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Infektionsmediziner : „Viren werden auch beim Sprechen freigesetzt“

Masken für alle? Hier ist eine Mundschutzmaske zu sehen, hergestellt aus Produktions-Materialien einer Matratze. Bild: dpa

Masken können eine Chance im Kampf gegen das Coronavirus bedeuten, sagt der Infektionsmediziner Mathias Pletz. Im Interview spricht er über eine Maskenpflicht, Krankenhaushygiene und die Stigmatisierung von Risikogruppen.

          3 Min.

          Herr Professor Pletz, in Jena gilt seit Montag eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Gebäuden, in denen der Mindestabstand nicht gewährleistet werden kann, zum Beispiel in Supermärkten. Es können auch selbstgenähte Masken oder Tücher getragen werden. Was halten Sie davon?

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ich halte das für eine gute Idee. Die Empfehlung ist auch sehr ausgewogen, denn es ist keine universelle Maskenpflicht. Auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion bietet, kann das doch erheblich dabei helfen, die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung zu hemmen. Infektiologie ist nie schwarz oder weiß, sondern immer eine Multiplikation von Wahrscheinlichkeiten. Um sich zu infizieren, muss also einiges zusammenkommen: Die ausgeschiedene Virenlast eines Überträgers ist groß genug, um gefährlich zu werden, der Abstand muss kurz genug sein, und das Immunsystem des Gegenübers schafft die Abwehr nicht. Das heißt: Je mehr Wahrscheinlichkeiten man ausschaltet, zum Beispiel mit einer Maske, umso besser. Aber die Maske ersetzt nicht den Abstand, es ist nur eine zusätzliche Präventionsmaßnahme, die vor allem hilft, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, zum Beispiel im Bus oder in der U-Bahn.

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