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Maßnahmen gegen Corona : Japan setzt auch bei der dritten Welle auf Freiwilligkeit

Japan schützt sich: Prinzessin Mako (vorne) und Prinzessin Kako besuchen am 6. November den Meiji-Jingu-Schrein. Bild: dpa

Japan registriert derzeit den bisher stärksten Anstieg der Infektionen. Bars sollen deshalb früher schließen und die Menschen ihre Wohnung nicht unnötig verlassen – wie schon im Frühjahr bleibt der Lockdown freiwillig.

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          Während in Japan seit Ende Oktober die dritte Welle der Corona-Infektionen durch das Land rollt, subventioniert die Regierung weiterhin Reisen und Essen im Land, um den Tourismus zu fördern. Ministerpräsident Yoshihide Suga spricht von einer Balance zwischen der Eindämmung des Virus und der wirtschaftlichen Belebung. Doch dem Sog der steigenden Infektionszahlen kann die Regierung sich nicht länger entziehen. Die Kampagne „Go to Travel“, mit der Japaner zu vergünstigten Preisen Reisen und Unterkunft im Inland buchen können, wird für die am schwersten von Neuinfektionen betroffenen Städte Sapporo und Osaka für drei Wochen ausgesetzt. Die Metropolregion Tokio stellt ein Förderprogramm für den Tourismus vorerst ein. Andere Regionen will man aus dem nationalen Programm nehmen, wenn die Infektionszahlen dort zu stark steigen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Regierung zieht damit Konsequenzen aus dem bisher stärksten Anstieg der Infektionen. Im Schnitt der vergangenen sieben Tage registrierten die Behörden fast 2100 Neuinfektionen am Tag, so viel wie nie zuvor. Auch die Behörden in den am schwersten betroffenen Regionen reagieren mit ersten Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Tokio bittet Bars und andere Etablissements, die Alkohol ausschenken, sowie Karaoke-Salons, 20 Tage lang abends schon um 22 Uhr zu schließen. Erstmals hatte die Metropole diese Empfehlung im April und im August ausgesprochen. Tokio wird die Anbieter mit bis zu 400.000 Yen (3225 Euro) entschädigen, wenn sie dem Aufruf dauerhaft Folge leisten.

          Tokios Gouverneurin Yuriko Koike forderte die Menschen zudem auf, nicht unnötig ihre Wohnung zu verlassen und möglichst ins Homeoffice zurückzukehren. Osaka und Sapporo haben ähnliche Maßnahmen getroffen. Viele Unternehmen hatten seit dem Ende des Virus-Notstands im Juni mehr Angestellte wieder im zentralen Büro arbeiten lassen. Koike bekräftigte noch vor wenigen Tagen ihren festen Willen, trotz des Virus im kommenden Sommer die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden zu lassen.

          Warnung vor einer Überlastung des Gesundheitssystems

          Die dritte Welle an Infektionen streut mehr als die beiden Vorläufer. Während der ersten Welle im April waren nach den Statistiken vor allem alte Japaner betroffen. Das lag wohl auch daran, dass Japan im Frühjahr noch wenig, aber dafür sehr konzentriert testete und viele leichte Infektionen wohl nicht erfasst wurden. In der zweiten Welle im Juli/August stieg die Zahl der Infektionen vor allem unter jungen Japanern bis 30 Jahre, weil das Virus sich vorwiegend durch Infektionsherde („Cluster“) in Vergnügungsvierteln verbreitete. Jetzt aber gibt es zunehmend Infektionen auch in Altersgruppen um die 50 und 60 Jahre. Das Virus verbreitet sich nach den Angaben der Gesundheitsämter mittlerweile auch innerhalb von Familien. Mediziner warnen vor einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems, weil sich die Betten für schwer erkrankte Covid-Patienten schnell füllen. Die Metropolregion Tokio hält derzeit 150 Betten für schwerstkranke Covid-Fälle bereit. 36 Prozent davon sind schon belegt.

          Japan hatte auch im Frühjahr während des sieben Wochen dauernden Virus-Notstands nur nicht bindende Aufforderungen ausgesprochen, zu Hause zu bleiben oder Geschäfte zu schließen. Trotz dieses nur freiwilligen Lockdowns steht das Land mit weniger als 2100 Virustoten besser da als die meisten westlichen Staaten. Suga und Koike rufen die Menschen dazu auf, Schutzmasken zu tragen und bei Besuchen in Restaurants möglichst wenig und nur mit Masken zu sprechen.

          Auch das Nachbarland Südkorea erlebt einen Anstieg der Infektionszahlen. Zuletzt erreichte die Zahl an Neuinfektionen fast 400 am Tag. Als Reaktion hat die Metropolregion Seoul für zwei Wochen die Virus-Warnstufe angehoben. Nachtklubs und andere Etablissements müssen schließen. Hochzeiten und Beerdigungen dürfen nur noch höchstens 100 Gäste empfangen. Cafés sollten nur noch Laufkundschaft bedienen, und Restaurants dürfen nach 21 Uhr keine Speisen mehr ausgeben.

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