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Museen und Restaurants öffnen : Italien lockert Corona-Maßnahmen

Klassenausflug ins Kolosseum: Als Teil einer „gelben Zone“ dürfen in Rom Museen und archäologische Stätten wieder öffnen. Bild: dpa

Das Ampel-System in Italien schaltet in weiten Teilen des Landes von „orange“ auf „gelb“ und macht Restaurants- und Museumsbesuche wieder möglich. Die Öffnung der Ski-Gebiete ist für Mitte Februar geplant.

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          In Italien sind am Montag in 16 der 20 Regionen des Landes weitgehende Lockerungen des wochenlangen Teil-Lockdowns in Kraft getreten. Zu „gelben Zonen“ mit einem gemäß Corona-Ampel geringen Infektionsrisiko wurden unter anderen die Hauptstadtregion Latium, die bevölkerungsreiche und wirtschaftsstarke norditalienische Region Lombardei sowie Kampanien mit der Hauptstadt Neapel erklärt. Als „orangefarbene Zonen“ mit einem erhöhten Infektionsrisiko gelten vorerst weiter die autonome Provinz Südtirol sowie die Regionen Umbrien und Apulien sowie Sardinien und Sizilien. Dort bleiben etwa Gastronomiebetriebe geschlossen, in Einkaufszentren müssen an Wochenende Einzelhandelsgeschäfte weiter geschlossen bleiben. Keine Region gilt mehr als „rote Zone“ mit dem höchsten Ansteckungsrisiko, allerdings wurde die neue Kategorisierung „weiße Zone“ mit den geringsten Infektionsrisiko noch keiner Region zugeteilt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In den „gelben Zonen“ dürfen Restaurants und Bars von mittags bis abends um 18 Uhr wieder öffnen, es dürfen aber höchstens vier Personen an einem Tisch sitzen. Bis 22 Uhr können Restaurants Speisen noch zum Mitnehmen anbieten. Einzelhandelsgeschäfte dürfen bis 20 Uhr geöffnet bleiben. Auch die Museen sind seit Montag in den „gelben Zonen“ wieder geöffnet – in Florenz etwa die Uffizien und in Rom die Vatikanischen Museen. Fitnesszentren, Schwimmbäder, Theater und Kinos bleiben weiter geschlossen. Im ganzen Land gilt zudem weiter die Ausgangssperre gilt von 22 Uhr bis 5 Uhr. Die Skigebiete werden voraussichtlich am 15. Februar öffnen. Reisen über die Grenzen der Region des Wohnsitzes hinweg bleiben weiter untersagt, sodass selbst der inländische Fremdenverkehr weiter faktisch stillgelegt bleibt.

          Mehr als 88.000 Tote seit Beginn der Pandemie

          Die Corona-Ampel richtet sich nach dem Infektionsgeschehen in den einzelnen Regionen. Am Freitag hatte das Gesundheitsministerium in Rom in seinem wöchentlichen Bulletin von einem rückläufigen Trend bei den Neuinfektionen gesprochen. Als R-Wert, der die Zahl der durchschnittlichen weiteren Ansteckungen durch einen Infizieren angibt, ermittelte der wissenschaftlich-technische Beirat für die Zeit vom 6. bis 19. Januar einen landesweiten Wert von 0,84. Am Sonntag meldeten die Behörden rund 11.250 neue Infektionen und 237 Tote im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Damit sind seit dem Beginn der Pandemie in Italien vor einem Jahr mehr als 88.000 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben, die Zahl der registrierten Infektionen liegt bei rund 2,55 Millionen. Bislang wurden in Italien mehr als 1,9 Millionen Corona-Schutzimpfungen verabreicht.

          In Latium mit der Hauptstadt Rom wurden zuletzt höhere Infektionswerte verzeichnet als in Deutschland. Während laut Robert Koch-Institut die Sieben-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner im ganzen Land derzeit bei rund 90 liegt, verzeichnet Latium aktuell einen Inzidenzwert von 135. In der Lombardei liegt er bei 126, in Venetien bei 143. Die Lockerung der Restriktionen erfolgt auf Basis des Corona-Ampelsystems, dem neben den Infektionszahlen zahlreiche weitere Indikatoren zugrunde liegen – etwa die Gesamtzahl der Intensivbetten und deren Belegung in der betreffenden Region sowie die dortigen Todesfälle und die generelle Verfasstheit des Gesundheitssystems.

          Schon am Vortag der partiellen „Wiedereröffnung“ des Landes war es in zahlreichen Städten zu Menschenansammlungen gekommen, die von Wissenschaftlern und Politikern mit Sorge kommentiert wurden. Aus Großstädten wie Mailand, Rom, Neapel, Bologna und Turin wurden Menschenmengen in populären Einkaufsstraßen und Restaurantvierteln gemeldet. In Florenz verhängte die Polizei Dutzende Strafen wegen Missachtung der Corona-Vorschriften. Gesundheitsminister Roberto Speranza warnte, die Kategorisierung „gelbe Zone“ bedeute nicht, „dass die Gefahr vorbei ist: Wir müssen weiterhin vorsichtig sein, wenn wir keine Rückschläge riskieren wollen.“

          Massimo Galli, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten des Mailänder Krankenhauses Sacco sagte, zwar habe das Corona-Ampelsystem zur Eindämmung der Infektionen beigetragen, „aber das Coronavirus ist noch nicht besiegt“. Agostino Miozzo, Koordinator des wissenschaftlich-technischen Beirats, beklagte, dass es zu erheblichen Verzögerungen und zur Improvisation bei der Impfkampagne gekommen sei: „Wenn wir das Virus besiegen wollen, dürfen wir uns gewisse Fehler nicht erlauben, die uns einen hohen Preis kosten könnten.“

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