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Italiener nehmen zu : Zwei Kilo mehr nach Lockdown

Der Absatz von Süßigkeiten stieg während des Lockdowns um 13 Prozent. Bild: AFP

In Italien schlagen sich die Eindämmungsmaßnahmen auf den Hüften der Bürger nieder: Im Schnitt soll jeder zwei Kilo zugenommen haben. Schuld sind die fehlende Bewegung und ein übermäßiger Verzehr von „comfort food“.

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          Nicht alle Wirtschaftsbereiche in Italien sind während der strengen, fast zwei Monate langen Ausgangssperre geschrumpft. In Supermärkten und Bäckereien, auch bei Gemüse- und Obsthändlern wuchs der Umsatz von Anfang März bis Ende April um rund 18 Prozent. Die Leute kauften mehr für zu Hause ein, weil alle Restaurants und Kaffeebars geschlossen waren. Seit vergangener Woche ist in der Gastronomie immerhin der Verkauf von Getränken und Speisen zum Mitnehmen wieder erlaubt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Italiener kauften aber nicht nur mehr ein, sie aßen und tranken auch mehr. Und weil sie sich zugleich weniger an der frischen Luft bewegen konnten, nahmen sie zu. Nach einer Erhebung des italienischen Bauernverbands Coldiretti wiegt jeder der 60 Millionen Einwohner Italiens nach acht Wochen Hausarrest durchschnittlich zwei Kilogramm mehr als vor dem Beginn des nationalen Lockdown.

          Besonders übermäßig war der Verzehr beim sogenannten „comfort food“. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gaben die Italiener 150 Prozent mehr Geld aus für Mehl und Grieß sowie 37 Prozent mehr für Butter und Fette, weil offenbar daheim fleißig gebacken wurde. Bei Brot, Crackern und Grissini betrug der Anstieg 14 Prozent, bei vorgefertigtem Teig – zumal für Pizza – waren es 38 Prozent mehr. Bei Nudeln und Gnocchi stieg der Umsatz um sieben Prozent, während 13 Prozent mehr Süßigkeiten und gut zwei Prozent mehr Alkoholika gekauft und verzehrt wurden. Immerhin kauften die Italiener auch 2,6 Prozent mehr Mineralwasser.

          Über die Folgen auf ihre Rundungen machen sich die Italiener und Italienerinnen keine Illusionen: Zu Beginn der sogenannten „Phase zwei“, des vorsichtigen Übergangs vom akuten Notstand zu wieder einigermaßen normalen Verhältnissen, steht gemäß Umfragen für 47 Prozent der baldige Gewichtsverlust ganz oben auf der Prioritätenliste. Diese guten Absichten flankiert Coldiretti mit guten Nachrichten: Es ist in ganz Italien Hochsaison für frisches Gemüse und frisches Obst aus heimischer, ja lokaler Produktion. Es sei also gar nicht schwer, bei jeder Mahlzeit des Tages „mehr Obst, Salat und Gemüse zu essen“. Und statt immer wieder zu Fleisch zu greifen, sollten die Leute mehr frischen Fisch essen. Weil in Italien 55 Prozent des Fangs an Restaurants geliefert werden, erlebten die Fischer des Landes einen schweren Einbruch. Immerhin konnten sich die Fischbestände vor den Küsten so ein wenig erholen.

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