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Corona und Verschwörungen : Ist die Lüge an der Macht?

1. Mai am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin: Die Polizei greift durch Bild: Jens Gyarmaty

Hinter der Seuchenbekämpfung wirkt ein geheimer Plan: Immer mehr Menschen glauben so etwas, die Verschwörungstheorien breiten sich von den Rändern in die Mitte aus. Den ungeheuerlichsten Verdacht hegen zurzeit die Eliten selbst.

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          Das Grummeln wird lauter, das „Grundrauschen“, wie die Verfassungsschützer es nennen. Nicht einfach ein Unmut, wie er nach den Wochen drastischer Einschränkungen allseits erwartet worden ist. Vielmehr ein grundsätzlicher Verdacht, dass die Politik, die die deutsche Regierung und ein Großteil der Regierungen der Welt ergriffen haben, nicht die notwendige Gefahrenabwehr ist, als die sie sich ausgibt. Sondern dass in Wahrheit etwas ganz anderes dahinter steckt, etwas Dunkles, über das die verschiedensten Vermutungen kursieren, die aber alle in einem übereinkommen: Es ist eine Verschwörung gegen das Volk, ein Coup gegen die Demokratie.

          Zum Beispiel Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin, am 1. Mai: Auch an diesem Tag folgen wieder etwa dreihundert Menschen einem Aufruf der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ und drängen an den Absperrgittern vorbei zur Volksbühne. „Widerstand 2020“ steht auf handgemalten Plakaten. Schon in den vergangenen Wochen hatten sich am selben Platz sogenannte Hygiene-Demos mit wachsender Teilnehmerzahl zusammengefunden. In einer Zeitschrift, deren dritte Ausgabe mit einer Auflage von 380 000 Exemplaren herausgekommen ist, wird zur Rebellion gegen „den Griff zur Macht durch das Horror-Regime“ aufgerufen. Das Virus erscheint da als bloßer Vorwand: „Corona ist nicht oder nicht wesentlich bedrohlicher als jede andere Grippewelle.“ In Wirklichkeit geschehe Folgendes: „Die Regierung projiziert ihre eigene Panik wegen des Zusammenbruchs des Finanzmarktkapitalismus auf uns.“ Die Polizei ist am 1. Mai entschlossen, die Infektionsschutzgesetze einzufordern, und trägt Demonstranten vom Platz, achtzig werden vorübergehend festgenommen. Auch eine linke Gegendemonstration „Reclaim Rosa Luxemburg Platz“ findet sich ein. Die Initiatoren der Hygiene-Demos waren, als schon zu Dercon-Zeiten aktive Volksbühnen-Besetzer der Initiative „Staub zu Glitzer“ und frühere Mitglieder des antikapitalistischen „Haus Bartleby“ (beide Institutionen distanzieren sich heute von ihnen), zunächst selber dem linken Lager zugeordnet worden, auch weil ihre Zeitschrift mit Texten von Giorgio Agamben bestückt ist. Doch auf ihren Zusammenkünften wurden immer mehr bekennende Rechtsextreme gesichtet. Ein sich als „Volkslehrer“ bezeichnender Demonstrant gab dafür die Parole aus: „Rechts und links gegen BRD-Faschismus in Berlin“.

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