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Schnelle Zulassungen : Die Gefahr der Medikamenten-Forschung im Eiltempo

  • -Aktualisiert am

Laborproben zur Erforschung des Coronavirus im Labor der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Bild: dpa

Medikamente gegen Covid-19 sollen immer rascher auf den Markt kommen. Doch die Gefahr ist groß, dass die Wirkstoffe nicht das halten, was man sich von ihnen verspricht. Die Leidtragenden sind am Ende die Patienten.

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          Die Anzahl der Studien zu Covid-19 steigt ähnlich rasant wie die Infektionszahlen zu Beginn der Pandemie. Waren es Mitte März noch 84, sind es heute mehr als 2200. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Onkologe in Berlin, betrachtet die Zahl mit Sorge. „Das ist mehr Masse als Klasse", sagt er. „Viele der laufenden Studien sind so schlecht geplant, dass eigentlich jetzt schon klar ist: Ein verlässliches Ergebnis kommt nicht heraus." In der Corona-Krise gipfele das, was er schon seit einigen Jahren kritisiere: Medikamente sollen immer rascher auf den Markt kommen, aber darunter leidet die Qualität der Studien und am Ende dann der Patient.

          Es gibt immer mehr Hinweise, dass - weil es jetzt so schnell gehen soll – die Standards für wissenschaftliche Studien nicht eingehalten werden. Anfang Mai warnten zwei renommierte Medizinethiker in der Fachzeitschrift „Science": Krisen seien keine Rechtfertigung, wissenschaftliche Standards zu senken. So würden Covid-19-Impfstoffe mit Menschen getestet, bevor solide Ergebnisse aus Laboruntersuchungen oder Tierversuchen vorlägen. Außerdem würden in Therapie-Studien Strategien verfolgt, die einfach umzusetzen wären und bei denen bereits vorab feststünde, dass der therapeutische Effekt verzerrt eingeschätzt werden würde. Zum Beispiel, dass ein Medikament besser wirkt, als das tatsächlich der Fall ist. Zahlreiche Studien werden zudem auf sogenannten Preprint-Servern veröffentlicht. Das sind Internetseiten, auf denen jeder sich die Studien frei herunterladen kann. Doch unabhängige Gutachter haben die Qualität dieser Studien nicht geprüft, wie es in Fachzeitschriften üblich ist. Seit Januar sind immer mehr Preprints zum Covid-19 publiziert worden. Am Anfang der Krise waren es nur einzelne, jetzt sind es mehr als 15.000 auf 35 verschiedenen Servern.

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