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Kampf gegen Corona : Dem Virus davonfliegen

Leere Straßen in Wuhan am Dienstag Bild: AP

Die ersten Länder haben damit begonnen, ihre Bürger aus Wuhan auszufliegen. Für die politische Führung in Peking wird die Lage kritisch, viele Chinesen rufen nach Konsequenzen. Dafür geht es dem ersten deutschen Erkrankten besser.

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          Am Montagabend steht fest, dass es in Deutschland den ersten bestätigten Fall einer Infektion mit dem Coronavirus gibt. Es ist ein 33 Jahre alter Mann aus Bayern, der bei einer Firma im Landkreis Starnberg arbeitet, die auch ein Werk in China unterhält. Er hatte sich offenbar bei einer chinesischen Kollegin auf einer Schulungsveranstaltung in Bayern infiziert. Dem Mann, der zurzeit im Münchner Klinikum Schwabing auf der Isolierstation behandelt wird, geht es gut. „Er hat kein Fieber und zeigt auch keine AtemwegsSymptome mehr“, sagte Andreas Zapf, Leiter des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit; am Dienstag. „Wir nehmen das sehr ernst. Wir sind aber auch gut vorbereitet“, fasst die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Bemühungen zusammen, eine Ausbreitung der Krankheit, so gut es geht, zu verhindern.

          Karin Truscheit
          (ktr.), Deutschland und die Welt
          Christian Geinitz
          (itz.), Wirtschaft
          Friederike Böge
          (boe.), Politik
          Patrick Welter
          (pwe.), Wirtschaft

          Rund 40 Personen haben die Behörden bislang ermittelt, die mit dem Mann entweder beruflich oder privat in engerer Beziehung stehen. Den Personen wird empfohlen, ihre Wohnung bis auf weiteres nicht zu verlassen. Regelmäßig wird durch das Gesundheitsamt kontrolliert, ob sie Symptome zeigen. Am Dienstagabend teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, dass sich drei weitere Personen, die mit dem ersten Fall in Zusammenhang stünden, infiziert hätten.

          Dass offenbar Infizierte andere Menschen anstecken können, auch wenn sie noch keine Krankheitszeichen entwickelt haben, zeigt der erste gemeldete Fall in Bayern. Der Mann hatte sich höchstwahrscheinlich bei einer chinesischen Arbeitskollegin angesteckt. Die Frau, die in Schanghai lebt, hielt sich vom 19. bis zum 23. Januar in Deutschland auf. In dieser Zeit hatte sie auch mit dem Mann im Rahmen einer Schulung der Firma zusammengearbeitet. Nach jetzigem Erkenntnisstand hatte sie in Deutschland noch keine Symptome gezeigt, auf dem Rückflug habe sie sich dann krank gefühlt und nach der Landung ein Krankenhaus aufgesucht. Vermutlich hatte sie sich zuvor bei ihren Eltern angesteckt, die aus der Region Wuhan stammen. Dort nahm die Epidemie ihren Ursprung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, es sei zu erwarten gewesen, dass das Virus auch Deutschland erreiche. „Der Fall in Bayern zeigt aber, dass wir gut vorbereitet sind.“

          Das Auswärtige Amt in Berlin prüft unterdessen, wie deutsche Staatsbürger aus der Stadt Wuhan ausgeflogen werden können. Zuvor hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) einen möglichen Rücktransport ausreisewilliger Deutscher ins Spiel gebracht. Das Auswärtige Amt rät von Besuchen in der Provinz Hubei ab, in der Wuhan liegt. Frankreich will bereits an diesem Mittwoch ein Flugzeug nach China schicken, um Franzosen aus Wuhan zu holen. Sie sollen in Quarantäne kommen. Bereits am Dienstagabend flog ein von den Vereinigten Staaten gestelltes Flugzeug amerikanische Konsulatsmitarbeiter sowie ausreisewillige Bürger von Wuhan nach San Francisco aus. Die Regierung in Tokio schickte am Dienstag ein erstes Charterflugzeug nach Wuhan, um Japaner aus dem Epizentrum der Infektion zurückzuholen. Etwa 650 Japaner wollen nach Angaben des Außenministeriums Wuhan verlassen. Auch Südkorea will noch diese Woche seine Staatsbürger aus der Stadt ausfliegen.

          Das Außenministerium in Peking bemühte sich unterdessen, den Eindruck zu zerstreuen, dass die Evakuierungsaktionen Ausdruck von mangelndem Vertrauen des Auslands gegenüber dem chinesischen Krisenmanagement sein könnten. Das Ministerium teilte mit, der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Ghebreyesus, habe die internationale Gemeinschaft bei Gesprächen in Peking aufgerufen, „nicht überzureagieren“. Er empfehle es anderen Staaten nicht, ihre Bürger aus Wuhan auszufliegen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua den WHO-Chef. Dieser habe sich im Gespräch mit Außenminister Wang Yi bewundernd über Chinas System und die Effektivität seiner Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie geäußert. Wörtlich habe Ghebreyesus gesagt, derlei sei „auf der Welt selten zu sehen“. Die chinesischen Staatsmedien neigen dazu, auch ranghohen ausländischen Besuchern falsche Zitate in den Mund zu legen. Die WHO teilte lediglich mit, der Generaldirektor habe mit chinesischen Regierungsvertretern auch über „mögliche Alternativen zur Evakuierung von Ausländern“ gesprochen.

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