegt – wenn Wilmès auch betonte, ein „Lockdown“ solle mit allen Mitteln verhindert werden. „Wir wollen keine Situation wie in Italien“, sagte sie. Schon in der Nacht zum Samstag aber sollen alle Kneipen Diskotheken und Restaurants schließen. Alle privaten und öffentlichen Kulturveranstaltungen wie Fußballspiele und andere sportlichen Veranstaltungen sind abgesagt. „Normale“ Geschäfte müssen am Wochenende schließen. Apotheken, Supermärkte und andere Lebensmittelgeschäfte sollen hingegen offen bleiben. Das gilt auch für die in Belgien weit verbreitete Betreuung von Kindern unter drei Jahren.

          Der belgische Staat versucht sich damit in einem Kompromiss. Zum einen soll die Ansammlung großer Menschenmengen soweit eben möglich vermieden werden. Zum anderen soll das Leben – auch das ökonomische –nicht völlig zum Erliegen kommen. Die wirtschaftlichen Folgen der ergriffenen Schritte würden kontinuierlich bewertet, sagte Wilmès. Sie stellte aber auch klar, dass diese zum aktuellen Zeitpunkt für die Regierung eine untergeordnete Rolle spielen. Die Rücksicht auf das wirtschaftliche Leben dürfte aber ein Grund sein, warum die Kindertagesstätten nicht geschlossen werden, auch wenn Wilmès betonte, dass das vor allem damit zu habe, dass diese viel kleiner seien als Schulen und deshalb die Ansteckungsgefahr geringer sei. Auf jeden Fall gilt das aber für die Kompromisslösung, „normale“ Geschäfte, nur am Wochenende zu schließen.

          Der öffentliche Nahverkehr fährt weiter, auch wenn die Menschen ermutigt wurden, diesen zunächst besser nicht zu nutzen. Stattdessen sind die Arbeitgeber aufgerufen, den Arbeitnehmern wo eben möglich das Arbeiten von Zuhause zu ermöglichen. Zudem sollen flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen, zusätzliche Staus in den ohnehin unter zu hohem Verkehr leidenden Städten Brüssel oder auch Antwerpen zu vermeiden. Auch die Schulen bleiben zumindest für die Betreuung der Kinder von denjenigen geöffnet, die für die Versorgung von Kranken oder ganz grundsätzlich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gebraucht werden.

          Gelten soll all das zunächst bis zum 3. April. Belgien hat mit seinen 11,4 Millionen Einwohnern bisher 556 Corona-Infektionen gemeldet. Drei Menschen im Alter von 90, 86 und 73 Jahren sind an dem Virus gestorben.

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