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Italien : Erster Europäer mutmaßlich am Coronavirus gestorben

  • Aktualisiert am

Eine chinesische Touristin trägt beim Besuch des Kolosseums in Rom Mundschutz: In Italien ist der erste Europäer an dem neuartigen Coronavirus gestorben; mittlerweile gibt es vier Todesfälle. Bild: dpa

Die WHO warnt vor einer weiteren Ausbreitung der Lungenkrankheit außerhalb Chinas: Während die Fallzahlen dort sinken, meldet Südkorea einen sprunghaften Anstieg der Infektionen. Passagiere der „Diamond Princess“ sind in Berlin gelandet.

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          In Italien ist der erste Europäer mutmaßlich am Coronavirus gestorben. Bei dem Opfer handele es sich um einen 78-jährigen Italiener, sagte Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza am Freitag. Der verstorbene Italiener sei vor seinem Tod jedoch noch nicht positiv auf das Virus getestet worden, eine finale Bestätigung der Infektion habe damit noch ausgestanden. Der Mann war dem Minister zufolge wegen einer anderen Krankheit vor etwa zehn Tagen in einem Krankenhaus in der Region Venetien im Norden Italiens behandelt worden. In Venetien waren zuvor zwei Infektionsfälle von örtlichen Behörden bestätigt worden, in der benachbarten Lombardei 15 Fälle.

          Die Fallzahlen steigen besonders in der an Venetien grenzenden Lombardei: Am Freitagabend erhöhte sich die Zahl nachgewiesener Infektionen um weitere 8 auf 14. Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Viruserkrankung ordneten die Behörden am Freitag in mindestens zehn norditalienischen Städten die sofortige Schließung von Schulen, Behörden und sonstigen öffentlichen Gebäuden an. Auch Lebensmittelgeschäfte, Bars, Diskotheken sowie Sportzentren sollten in den betroffenen Orten mindestens für eine Woche geschlossen bleiben, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Betroffen seien rund 50.000 Menschen.

          Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus zeigte sich die  Weltgesundheitsorganisation WHO wegen neuer Infektionsherde in und außerhalb Chinas alarmiert. „Wir sind immer noch in einer Phase, wo die Eindämmung möglich ist“, sagte Ghebreyesus. „Aber das Zeitfenster schließt sich immer mehr.“ Wenn die Welt jetzt nicht „hart“ gegen das Virus vorgehe, werde sie vor einem „schwerwiegenden Problem“ stehen. Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südkorea, wo sich die Zahl der Neuinfizierten über Nacht fast verdoppelt hat: Die Behörden des Landes meldeten 142 neue Erkrankungsfälle, die Gesamtzahl stieg damit auf 346 – die zweithöchste außerhalb Chinas. Japan meldet ebenfalls steigende Zahlen.

          Höhepunkt der Epidemie „noch nicht gekommen“

          Auch von dem vor der japanischen Küste liegenden Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ könnte sich das Virus weiter ausbreiten. Nachdem am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen durften, erwiesen sich mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere als infiziert. Sechs deutsche Passagiere wurden am Freitag an Bord einer italienischen Maschine aus Japan ausgeflogen und landeten am Samstagmorgen im militärischen Teil des Flughafens Tegel, wie das Auswärtige Amt auf Twitter mitteilte. Die Rückkehrer sind laut der Berliner Gesundheitssenatorin negativ auf das neuartige Coronavirus Sars CoV-2 getestet worden, sollen aber zwei Wochen lang zu Hause isoliert werden.

          Aus China, dem Epizentrum des Virusausbruchs, meldeten die Behörden am Samstag hingegen sinkende Ansteckungszahlen und Todesfälle: 109 Menschen starben demnach seit Freitag an dem Virus, was die Zahl der Todesopfer auf über 2300 steigen lässt. Insgesamt sollen den Behörden zufolge nun rund 76.000 Menschen mit dem Virus infiziert sein.

          Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Politbüro-Sitzung, der Höhepunkt der Epidemie sei „noch nicht gekommen“, vor allem die Lage in der Provinz Hubei sei weiterhin „düster und kompliziert“. In Hubei war im Dezember der Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19 erstmals bei Menschen festgestellt worden. In etwa 25 weiteren Ländern, darunter Deutschland, wurden insgesamt rund 1100 Infektionen nachgewiesen. 14 Infizierte starben bislang.

          Coronavirus könnte der globalen Autoindustrie empfindlich schaden

          Unterdessen werden die Auswirkungen der Epidemie auf die chinesische Wirtschaft immer sichtbarer. Wie der chinesische Autoverband CPCA mitteilte, brachen die Verkäufe vom 1. bis 16. Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 92 Prozent ein. Waren 2019 in den ersten beiden Februarwochen noch 59 930 Autos verkauft worden, konnten die Händler jetzt nur noch 4909 Fahrzeuge absetzen.

          Große Teile der chinesischen Wirtschaft sind wegen der Ausbreitung des Coronavirus sowie den damit verbundenen Maßnahmen in den vergangenen Wochen praktisch zum Erliegen gekommen. Für deutsche Hersteller wie Mercedes-Benz, Audi, BMW, Volkswagen und Porsche ist China der wichtigste Markt. Bei VW steht die Volksrepublik für gut 40 Prozent der Auslieferungen. Und bei der Umstellung auf Elektro-Autos sind die Konzerne auf Batteriezellen aus China angewiesen.

          Eine Studie der Beratungsgesellschaft BCG hatte diese Woche davor gewarnt, dass das Coronavirus der globalen Autoindustrie empfindlich schaden könnte. Allein in der besonders betroffenen Provinz Hubei würden an gut einem Dutzend Standorte fast zwei Millionen Autos pro Jahr gefertigt.

          In einer ersten Version des Texts hieß es mit Verweis auf entsprechende Meldungen in Nachrichtenagenturen, der 78 Jahre alte Mann aus Venetien sei der erste Todesfall in Italien im Zusammenhang mit dem Coronavirus gewesen. Spätere Nachrichtenmeldungen stellten klar, dass auch in diesem Fall der positive Test auf das Virus noch ausgestanden habe.

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