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Hausärzteverband empört : Impfansturm mit aggressiver Stimmung auf Arztpraxen

  • Aktualisiert am

Sprechstundenhilfen in einer Berliner Arztpraxis Bild: Juergen Blume

Das Ende der Priorisierung verschärft die Impfstoffknappheit in Praxen weiter. Oliver Funken, Vorstand des Hausärzteverbandes, berichtet von unfreundlichen Patienten und wachsendem Druck auf Angestellte.

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          Aggressive Stimmung, Massenansturm Impfwilliger und Personal am Limit: Erste Hausärzte nehmen nach Verbandsangaben von den Corona-Impfungen wieder Abstand. „Wir haben inzwischen eine gefährliche Entwicklung: Zahlreiche Hausarztpraxen melden sich vom Impfsystem wieder ab“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, der Zeitung Rheinische Post. Die Hausärzte erlebten eine extrem aggressive Stimmung bei der Impfstoffnachfrage. Schon jetzt liefen die Telefone in den Praxen heiß, so dass die Hausärzte zunehmend Schwierigkeiten bei der Regelversorgung hätten.

          Der Verbandschef verwies auch auf die starke Belastung der Beschäftigten in den Praxen. „Natürlich wollen wir der Bevölkerung helfen, aber wir müssen auch das Wohl der Beschäftigten im Blick behalten. Und auch den Fortbestand der Praxis.“ Es könne nicht sein, dass die Mitarbeiter angesichts der chaotischen Situation in die innere Kündigung gingen, weil sie mit diesem Massenansturm nicht klarkämen. Nach dem Motto „Ich bin schon mal hier und jetzt will ich auch meine Impfung haben“ forderten einige Impfwillige nachdrücklich eine Spritze ein, sagte Funken der Deutschen Presse-Agentur.

          Impfstoff wird für Zweitimpfungen benötigt

          Die Stimmung habe sich zugespitzt, je näher der Urlaub rücke und je mehr Freiheiten winkten. „Man will zu den drei „G“ gehören: Genesen, Geimpft oder Getestet“, erläuterte Funken. Hinzu komme Frustration, wenn weniger Impfstoff als gedacht ankomme. Einzelne Hausärzte würden sich vor diesem Hintergrund zurückziehen. Es kämen aber auch weitere Ärzte zum Impfsystem hinzu, weil sich zunehmend Fachärzte beteiligen könnten. Der Verbandschef hofft auf eine Entspannung Ende des Monats durch zusätzliche Lieferungen. Derzeit würde Impfstoff insbesondere für die Zweitimpfungen benötigt, so dass die Erstimpfungen aktuell nicht in dem Maße im Vordergrund stehen könnten wie zuvor.

          Im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe beteiligen sich etwa 80 Prozent der Hausärzte und 20 Prozent der Fachärzte an der Impfaktion gegen Corona. Ein Sprecher sprach von Einzelfällen, in denen Ärzte keinen Impfstoff mehr bestellten. In der Region Westfalen-Lippe würden pro Woche rund 300.000 Impfdosen in den Praxen verabreicht. Die Zahl der Dosen sei in etwa gleich geblieben, es kämen aber mehr Praxen hinzu. Beim Impfstoff von AstraZeneca seien zudem jüngst Erwartungen, die das Bundesgesundheitsministerium geweckt habe, nur zu einem Bruchteil erfüllt worden. „Bei den Ärzten, die schon Termine an Patienten vergeben hatten, hat das zu großer Verärgerung geführt“, erläuterte der Sprecher der Vereinigung.

          Funken befürchtet, dass es mit der Freigabe der Impfstoffe zum 7. Juni einen neuen Ansturm von Impfwilligen auf die Hausarztpraxen geben könnte. Es sei aber bei weitem nicht so, dass ab dem Stichtag sofort alle geimpft werden könnten. „Die Priorisierung war immer der Knotenpunkt, an dem alles hing. Jetzt wird der Riegel rausgenommen. Damit wird der Deich gebrochen“, verdeutlichte er das Szenario. Für die Sommerurlaubsmonate zeichneten sich schon abermals Engpässe ab, da auch ein Teil der Hausärzte und ihr Personal für je ein bis zwei Wochen in Urlaub gehe. „Wir müssen davon ausgehen, dass 30 Prozent der Arztpraxen in den Sommerferien ein oder zwei Wochen schließen.“

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