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Nach Italien : Auch Spanien zählt mehr Corona-Todesfälle als China

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens nimmt bei einer Teststation in Madrid einen Abstriche. Bild: dpa

In Spanien steigen die Todesfälle durch die Corona-Pandemie dramatisch. Das Land verzeichnet nun mehr Todesfälle als China. Die Regierung hat die Nato um Hilfe gebeten, außerdem soll der Alarmzustand verlängert werden.

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          In Spanien sind nun mehr Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben als in China. Das spanische Gesundheitsministerium meldete am Mittwochmittag 3434 Tote. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden waren es damit 738 weitere Todesfälle. Das entspricht einer Zunahme von mehr als 27 Prozent.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Spanien ist damit nach Italien mit (6820) das Land auf der Welt mit den zweitmeisten Corona-Toten. Auf dem chinesischen Festland wurden 3281 Tote registriert. In Spanien werden die meisten Verstorbenen (1825) weiterhin in Madrid verzeichnet; dort stieg ihre Zahl seit Dienstag um fast 300.

          Die spanische Nachrichtenagentur Efe berichtet, dass alleine in einem kirchlichen Altersheim im Madrider Stadtteil Chamartín 23 Bewohner gestorben sind; mehr als 30 Menschen wurden infiziert. Soldaten haben mittlerweile in mehr als 300 Heimen interveniert. Mehrere Senioreneinrichtungen wurden geräumt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in einigen Häusern.

          Hohe Dunkelziffer befürchtet

          Insgesamt stieg die Zahl der nachweislich Infizierten auf 47.600. In Madrid wurden 14.600 Fälle registriert, darauf folgt Katalonien mit knapp 10.000 Fällen. Die Zunahme hat auch damit zu tun, dass jetzt intensiver getestet wird. Laut Fachleuten ist jedoch eine große Zahl an nicht erkannten Infektionen zu befürchten. Mehr als 5000 Pfleger und Ärzte sind infiziert, was den Druck auf das überlastete Gesundheitssystem noch weiter verstärkt.

          Die spanische Regierung bat deshalb die Nato um Unterstützung bei der medizinischen Versorgung: Unter anderem um mehrere hunderttausend Tests, 500 Beatmungsgeräte sowie Schutzmasken. Zudem schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel in einem Brief an die Spanier, Europa stehe „in voller Solidarität an Eurer Seite, und wir werden keine Anstrengungen scheuen, Euch zu helfen“. Auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach Hilfe.

          Darüber hinaus hofft die Regierung, dass die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit bis zum Ende der Woche Wirkung zeigen und dann der Höhepunkt der Epidemie erreicht ist. Das Parlament will noch am Mittwoch über die Verlängerung des Alarmzustands bis zum 11. April abstimmen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska zeigte sich zuversichtlich, dass er „einige Maßnahmen aufheben könne“, wenn dieses Datum erreicht sei.

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