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Pilger stecken fest : Im Niemandsland

Abgesperrt: Die Ukraine verweigert Pilgern den Zutritt. Bild: Reuters

Die Ukraine hat ihre Grenzen für ausländische Staatsbürger geschlossen. Doch anlässlich des jüdischen Neujahrsfests fürchtet das Land den Ansturm von bis zu 4000 Pilgern, 800 stecken bereits zwischen Belarus und der Ukraine fest.

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          Die Ukraine befürchtet einen Ansturm von bis zu 4000 jüdischen Pilgern, die das Neujahrsfest Rosch Haschana wie jedes Jahr in der ukrainischen Stadt Uman feiern wollen, aber wegen der Corona-Pandemie nicht legal einreisen dürfen. Etwa 800 chassidische Pilger steckten bereits seit der Nacht zum Dienstag nördlich von Tschernihiw im Niemandsland an der Grenze zwischen Belarus und der Ukraine fest. Das geht aus Berichten hervor, die der ukrainische Grenzschutz verbreitet.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Auf einem der Videos ist zu sehen, wie der Chef des Grenzschutzes, General Serhij Dejneko, Vertretern der Pilger erklärt, es sei seit langem bekannt, dass Bürger anderer Staaten seit dem 28. August nicht mehr einreisen dürften. Vor einer Sperrkette ukrainischer Grenzbeamter sammelten sich derweil die Pilger, zum Teil singend und betend, während sich hinter der Kette Dutzende von Lastwagen stauten, die die Grenze passieren wollten. Kiew appellierte an den Grenzschutz von Belarus, weitere Reisende nicht durchzulassen.

          Im Laufe des Dienstags teilte ein belarussischer Sprecher mit, man werde die im Niemandsland befindlichen Pilger wieder nach Belarus einlassen. Dejneko rechnete noch für Dienstag mit mehreren Flügen in die belarussische Hauptstadt Minsk und mit mehreren tausend weiteren Pilgern, die durch verschiedene Grenzübergänge auf dem Landweg etwa 700 Kilometer zu ihrem Ziel in der Ukraine zurücklegen wollten.

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          Die Regierungen Israels und der Ukraine – aus beiden Ländern werden seit Tagen neue Corona-Rekordzahlen gemeldet – hatten vor Wochen gemeinsam appelliert, in diesem Jahr nicht nach Uman zu fahren. Dort befindet sich das Grab des Zaddiks Nachman von Brazlaw (1772 bis 1810), eines von chassidischen Juden verehrten Rabbiners. Das Fest Rosch Haschana beginnt am Freitag. Israel hat die Entsendung eigener Polizisten nach Uman angekündigt.

          In den vergangenen Tagen rissen bereits eingetroffene Pilger am Grab in Uman eine wegen der Corona-Pandemie errichtete Absperrung nieder; zwei der Beteiligten wurden aus der Ukraine ausgewiesen. Weil offenbar damit gerechnet wird, dass weiterhin Pilger anreisen werden, sollen an den Straßen rund um Uman ärztliche Kontrollen und in der Stadt selbst strenge Bestimmungen für Menschenansammlungen gelten.

          In den vergangenen sieben Tagen wurden in der Ukraine zwischen 2400 und 3200 neue Infektionen am Tag gezählt. Das sind pro Kopf der Bevölkerung fast viermal mehr Infektionen als in Deutschland. Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, sagte, am Montag habe es die „höchste Zahl tödlicher Opfer seit Beginn der Pandemie“ in der drei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt gegeben, nämlich elf Todesfälle an einem Tag. Ein Corona-Brennpunkt ist mit täglich etwa 300 neuen Fällen das dünn besiedelte Gebiet um die westukrainische Stadt Ternopil.

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