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Berichte kursieren : Ist eine zweite Corona-Infektion möglich?

Auch ehemaligen Covid-19-Patienten sollten weiterhin vorsichtig sein. Bild: dpa

Wer sich mit Corona infiziert, bildet neutralisierende Antikörper. Allerdings nicht alle Patienten gleich viele. Ob bei sehr milden Verläufen genügend Antikörper zirkulieren, die den Virus bei abermaliger Ansteckung abwehren, ist unklar.

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          Wieder kursieren Berichte über ehemalige Sars-CoV-2-Infizierte, die sich ein zweites Mal angesteckt haben sollen und dann sogar schwerer erkrankt seien als bei der ersten Infektion. Aus Japan und Südkorea waren schon vor Wochen die ersten Meldungen über sogenannte Reinfizierte gekommen. Jetzt sind es Berichte aus Taiwan und China – und wieder sind diese Fälle wissenschaftlich nicht einmal halbwegs geklärt. Systematisch untersucht wurde das Phänomen Reinfektion bisher allerdings auch noch nicht.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In Deutschland leben nach offiziellen Zahlen inzwischen an die 100.000 Genesene. Wie viele tatsächlich eine erste Infektion mit dem neuen Coronavirus überstanden haben, ist unklar, weil etwa ein Drittel bis die Hälfte der Infizierten gar keine Symptome bemerkt haben und sich deshalb auch nicht testen ließen. Müssen sich die aus Kliniken oder Quarantäne entlassenen ehemaligen Covid-19-Patienten nun Sorgen machen, dass sie nicht geschützt sind vor einer weiteren Virusattacke?

          Im Körper einiger Patienten können Viren wochenlang kursieren

          Nach allem, was man bisher weiß, bilden Infizierte, sofern die Immunreaktion komplikationslos abläuft, nach spätestens zwei, drei Wochen genügend neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2. Viele dieser Patienten genesen bald, sie sind erst einmal immun – zumindest für Monate, theoretisch sogar für Jahre, wenn die aus der ersten Sars-Epidemie ermittelten Werte auf das neue Coronavirus übertragbar sind.

          Im Körper einiger Patienten jedoch können Viren noch wochenlang kursieren, wenn die Antikörperbildung schleppend verläuft. Infektiös sind diese Patienten allerdings offenbar nicht mehr. Wenn in dieser Zeit der Virustest negativ ausfällt, also falsch-negativ ist, könnten die Patienten in dem falschen Glauben entlassen werden, sie seien virusfrei. Ein Test danach könnte dann wieder positiv ausfallen. Artefakte bei den Tests gelten als wahrscheinlicher Grund für die Reinfektionsberichte. Denn Tests sind nie hundertprozentig korrekt.

          Dennoch können die Experten derzeit auch nicht ausschließen, dass die Immunlage bei Genesenen nicht ausreicht, um vor einer weiteren Coronavirus-Infektion zu schützen. Tatsächlich hat sich in einer chinesischen Untersuchung von Medizinern aus Schanghai an 175 Genesenen gezeigt, dass die Menge an neutralisierenden Antikörpern sehr unterschiedlich ausfällt – so, wie die Symptome nach einer Infektion sehr unterschiedlich sind.

          Ob etwa bei sehr milden Verläufen genügend Antikörper zirkulieren, die dem Virus bei einer abermaligen Ansteckung Paroli bieten, ist weiterhin unklar. Beobachtet werden konnte bei den ersten Münchener Patienten, dass auch Infizierte mit schwachen Symptomen, einem Kratzen im Hals oder Husten, zumindest in den ersten Wochen genug Antikörper vorweisen, um eine möglicherweise gefährliche Reinfektion mit dem gleichen Virus zu verhindern.

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