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Impfstoff-Tests in Südamerika : Das Corona-Labor

Stark exponiert: Badegäste in Rio de Janeiro Bild: dpa

Die Pandemie trifft Lateinamerika hart. Deshalb ist die Region in den Fokus der Impfforscher gerückt. Für klinische Tests ist es von Vorteil, wenn die Probanden möglichst stark exponiert sind.

          4 Min.

          Jeder dritte Corona-Tote ist Lateinamerikaner. 300.000 Menschen sind in Lateinamerika bisher am Virus gestorben, acht Millionen haben sich infiziert. Fünf der zehn Länder mit der höchsten Sterberate befinden sich hier. Die meisten Länder der Region sind von der Pandemie überrollt worden. Das Virus hat das unterfinanzierte öffentliche Gesundheitswesen entblößt. Vor allem aber sind es die sozialen Unterschiede, die Lateinamerika so anfällig machen für die Pandemie. Große Teile der Bevölkerung können es sich nicht leisten, zu Hause zu bleiben. Und selbst wenn, dann sind dort für viele soziale Distanzierung und die Einhaltung der Hygienevorschriften nicht möglich.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Viele Lateinamerikaner haben die Hoffnung verloren, das Virus aus eigener Kraft in Schach halten zu können. Man lässt es geschehen. Nur die Aussicht auf eine Impfung macht noch Hoffnung. Es ist einfach, in Lateinamerika Freiwillige zu finden, die sich für klinische Tests von möglichen Impfstoffen zur Verfügung stellen. Auch die verhängnisvollen Zusammenhänge an sich machen die Region interessant für die Forscher. Für klinische Tests ist es von Vorteil, wenn die Probanden möglichst stark exponiert sind. Und das sind sie in Ländern wie Peru, Chile oder Brasilien, wo rund 200 Infektionen auf 10.000 Einwohner verzeichnet werden und eine sehr hohe Dunkelziffer anzunehmen ist.

          Vor allem Brasilien ist ein interessanter Standort für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs: In dem Land gibt es einige Institutionen, die in der Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen große Erfahrung und einen guten Ruf haben. Eine davon ist die Stiftung Oswaldo Cruz (Fiocruz) in Rio de Janeiro, eine andere das Institut Butantan in São Paulo. Die beiden öffentlichen Forschungseinrichtungen sind an der Entwicklung von zwei vielversprechenden Impfstoffen beteiligt. Fiocruz hat einen Kooperationsvertrag mit AstraZeneca und der Universität Oxford abgeschlossen, Butantan mit der chinesischen Sinovac.

          Beide Impfstoffe sind in Phase drei der klinischen Tests, wobei AstraZeneca vor kurzem einen Rückschlag hinnehmen musste, da eine der Testpersonen mögliche Nebenwirkungen zeigte; die klinischen Tests können seit einigen Tagen jedoch fortgesetzt werden. Sinovac vermeldete kürzlich vielversprechende Testergebnisse. Dimas Covas, der Direktor des Instituts Butantan, das dem Bundesstaat São Paulo gehört, ist optimistisch, dass sein Institut und Sinovac bereits zu Beginn des kommenden Jahres – und damit Brasilien als eines der ersten Länder – einen wirksamen Impfstoff zur Verfügung haben werden.

          Mit offenen Armen empfangen

          Auch die amerikanischen Pharmaunternehmen Johnson & Johnson und Pfizer führen in Brasilien Tests durch. Denn für Brasilien als Standort für die Entwicklung von Impfstoffen sprechen auch die Produktionskapazitäten. Das Institut Butantan stellt selbst Impfdosen her. Die Produktionskapazitäten sind mit 100 Millionen Impfdosen pro Jahr so groß, dass das Institut heute der wichtigste Hersteller von Grippeimpfungen in der südlichen Hemisphäre ist. Auch das Technische Institut für Immunbiologie Bio-Manguinhos, das Fiocruz angegliedert ist, zählt zu den größten Herstellern von Impfdosen in Lateinamerika.

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