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Früher war mehr Feuerwerk: Mit Raketen über dem Lincoln Memorial, dem Washington Monument und dem Kapitol feierte man in Washington den amerikanischen Unabhängigkeitstag. Bild: dpa

Corona-Infektionen in Amerika : Autokorso statt Menschenmenge am Unabhängigkeitstag

  • -Aktualisiert am

Der Unabhängigkeitstag wurde in diesem Jahr zurückhaltend gefeiert, denn in den Vereinigten Staaten steigen die Infektionszahlen weiter stark an. Betroffen sind vor allem jüngere Menschen, aber auch zu den vielen Toten unter den älteren Infizierten gibt es erste Untersuchungen.

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          Die Feiern zum amerikanischen Unabhängigkeitstag fielen am Wochenende eher schlicht aus. Philadelphia verzichtete auf die üblichen Paraden, Straßenfeste und Feuerwerke und feierte virtuell. Auch New York, das am Nationalfeiertag traditionell unter den Raketen der „Macy’s Fireworks“ erstrahlt, blieb bis auf das Empire State Building dunkel. Die Stadt hatte schon in der Woche vor dem Nationalfeiertag kleinere Lichtshows veranstaltet – kurz und an wechselnden, geheim gehaltenen Orten, um Besucher fernzuhalten. Los Angeles und San Francisco strichen gleich alle Feuerwerke, Washington verkürzte die üblichen Lichtshows und ließ Blue Angels, die Kunstflugstaffel der United States Navy, über National Mall und Weißes Haus donnern.

          Selbst der kalifornische Küstenort Huntington Beach, seit mehr als 110 Jahren an „Fourth of July“ bekannt für die üppigste Parade westlich des Mississippi, trat in diesem Jahr ohne Spielmannszüge der Highschools an. Bürgermeisterin Lyn Semeta stellte stattdessen zwei Autokorsos zusammen, die am Wochenende durch die Stadt fuhren und die Parade bis vor die Haustür brachten. In Corona-Zeiten sollten die sogenannten Vorgarten-Feiern helfen, virenträchtige Menschenansammlungen zu verhindern.

          In der Woche vor „Independence Day“ hatten die amerikanischen Gesundheitsbehörden neue Infektionsrekorde gemeldet. Mehr als 35 Bundesstaaten beobachteten zum Teil einen drastischen Anstieg bestätigter Fälle. In Florida, das wie Texas, Arizona und Kalifornien besonders heftig von neuen Infektionen heimgesucht wird, zählten die Gesundheitsämter allein am Samstag fast 11.500 Infektionen mit Sars-CoV-2. Der Südstaat übertraf damit den eigenen Höchststand, der am Donnerstag bei mehr als 11.100 neuen Ansteckungen lag. Laut der Johns Hopkins University infizierten sich am Mittwoch, Donnerstag und Freitag landesweit täglich mehr als 50.000 Amerikaner. Die Zahl lag damit höher als an jedem anderen Tag seit Beginn der Pandemie. Epidemiologen schreiben den Anstieg neben der Wiedereröffnung vieler Geschäfte und Restaurants auch dem „Memorial Day“ zu, dem Gedenktag für Gefallene amerikanischer Kriege Ende Mai. Der inoffizielle Beginn des Sommers zieht jedes Jahr Millionen Amerikaner an Strände und in Parks.

          Dass sich die Welle neuer Infektionen kaum auf die Zahl der Covid-19-Toten niederschlägt, wirft derweil Fragen auf. Obwohl Kalifornien in der vergangenen Woche mit fast 47.000 neuen Infektionen etwa 10.000 mehr als in der Vorwoche zählte, blieb die Kurve der Covid-19-Toten flach. Auch Florida wurde bislang nicht von einer neuen Welle eingeholt. Trotz mehr als 55.000 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen, gut 20.000 mehr als in der Vorwoche, stieg die Zahl der Corona-Toten des Sunshine State nur von 262 auf 318. Einige Wissenschaftler verweisen darauf, dass sich in den vergangenen Wochen meist Jüngere ansteckten. Die Gefahr, als Dreißigjähriger an Corona zu sterben, ist geringer als bei einem Siebzigjährigen. Auch zeitliche Verzögerungen könnten eine Rolle spielen. „Wir wissen, dass zwischen Ansteckung und Tod mindestens zwei Wochen liegen, manchmal auch mehr“, mahnte Amerikas oberster Gesundheitsbeamte Jerome Adams.

          Zusammenhang zwischen Todesrate und Pflegeheimen

          Recherchen der „New York Times“ deuten nun auf einen Zusammenhang zwischen der landesweiten Corona-Todesrate und Pflegeheimen hin. Wie die Zeitung errechnete, verstarben in den Heimen seit März fast 54.000 Senioren und Pflegekräfte nach Infektionen mit dem Coronavirus. Verstorbene der „Nursing homes“ machen inzwischen mehr als 40 Prozent der insgesamt etwa 129.000 Covid-19-Toten in den Vereinigten Staaten aus. Laut „New York Times“ wurde fast die Hälfte der Todesopfer in Seniorenheimen in nördlichen Bundesstaaten wie New York, New Jersey und Illinois registriert, die im Frühjahr besonders heftig von der Pandemie eingeholt wurden.

          Falls die Infektionswelle, die jetzt den Süden betrifft, auch die Pflegeheime in Bundesstaaten wie Florida, Arizona und Texas erreicht, droht die Todesrate abermals in die Höhe zu schnellen. Die Gruppe der Amerikaner jenseits des 65. Geburtstags macht nur etwa 16 Prozent der Bevölkerung aus. Den Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) zufolge stellte die Gruppe in den vergangenen Monaten aber acht von zehn aller amerikanischen Covid-19-Toten. „Zu Beginn der Pandemie hat es die Pflegeheime besonders stark getroffen. Jetzt beobachten wir die meisten Infektionen bei Leuten mit einem durchschnittlichen Alter von 35 Jahren. Da sie weniger Begleiterkrankungen haben, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie im Krankenhaus landen und sterben“, sagte Jerome Adams dem Sender Fox. „Was uns bei den jungen Leuten aber besonders Sorgen macht, ist, dass sie sich anstecken und das Virus dann zu ihren Großeltern tragen.“

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