RKI-Zahlen : 1455 Corona-Neuinfektionen und eine weiter sinkende Inzidenz
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In der Fußgängerzone von Osnabrück herrscht vergangenen Dienstag Betrieb. Bild: Lino Mirgeler/dpa
Bei 13,2 liegt nun die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz. Die Gesundheitsminister beraten derweil über die Zukunft der Impfzentren. Und Verdi organisiert Proteste.
Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 1455 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Mittwochmorgen hervor. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 3254 Ansteckungen gelegen.
Deutschlandweit wurden nun den Angaben nach binnen 24 Stunden 137 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 107 Tote gewesen. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 90.074 angegeben. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 13,2 an (Vortag: 15,5; Vorwoche: 20,8).
Das Institut zählte seit Beginn der Pandemie 3.717.625 nachgewiesene Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.590.900 an.
Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Dienstagnachmittag bei 0,72 (Vortag: 0,77). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 72 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.
Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten derweil an diesem Mittwoch über die Zukunft der regionalen Impfzentren und die Corona-Folgen bei Kindern und Jugendlichen. Die Zukunft der Impfzentren ist offen, mehrere Länder wollen die Einrichtungen länger als bisher geplant weiterführen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Geplant sind auch Schritte gegen Langzeitfolgen von Covid-Erkrankungen, wie der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz und bayerische Ressortchef Klaus Holetschek (CSU) im Vorfeld in München sagte.
Wie lange werden die Impfzentren gebraucht?
So will Niedersachsen die Impfzentren etwa über die bisher angepeilte Schließung Ende September hinaus betreiben, um schnellen Impffortschritt zu gewährleisten. Ähnlich sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus und Bayern aus. Der Bund müsse die Finanzierung bis Ende des Jahres sicherstellen, forderte Bayerns Ressortchef Holetschek.
Eine Sprecherin des sachsen-anhaltischen Sozialministeriums sagte, die Finanzierung der Impfzentren stehe bis Ende September. „Wir gehen im Augenblick davon aus, dass sie über den Sommer weiterarbeiten werden.“ In Bremen hieß es bei der Gesundheitsverwaltung: „Wir planen aktuell noch, wie es mit den Impfzentren weitergehen wird.“ In Hamburg hängen die Planungen von der weiteren Impfkampagne ab. In Brandenburg sollen neun von elf Zentren erhalten bleiben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach der Ministerpräsidentenkonferenz vergangene Woche gesagt, die Gesundheitsminister sollten darüber beraten, inwiefern die Impfzentren der Länder in gewissem Umfang erhalten bleiben sollen - auch mit Blick auf mögliche Auffrischungsimpfungen im Herbst.
Holetschek sagte: „Ich glaube, dass wir die Impfzentren bis Ende des Jahres weiter brauchen werden und dass der Bund da weiter finanzieren muss.“ Konzeptionelle Änderungen etwa hin zu mehr mobilen Teams seien denkbar. In den Ländern wurde auch betont, dass die Impfzentren eine Übergangslösung seien.
Die Kassenärzte wiesen darauf hin, dass ein Großteil der Impfungen bereits in den Praxen verabreicht wurde. So hätten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte seit Beginn der Impfkampagne in den Praxen Anfang April 2021 über 20,4 Millionen Impfdosen gespritzt, so das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Die Corona-Auffrischungsimpfungen könnten problemlos in den Arztpraxen gemacht werden.
Alltagsangebote für belastete Kinder und Jugendliche
Die Bundespsychotherapeutenkammer forderte mehr Behandlungsmöglichkeiten sowie mehr darüber hinausgehende Alltagsangebote für belastete Kinder und Jugendliche. Gestiegen sei der Behandlungsbedarfs infolge Corona. Nun müssten kurzfristig mehr befristete Praxissitze für psychotherapeutische Behandlung zugelassen werden.
Für belastete Jugendliche müsste es nun ferner um die Stärkung der psychischen Gesundheit gehen - etwa durch Sport-, Freizeit- und Kulturangebote. Erziehungs- und Familienberatungsstellen müssten gestärkt, Kooperationen zwischen Jugendhilfe und Therapeuten intensiviert werden.
Verdi organisiert Proteste
Von der Gewerkschaft Verdi organisierte Proteste sollen am Mittag vor den Gesundheitsministerien der Landeshauptstädte stattfinden. Auf dem Max-Joseph-Platz in München werden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Holetschek erwartet. Die Proteste richten sich gegen die angespannte Arbeitssituation vieler Beschäftigter.
So gaben bei einer Umfrage von Verdi in Kliniken und Pflegeeinrichtungen 52 Prozent der Befragten an, dass sie mit ihren Aufgaben innerhalb eines Arbeitstages nur eingeschränkt oder gar nicht fertig werden können.
78 Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, mit der derzeitigen Personalausstattung in ihrem Bereich bis zur Rente zu arbeiten. Im Krankenhausbereich sind es sogar 83 Prozent. Die Ergebnisse lagen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.
Über ein Jahr nach Pandemiebeginn sagen noch 18 Prozent der Beschäftigten, dass sie nur teilweise, eher nicht oder überhaupt nicht stets genügend Corona-Schutzausrüstung zur Verfügung haben. 73 Prozent der Befragten in der Altenpflege geben an, nicht genug Zeit für Gespräche mit den Pflegebedürftigen zu haben. 48 Prozent der Befragten im Service-Bereich - etwa Reinigung - geben an, mit ihrem Gehalt nicht gut auszukommen. Verdi befragte nach eigenen Angaben 12 000 Beschäftigte in Kliniken, Altenpflege und Service.