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Wirtschaftsentwicklung : „Indien wird wieder stark wachsen“

Gemüseernte in Indien Bild: EPA

Das Land ist über seine wirtschaftliche Lage tief zerstritten. Analysten von S&P sagen Indien aber trotz einiger Probleme eine sehr gute Entwicklung voraus.

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          Während Indien tief zerstritten über seine wirtschaftliche Lage ist, stärken nun die Analysten von Standard & Poor’s der Regierung den Rücken: Die Ratingagentur bescheinigt der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens einen „stabilen“ Ausblick und lässt ihre Bewertung („BBB-/A-3“) unverändert. „Trotz der spürbaren Verlangsamung in Indiens Volkwirtschaft in den vergangenen Quartalen glauben wir, dass die strukturelle, überdurchschnittliche Entwicklung des Wachstums intakt bleibt. Die reale Wachstumsrate dürfte sich deshalb in den nächsten zwei bis drei Jahren auf die langfristigen Trendwerte erholen“, heißt es in einem Bericht vom Donnerstag. Bedenklich aber bliebe die finanzielle Lage aufgrund der hohen Haushaltsverschuldung von nun 3,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Regierung hat ihre selbst verhängten Verschuldungsgrenzen mehrfach gebrochen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Analysten gehen von einer Wachstumsrate für Indien von offiziell 7,1 Prozent für die kommenden vier Haushaltsjahre aus. Nach fünf Quartalen mit sinkender Wachstumsrate liegt sie derzeit nur noch bei 4,5 Prozent. Eine stillschweigende Absage erteilen die Analysten allerdings der immerwährenden Ankündigung von Ministerpräsident Narendra Modi, Indien werde 2023 eine Volkswirtschaft mit einem Volumen von 5 Billionen Dollar sein. Auch wenn er nicht einmal definiert, ob er vom nominalen oder realen Bruttoinlandsprodukt ausgeht, erwartet S&P deutlich niedrigere Werte.

          Indiens früherer Finanzminister Palaniappan Chidambaram hatte der Regierung unter Modi zu Beginn dieser Woche Inkompetenz unterstellt: „Wir haben eine Volkswirtschaft, die gefährlich nah am Zusammenbruch steht. Wir sehen wachsende Arbeitslosigkeit und sinkende Nachfrage, die Volkswirtschaft wird ärmer, nicht reicher.“ Selbst Arvind Subramanian, der frühere Wirtschaftsberater Modis, sprach davon, die Volkswirtschaft liege „auf der Intensivstation“.

          Auch die Analysten schließen die Augen nicht vor den Problemen, ziehen aber andere Schlüsse: „Indien durchläuft eine zyklische, keine strukturelle Abschwächung. Über die nächste Zeit wird Indiens Wirtschaft der Wind weiter ins Gesicht blasen, einschließlich geringer privater Investitionen, Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und einer geringen Nachfrage. Die langfristige überdurchschnittliche Entwicklung bleibt intakt.“ Schwierig erscheint derzeit allerdings auch die Teuerungsrate, die auf 7,6 Prozent geschnellt ist. Hier werden Indien jedoch die auch aufgrund des Corona-Virus gefallenen Ölpreise entgegenkommen.

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