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Mit Booster und Maske : Wie Israel die vierte Welle überstanden hat

Eine Frau nimmt einem Mann am Flughafen in Tel Aviv einen Abstrich ab, um ihn auf das Coronavirus zu testen. Bild: Reuters

Israels Ministerpräsident Bennett hat die Corona-Politik seines Vorgängers Netanjahu scharf kritisiert. Als neuer Amtsinhaber setzte er früh auf Auffrischimpfungen – mit Erfolg.

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          Die vierte Corona-Welle brach im Sommer über Israel herein. Jetzt hat das Land sie offenbar überstanden – nach Ansicht der israelischen Gesundheitsbehörden vor allem aufgrund der breit verabreichten dritten Impfung gegen das Virus. Die Zahl der Covid-19-Patienten in kritischem Zustand lag am Freitag bei 385, die Zahl der täglichen Neuinfektionen gab das Gesundheitsministerium mit 1700 an – das waren knapp 1,5 Prozent der Getesteten. Das ist ein Rückgang von rund 80 Prozent gegenüber dem Höhepunkt der vierten Welle Anfang September, als täglich mehr als 10.000 Corona-Neuinfektionen verzeichnet wurden. Seither sanken die Zahlen kontinuierlich.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Naftali Bennett, Israels neuer Ministerpräsident, lobte sich und seine Regierung im Parlament in dieser Woche dafür, dass dies ohne die Verhängung neuer Lockdowns erreicht worden sei. Bennett war von seinem Vorgänger Benjamin Netanjahu wiederholt scharf kritisiert worden, nachdem er im Juni das Amt übernommen hatte. Schon nach rund vier Wochen giftete der nunmehrige Oppositionsführer Netanjahu in der Knesset mit Blick auf die Corona-Politik, wie die neue Regierung es eigentlich geschafft habe, „so viel in so kurzer Zeit zu zerstören“. Da hatte die hoch ansteckende Delta-Variante des Virus gerade das Land erreicht und die niedrigen Infektionszahlen hochgetrieben.

          Jetzt hat sich die Beharrlichkeit für Bennett ausgezahlt

          Tatsächlich unterscheidet sich aber auch Bennetts Herangehensweise von derjenigen der Vorgängerregierung. Vor der Parlamentswahl im März hatte der rechte Politiker damit geworben, unter ihm gäbe es eine bessere Corona-Politik als unter Netanjahu. Ein Lockdown, sagte er, sei keine politische Strategie, „sondern Versagen“. In einem Buch, betitelt „Wie man eine Pandemie besiegt“, legte er dar, wie die Israelis „mit dem Virus leben“ könnten: mittels einer ausgefeilten Teststrategie und intelligenter politischer Entscheidungsprozesse – also des Gegenteils der seiner Ansicht nach stümperhaften Politik Netanjahus.

          Auch unter dem Eindruck des stark zunehmenden Infektionsgeschehens im Sommer und anschwellender öffentlicher Kritik polemisierte Bennett weiter gegen die unter dem Vorgänger verhängten drei Lockdowns. Deren Kosten hätten umgerechnet 62 Milliarden Dollar betragen, behauptete er im August auf Facebook. Dies sei „unser Geld, eures, das unserer Kinder und Urenkel“. Ein neuer Lockdown würde Israel wirtschaftlich ruinieren, warnte der Ministerpräsident.

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          Zugleich rief er die Bevölkerung dazu auf, sich ein drittes Mal impfen zu lassen. Seine Regierung hatte frühzeitig auf diese Strategie gesetzt: Auffrischimpfungen mit dem Wirkstoff von Pfizer/BioNTech waren schon von Ende Juli an für Personen im Alter von mehr als 60 Jahren verfügbar, sofern die zweite Impfung mindestens fünf Monate zurücklag. Später wurde der „Booster“ auch für Israelis ab zwölf Jahren freigegeben.

          Angesichts der damals vorliegenden Informationen war das durchaus gewagt. Denn auch wenn Studien ergeben hatten, dass die Wirkung des Impfstoffs schon nach wenigen Monaten stark sinkt, gab es noch keine genauen Erkenntnisse über den Nutzen der dritten Impfung. Dass die Regierung mit ihrer Kein-Lockdown-Strategie in Kauf nahm, dass Menschen sterben, gaben Minister selbst zu.

          Jetzt hat sich die Beharrlichkeit für Bennett ausgezahlt. Vertreter des israelischen Gesundheitsministeriums präsentierten am Donnerstag vor der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) ihre Erkenntnisse über die Wirkung der Drittimpfungen in Israel: Demnach sanken bei Personen im Alter von mehr als 60 Jahren schon zwei Wochen nach der Auffrischimpfung die Infektionszahlen rapide, während sie bei anderen Bevölkerungsgruppen noch zunahmen.

          Vor allem wird ein schwerer Krankheitsverlauf verhindert: In Israel machen ungeimpfte, oft jüngere Personen inzwischen drei Viertel der schwer erkrankten Covid-Patienten in Krankenhäusern aus – vor etwa zwei Monaten war noch die Hälfte der schwer Erkrankten aus der Gruppe der mehr als 60 Jahre alten Geimpften gekommen.

          Ein Expertengremium der FDA empfahl am Donnerstag auch Auffrischimpfungen mit dem Moderna-Impfstoff für Amerikaner im Alter von mehr als 65 Jahren sowie für bestimmte Risikogruppen. Entsprechende Auffrischimpfungen mit Pfizer/BioNTech sind in den USA schon freigegeben worden.

          In Israel drückte aber nicht nur die dritte Impfung die Infektionszahlen: Hinzu kamen eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum sowie Zugangsbeschränkungen gemäß der 3-G-Regel in öffentlichen Einrichtungen. Erst jetzt werden die Regeln langsam gelockert.

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