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Indisches Wundermittel? : Mit Coronil vom Guru Corona trotzen

Medizinische Mitarbeiter in Schutzkleidung untersuchen in Dharavi, einem der größten Slums Asiens, Bewohner auf Corona-Symptome. Bild: dpa

Indien meldete am Mittwoch den höchsten Anstieg der Coronainfektionen. Ein Guru verspricht derweil, ein Wundermittel gefunden zu haben.

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          Mit seinem bärtigen Gesicht verkauft der prominente indische Guru Baba Ramdev seit langem nicht nur Yogakurse, sondern auch Instantnudeln und Zahnpasta. Doch nun hat der Asket mit dem ausgeprägten Geschäftssinn ein potentiell lukratives neues Produkt gefunden. Der Guru behauptet, er habe ein Wundermedikament gegen das neuartige Coronavirus entdeckt, und zwar mit hundertprozentiger Heilungschance. Eine klinische Studie an 100 positiv auf das Virus getesteten Patienten habe ergeben, dass unter der Anwendung des Mittels innerhalb einer Woche alle Patienten wieder gesund gewesen seien.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ramdev hatte das angebliche Wundermittel am Dienstag am Hauptquartier des von ihm repräsentierten Unternehmens Patanjali Ayurved in der nordindischen Stadt Haridwar im Bundesstaat Uttarakhand vorgestellt, in der er auch ein Yogazentrum betreibt. Die Pille mit dem Namen Coronil soll aus pflanzlichen Stoffen bestehen, die der traditionellen Ayurveda-Medizin entnommen sind. Sie soll von nächstem Montag an im Dreierpack mit Nasentropfen und einem pflanzlichen Öl verkauft werden, die der zusätzlichen Stärkung des Immunsystems dienen sollen. Die drei Arzneien werden zusammen als „Corona-Kit“ 545 Rupien kosten, umgerechnet weniger als sieben Euro.

          Fachleute skeptisch

          Die großspurigen Ankündigungen waren unter Fachleuten auf große Skepsis gestoßen. Auch die Regierung reagierte prompt. Sie ordnete an, dass das Unternehmen vorerst nicht mit der angeblichen Wunderwirkung der Mittel werben darf. „Die Fakten hinter dieser Behauptung und die Details der genannten Studie sind dem Ministerium nicht bekannt“, hieß es in der Mitteilung des zuständigen Ministeriums für Ayurveda und Yoga. Das Ministerium sieht die traditionelle indische Heilkunst zwar auch als Weg, das Immunsystem gegen das Virus zu stärken, propagiert sie aber nicht als Heilungsmöglichkeit.

          Am Mittwoch meldete Indien seinen bisher höchsten Anstieg an Neuinfektionen mit fast 16.000 Fällen. Damit liegt die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie nun bei mehr als 45.600. Indien ist das Land mit den meisten Infektionen hinter den Vereinigten Staaten, Brasilien und Russland.

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