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Risiken der Schulschließungen : Zu Lasten schwacher Schüler

  • -Aktualisiert am

„Corona-Ferien“: Für die Schüler und deren Eltern sind fünf Wochen unterrichtsfreie Zeit eine hohe nervliche und schulische Belastung. Bild: dpa

Die Schulschließungen können Neuinfektionen nur eindämmen, wenn die Notbetreuung nicht neue Risiken birgt. Die negativen Folgen für die schulische Entwicklung sollten ebenfalls nicht aus dem Blick geraten.

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          In der gegenwärtigen Situation sind Schul- und Kitaschließungen unausweichlich. Und es ist gut, dass die Länder rasch gehandelt und die Koordination der Schulschließungen nicht an eine Arbeitsgruppe delegiert haben. Sie werden die Neuinfektionen allerdings nur dann eindämmen, wenn die Notbetreuung vernünftig geregelt ist und nicht neue Risiken birgt.

          Wenn Schülergruppen in neuen Formationen mit fremden Erziehern oder Tagesmüttern beglückt werden, ist das nicht nur eine zusätzliche psychische Belastung für die Kleinsten von ihnen, sondern birgt auch neue Risiken. In besonderem Maße gilt das für die Kinder von Ärzten, Pflege- und Praxispersonal. Solange deren Betreuung nur in neuen Kontaktgruppen ermöglicht wird, steht schnell die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems auf dem Spiel.

          Für die Schüler und deren Eltern sind fünf Wochen unterrichtsfreie Zeit eine hohe nervliche und schulische Belastung. Wer die Ergebnisse der Leistungsstudien kennt, ahnt, wer darunter besonders leiden wird: Es sind die Stadtstaaten mit ihren ohnehin schwachen Leistungen, und es sind die Kinder, deren Eltern sie nicht ausreichend unterstützen können.

          Begabte und lernwillige Schüler sind interessiert genug, sich selbst zu organisieren und selbständig Aufgaben zu lösen, die Zeit zum Lesen und Recherchieren zu nutzen. Aber auch sie brauchen strukturierte Aufgaben und eine Anleitung, die nur entsprechend vorgebildete und sprachlich dazu fähige Eltern geben können. Es liegt deshalb auf der Hand, dass die Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern in dieser prekären Lage die besseren Ausgangspositionen haben.

          Der Kieler Bildungsforscher Olaf Köller meint, dass fünf Wochen unterrichtsfreie Zeit mit Aufgabenpaketen gerade noch zu verkraften seien. Er verweist auf frühere Studien zu langen Sommerferien von mehr als sechs Wochen, die ausgesprochen negative Effekte für schwache Schüler haben. Je länger die unterrichtsfreie Zeit dauere, desto ungünstiger verlaufe die Leistungsentwicklung für schwache Schüler. So lässt sich in den Vereinigten Staaten mit mehrmonatigen Sommerferien beobachten, wie die soziale Schere aufgeht. Für Kitakinder gilt das in noch weit größerem Maße.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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